Die Aufgabe der Nachahmung der Satzstellung und noch deutlicher die freie Übersetzung unterschlagen allerdings Martials Angriff auf Bassas Selbstverständnis in puncto Geschlechterrolle. LCL 94: You say you are beautiful, Bassa, you say you are a girl. That is usually said by somebody who is neither, Bassa.
Die diskreditierende Pointe zielt ja gerade auf die doppelte Selbstcharakterisierung Bassas ab, das zweifache dicis steht hier nicht als Ausdruck des Stotterns. Warum also sollte sie sich ausdrücklich als puella bezeichnen, wenn sie es denn offensichtlich ist? Dass es um ihre äußerliche Geshlechtsidentität nicht unbedingt geht, legen andere Epigramme Martials nahe. In I, 90 wird Bassa als vermeintliche Lucretia, Inbegriff tugendhafter Weiblichkeit, gezeichnet, die sich als lesbischer fututor entpuppt und eine männliche Rolle beim Sex mit Frauen einnimmt. Auch wenn ältere Interpreten an der abgesprochenen Mädchenhaftigkeit nur ihre Jugend ausmachen wollten, bleibt für das Verständnis der Verse wesentlich, dass es diese in den Ohren des Dichter verdächtige Selbstdarstellung ist, die angegriffen wird. Das sollte die Übersetzung nicht unterschlagen.