Latein Wörterbuch - Forum
Petrons Cena Trimalchionis — 639 Aufrufe
Orbi am 14.10.24 um 20:10 Uhr (Zitieren)
Sehr geehrte Forum-Mitglieder,

ich habe die Aufgabe bekommen im folgenden Textausschnitt aus Petrons „Cena Trimalchionis“ nach Kennzeichen des Vulgärlateins zu suchen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr das korrigieren und ergänzen würdet:

Text:
(26,7) Venerat iam tertius dies, [id est expectatio liberae cenae,] sed tot vulneribus confossis fuga magis placebat quam quies.
(26,8) Itaque cum maesti deliberaremus, quonam genere praesentem evitaremus procellam, unus servus Agamemnonis interpellavit trepidantes
( 26,9) et: „Quid? vos“, inquit, „nescitis hodie apud quem fiat? Trimalchio, lautissimus homo <...> horologium in triclinio et bucinatorem habet subornatum, ut subinde sciat, quantum de vita perdiderit!“
( 26,10) Amicimur ergo diligenter obliti omnium malorum et Gitona libentissime servile officium tuentem [usque hoc] iubemus in balneum sequi.
(27,1) nos interim vestiti errare coepimus, immo iocari magis et circulis ludentium accedere, cum subito videmus senem calvum, tunica vestitum russea, inter pueros capillatos ludentem pila.
(27,2) nec tam pueri nos, quamquam erat operae pretium, ad spectaculum duxerant, quam ipse pater familiae, qui soleatus pila prasina exercebatur. nec amplius eam repetebat, quae terram contigerat, sed follem plenum habebat servus sufficiebatque ludentibus.
(27,3) notavimus etiam res novas. nam duo spadones in diversa parte circuli stabant, quorum alter matellam tenebat argenteam, alter numerabat pilas, non quidem eas, quae inter manus lusu expellente vibrabant, sed eas, quae in terram decidebant.
(27,4) cum has ergo miraremur lautitias, accurrit Menelaus et ‚hic est‘, inquit, ‚apud quem cubitum anmerk. ponitis, et quidem iam principium cenae videtis‘.
(27,5) etiamnum loquebatur Menelaus, cum Trimalchio digitos concrepuit, ad quod signum matellam spado ludenti subiecit.
(27,6) exonerata ille vesica aquam poposcit ad manus, digitosque paululum adspersos in capite pueri tersit
(28,1) longum erat singula excipere. itaque intravimus balneum et sudore calfacti momento temporis ad frigidam eximus.
(28,2) iam Trimalchio unguento perfusus tergebatur, non linteis, sed palliis ex lana mollissima factis.
(28,3) tres interim iatraliptae in conspectu eius Falernum potabant, et, cum plurimum rixantes effunderent, Trimalchio hoc suum propin esse dicebat.
(28,4) hinc involutus coccina gausapa lecticae impositus est praecedentibus phaleratis cursoribus quattuor et chiramaxio, in quo deliciae eius vehebantur, puer vetulus, lippus, domino Trimalchione deformior.
(28,5) cum ergo auferretur, ad caput eius cum minimis symphoniacus tibiis accessit et tamquam in aurem aliquid secreto diceret, toto itinere cantavit.
(28,6) sequimur nos admiratione iam saturi et cum Agamemnone ad ianuam pervenimus, in cuius poste libellus erat cum hac inscriptione fixus:
(28,7) ‚quisquis servus sine dominico iussu foras exierit, accipiet plagas centum‘.
(28,8) in aditu autem ipso stabat ostiarius prasinatus, cerasino succinctus cingulo, atque in lance argentea pisum purgabat.
(28,9) super limen autem cavea pendebat aurea, in qua pica varia intrantes salutabat.

