Latein Wörterbuch - Forum
Posui bildet u-Perfekt? — 100 Aufrufe
Marcel Schneider am 28.8.26 um 19:28 Uhr (Zitieren)
Hallo Forum,

in der Grammatik von Rubenbauer (RHH) und in der Grammatik von Kühner-Stegmann wird aufgeführt, dass „ponere“ ein v-Perfekt bildet (posivi, das lautgeschichtlich zu posui wurde). Es zählt aber nicht als u-Perfekt. Nun behauptet die Latein-Lehrerin unseres Sohnes, dass posui als u-Perfekt zählt (wegen des „u“). Was ist richtig? Danke.
Re: Posui bildet u-Perfekt?
David am 28.8.26 um 19:47 Uhr (Zitieren)
Salve!

1. beide Formen werden in der Tat in Lehrbüchern bzw. Verb-Tabellen aufgeführt: posuī/posīvī, aber in der Regel in der Tat als u-Perfekt gelehrt, weil ... s. 2.

2. ... als wenig wissender Tutor hatte ich damals gelehrt: „ponere hat ein v-Perfekt, das verschliffen wurde zu einem u-Perfekt.“ So hatte ich es von meinem Tutor gelernt.

Ich hoffe, ich habe nichts Falsches gelehrt ...

ABER: Liebe Grüße an die Lehrerin:

Es ist schnuppe, wie die Kinder es nennen, sie müssen nur wissen, wie man es übersetzt, wenn es ihnen begegnet. Und auch an die Lehrerin: Würde man auf diese Art Englisch unterrichten, die Kinder würden nie ordentlich englische Texte lesen können ...

Vale!
David
Re: Posui bildet u-Perfekt?
Latein2026 am 29.8.26 um 9:14 Uhr (Zitieren)
Die Lehrerin hat in der Praxis recht, während die wissenschaftlichen Grammatiken (Rubenbauer-Hofmann und Kühner-Stegmann) historisch recht haben.

Beide Aussagen beschreiben im Grunde dasselbe Phänomen, nur aus zwei unterschiedlichen Perspektiven (Schulgrammatik vs. Sprachgeschichte).

Warum die Grammatiken von einem v-Perfekt sprechen:

Etymologie: Ursprünglich hieß das Perfekt zu ponere tatsächlich posivi (abgeleitet von der Präposition po- und sino/sivi). Das „v“ ist im Laufe der Sprachentwicklung durch Lautwandel (Synkope) herausgefallen, wodurch aus posivi das einsilbige posui wurde. Aus sprachwissenschaftlicher und lautgeschichtlicher Sicht gehört es deshalb in die Gruppe der v-Perfekta.

Warum die Lehrerin von einem u-Perfekt spricht:

Schuldidaktik: In der Schule teilt man starke beziehungsweise unregelmäßige Verben nach ihrer tatsächlich hör- und sichtbaren Endung im Perfekt ein, um den Schülern das Lernen zu erleichtern. Da posui auf -ui endet und genau wie typische u-Perfekta (wie alui von alere) flektiert wird, zählt man es in der Schulgrammatik praktischerweise zu den u-Perfekta. Niemand in der Schule lernt heute noch die historische Form posivi.

Fazit:
Für den Lateinunterricht und das Vokabellernen ist die Einordnung als u-Perfekt (bzw. -ui-Perfekt) völlig korrekt und wird von jeder modernen Schulgrammatik so gehandhabt. Die wissenschaftlichen Werke korrigieren dies lediglich um den historischen Hintergrund, den man im Unterricht normalerweise nicht wissen muss.
 
Um einen Text zu verfassen, müssen Sie zunächst über eine Plattform der Wahl Ihre Identität mit einem Klick bestätigen. Leider wurde durch das erhöhte Aufkommen von anonymen Spam und Beleidigungen diese Zusatzfunktion notwendig. Auf der Seite werden keine Informationen der sozialen Netzwerke für andere sichtbar oder weitergegeben. Bestätigung über Google Bestätigung über Facebook Bestätigung über AmazonBei dem Verfahren wird lediglich sichergestellt, dass wir eine eindeutige nicht zuordnebare Identität erhalten, um Forenmissbrauch vorzubeugen zu können.
Antwort
  • Titel:
  • Name:
  • E-Mail:
  • Bei freiwilliger Angabe der E-Mail-Adresse werden Sie über Antworten auf Ihren Beitrag informiert. Dies kann jederzeit beendet werden. Kontrollieren Sie ggf. den Spam-Ordner.
  • Eintrag:
  • Grundsätzliches: Wir sind ein freies Forum, d.h. jeder Beteiligte arbeitet hier unentgeltlich. Uns eint das Interesse an der Antike und der lateinischen Sprache. Wir gehen freundlich und höflich miteinander um.

    Hinweise an die Fragesteller:

    1. Bitte für jedes Anliegen einen neuen Beitrag erstellen!
    2. Bei Latein-Deutsch-Übersetzungen einen eigenen Übersetzungsversuch mit angeben. Das gilt vor allem dann, wenn es sich um Hausaufgaben oder Vergleichbares handelt.
      Eine übersichtliche Gliederung erleichtert den Helfern die Arbeit.
      Je kürzer die Anfrage ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass schnell geantwortet wird.
    3. Bei Deutsch-Latein-Übersetzungen bitte kurz fassen. Für die Übersetzung eines Sinnspruchs wird sich immer ein Helfer finden.