Meine Befunde:
(26,8) „unus servus“ -> Verwendung des Artikel „unus“
(27,1) „nos ... coepimus“ -> pleonastische Verwendung des Pronomens
(27) generell -> Aneinanderreihung von Parataxen statt Hypotaxen, einfache + kurze Satzstruktur
(27,6) „ille vesica“ -> Verdrängung von is, ea, id durch ille, illa, illud
(28,3) „iatraliptae“/„propin“ -> Gräzismen
(28,4) „gausapa“/„phaleratis“/„chiramaxio“ -> Gräzismen
(28,4) „puer vetulus“ -> Deminutiv
(28,5) „symphoniacus“ -> Gräzismus
(28,6) „sequimur nos ... pervenimus“ -> pleonastische Verwendung der Pronomina
(28,6) „libellus“ -> Deminutiv

Vielen Dank im Voraus,
Orbi
Re: Petrons Cena Trimalchionis
latinulus am 15.10.24 um 12:07 Uhr (Zitieren)
„amicimur ergo diligenter“ (26,10) – „Amicimur“ (wir kleiden uns) ist eine Form, die im klassischen Latein seltener vorkommt und eher als volkstümlich betrachtet werden kann.

„nos interim vestiti errare coepimus“ (27,1) – Die Konstruktion „errare“ (herumwandern) in diesem Kontext ist eine volkstümliche Verwendung und weicht vom klassischen Gebrauch ab, wo es eher „sich irren“ bedeutet.

„tunica vestitum russea“ (27,1) – „Russea“ (rötlich) ist eine vulgäre Form des klassischen „russatus“. Der Gebrauch von Farb- und Kleidungsausdrücken in dieser Weise ist typisch für Vulgärlatein.

„soleatus pila prasina exercebatur“ (27,2) – Die Beschreibung von Sandalen („soleatus“) und der Farbe („prasina“) ist volkstümlich und wird in der klassischen Literatur selten so verwendet.

„follem plenum habebat servus“ (27,2) – Die Formulierung „follem plenum“ (einen vollen Beutel) ist volkstümlich, und das Wort „follis“ wird oft in informellen oder alltäglichen Kontexten verwendet.

„exonerata ille vesica aquam poposcit“ (27,6) – „Exonerata vesica“ (nachdem er seine Blase entleert hatte) ist eine volkstümliche und eher derbe Beschreibung, die nicht in gehobener klassischer Literatur vorkommt.

„tres interim iatraliptae in conspectu eius Falernum potabant“ (28,3) – Das Wort „iatraliptae“ (Massage-Therapeuten) ist ein griechischer Begriff, der häufig in volkstümlicher Weise gebraucht wird. Auch „potabant“ (sie tranken) ist eine umgangssprachliche Form.

„in quo deliciae eius vehebantur“ (28,4) – „Deliciae“ (sein Liebling) ist ein volkstümlicher Begriff für einen Sklaven oder Begleiter, oft mit einem negativen oder ironischen Unterton.

„quisquis servus sine dominico iussu foras exierit“ (28,7) – „Dominico“ für „des Herrn“ ist eine volkstümliche, vereinfachte Form und nicht die klassische Formulierung für Besitzverhältnisse.

„in cuius poste libellus erat cum hac inscriptione fixus“ (28,6) – „Libellus“ (Zettel) und „fixus“ (angebracht) in dieser Kombination sind volkstümlich und einfach gehalten, im Gegensatz zu einem eleganteren, klassischen Ausdruck.

venerat“ (26,7) – Klassisches Latein würde hier „venerat“ im Perfekt als „war gekommen“ nutzen, was korrekt ist, aber die Formulierung ist sehr erzählerisch und eher informell.

„apud quem fiat“ (26,9) – Die Verwendung von „fiat“ (Subjunktiv Präsens) im Zusammenhang mit einer Frage ist unüblich und wirkt eher wie Umgangssprache.

„horologium in triclinio et bucinatorem habet subornatum“ (26,9) – Das Wort „subornatum“ ist eine volkstümliche Form für „vorbereitet“ oder „bereitgestellt“. Diese Art der Umschreibung ist typisch für Vulgärlatein.

„matellam“ (27,3) – Dieser Ausdruck für „Nachttopf“ ist ein vulgärer Begriff und zeigt den alltäglichen Sprachgebrauch, der im klassischen Latein eher vermieden wird.

„cubitum ponitis“ (27,4) – Die Formulierung „cubitum ponere“ (sich zum Essen niederlegen) ist eine volkstümliche Ausdrucksweise, die von der klassischen Syntax abweicht.

„cum Trimalchio digitos concrepuit“ (27,5) – Das Schnippen der Finger („digitos concrepare“) ist eine umgangssprachliche Ausdrucksweise, die sich eher in der gesprochenen Sprache findet.

„iam saturi“ (28,6) – „Satur“ bedeutet „gesättigt“, wird hier jedoch in einem übertragenen Sinn verwendet, um den Zustand des Überdrusses oder der Sättigung zu beschreiben, was eher umgangssprachlich ist.
Re: Petrons Cena Trimalchionis
Orbi am 15.10.24 um 16:15 Uhr (Zitieren)
Vielen Dank!
Re: Petrons Cena Trimalchionis
Omega am 15.10.24 um 21:31 Uhr (Zitieren)
Der Dank gilt besser dem KI-Chatbot, der diese Fragwürdigkeiten produziert hat. Zwei Beispiele:


apud quem fiat“ (26,9) – Die Verwendung von „fiat“ (Subjunktiv Präsens) im Zusammenhang mit einer Frage ist unüblich und wirkt eher wie Umgangssprache


Umgangssprachlich, um diesen Ausdruck aufzunehmen, ist hier allenfalls die Bedeutung von fieri im Sinn von etwas los sein/etwas laufen, aber doch nicht die Verwendung in einer Frage an sich, ebensowenig der Konjunktiv.


horologium in triclinio et bucinatorem habet subornatum“ (26,9) – Das Wort „subornatum“ ist eine volkstümliche Form für „vorbereitet“ oder „bereitgestellt“. Diese Art der Umschreibung ist typisch für Vulgärlatein.


Erstens ist in keiner Lesart die Bedeutung „vorbereitet“ oder „bereitgestellt“ wirklich treffend, was hier eine Umschreibung wovon sein soll und was diese vulgärlateinisch macht, ob man nun, wie manche, bucinatorem als Bezugswort (a uniformed trumpeter, einen reichgeschmückten Hornbläser) sieht oder, wie neuere Ausgaben, im Hinblick auf die sonstige Verwendung des Wortes bei Petronius, zu horlogium [et] bucinatore … subornatum emendiert (eine Wasseruhr …, die mit einem Trompeter ausgestattet ist), ist rätselhaft.



 
Um einen Text zu verfassen, müssen Sie zunächst über eine Plattform der Wahl Ihre Identität mit einem Klick bestätigen. Leider wurde durch das erhöhte Aufkommen von anonymen Spam und Beleidigungen diese Zusatzfunktion notwendig. Auf der Seite werden keine Informationen der sozialen Netzwerke für andere sichtbar oder weitergegeben. Bestätigung über Google Bestätigung über Facebook Bestätigung über AmazonBei dem Verfahren wird lediglich sichergestellt, dass wir eine eindeutige nicht zuordnebare Identität erhalten, um Forenmissbrauch vorzubeugen zu können.
Antwort
  • Titel:
  • Name:
  • E-Mail:
  • Bei freiwilliger Angabe der E-Mail-Adresse werden Sie über Antworten auf Ihren Beitrag informiert. Dies kann jederzeit beendet werden. Kontrollieren Sie ggf. den Spam-Ordner.
  • Eintrag:
  • Grundsätzliches: Wir sind ein freies Forum, d.h. jeder Beteiligte arbeitet hier unentgeltlich. Uns eint das Interesse an der Antike und der lateinischen Sprache. Wir gehen freundlich und höflich miteinander um.

    Hinweise an die Fragesteller:

    1. Bitte für jedes Anliegen einen neuen Beitrag erstellen!
    2. Bei Latein-Deutsch-Übersetzungen einen eigenen Übersetzungsversuch mit angeben. Das gilt vor allem dann, wenn es sich um Hausaufgaben oder Vergleichbares handelt.
      Eine übersichtliche Gliederung erleichtert den Helfern die Arbeit.
      Je kürzer die Anfrage ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass schnell geantwortet wird.
    3. Bei Deutsch-Latein-Übersetzungen bitte kurz fassen. Für die Übersetzung eines Sinnspruchs wird sich immer ein Helfer finden.