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Ein historischer Text — 1008 Aufrufe
Kay Stöcklein am 20.9.24 um 9:19 Uhr (
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Ich würde mich freuen wenn mir hier noch mal bei diesem historischen Text helfen würde.
Da mir mal wieder nur eine Übersetzung vorliegt und ich aber das Original nicht habe würde ich mich über eure Hilfe freuen. Ich vermute mal das es ein sehr kurzer Urkundentext ist der aus dem späten 8 Jh. stammt
„Es ist recht, dass wer uns unverletzte Treue gelobt, unseres Schutzes geniesse. Und weil jener Getreue nach Gottes Willen kommend dort in unserem Palast mit seinen Waffen in unsere Hand Gefolge und Treue beschworen hat; deshalb durch die gegenwärtige Urkunde befehlen und beschliessen wir, dass jener obenerwähnte hinfüro unter die Zahl der Antrustionen gerechnet werde. Und wenn jemand sich erfrechen sollte, ihn zu töten, so wisse er, dass er sein Wehrgeld mit 600 solidi zu zahlen schuldig befunden werde.“
Re: Ein historischer Text
Deine konkrete Frage?
Meine KI sagt dazu Folgendes:
Dieser Text ist ein Auszug aus einer fränkischen Königsurkunde, genauer gesagt einer Schutzurkunde (auch bekannt als „Treueid“ oder „Antrustioneneid“) aus der Merowingerzeit. Lassen Sie uns die wichtigsten Aspekte dieses Textes analysieren:
Kontext:
Der Text stammt vermutlich aus dem 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr.
Er bezieht sich auf das fränkische Königtum und dessen Gefolgschaftssystem.
Hauptelemente:
Treuegelöbnis: Jemand hat dem König Treue geschworen.
Schutzversprechen: Der König gewährt im Gegenzug seinen Schutz.
Aufnahme in die Antrustionen: Der Treue wird in eine besondere Gruppe von Gefolgsleuten aufgenommen.
Strafandrohung: Es wird eine hohe Strafe für die Tötung des Getreuen festgesetzt.
Interpretation:
a) Gegenseitigkeit:
Der Text zeigt ein gegenseitiges Verpflichtungsverhältnis zwischen König und Gefolgsmann.
Der Gefolgsmann schwört Treue, der König gewährt Schutz.
b) Ritualisierung:
Der Eid wird „mit Waffen in unsere Hand“ geschworen, was auf ein formelles Ritual hindeutet.
Die Zeremonie findet im königlichen Palast statt, was die Bedeutung unterstreicht.
c) Rechtlicher Status:
Die Aufnahme in die „Antrustionen“ verleiht einen besonderen rechtlichen Status.
Antrustionen waren eine Elite-Gruppe von königlichen Gefolgsleuten mit besonderen Privilegien.
d) Abschreckung:
Die hohe Strafe (600 Solidi Wehrgeld) für die Tötung des Getreuen dient als Abschreckung.
Sie unterstreicht den besonderen Schutz, den der König gewährt.
e) Staatliche Autorität:
Der Text zeigt, wie der König versucht, seine Autorität durch persönliche Bindungen zu stärken.
Es ist ein Beispiel für die Personalisierung von Herrschaft im frühen Mittelalter.
Historische Bedeutung:
Der Text gibt Einblick in die Funktionsweise des fränkischen Königtums.
Er zeigt, wie persönliche Treuebeziehungen als Instrument der Herrschaftssicherung dienten.
Die Urkunde verdeutlicht den Prozess der Staatsbildung im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Text ein wichtiges Dokument für das Verständnis der politischen und sozialen Strukturen im frühmittelalterlichen Frankenreich darstellt. Er zeigt, wie Herrschaft durch persönliche Bindungen, rituelle Handlungen und rechtliche Privilegien ausgeübt und gefestigt wurde.
Re: Ein historischer Text
Kay Stöcklein am 20.9.24 um 10:56 Uhr (
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Oh, das haben Sie sehr gut zusammengefasst.
Zur Erklärung: Ich selbst bin im Bereich historischer Darstellung unterwegs, auf sagen wir mal Museumsniveau. Ich stelle (oder versuche es zumindest – einen solchen darzustellen.) Mir ist schon bewusst, dass es sich bei dieser frühmittelalterlichen Kultur um eine mündliche, auf Ritualen basierende Kultur handelt. Und die Zeremonie im Palast ist das Entscheidende und die Urkunde nur Schmuck am Nachthemd. Nun ist es für die Museumsbesucher aber schwer zu verstehen, warum ich oft noch etwas in die Hand nehme. Ich selbst habe kein Faximile davon gefunden und würde den Text den Leuten aber gerne zeigen. Darum wäre eine Übersetzung ins Lateinische sehr nett. (Ich weiß, das können die meisten nicht lesen, aber ich habe das auch schon bei anderen Schriftstücken.) Dass ich immer die lateinische und die deutsche Version habe und immer einen versuchen lassen, mit Latinum zu übersetzen, und ein anderer bekommt die deutsche Fassung. So binde ich immer das Publikum immer ein bisschen mit ein.
Re: Ein historischer Text
Omega am 20.9.24 um 10:57 Uhr (
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Re: Ein historischer Text
@Omega:
Wie hast du den Text gefunden?
KI sagt dazu:
Um den Originaltext zu finden, der deinem Zitat entspricht, gibt es einige Ansätze, die du verfolgen kannst:
Lex Salica (Salisches Gesetz):
Da der Text die Antrustionen erwähnt, ist es wahrscheinlich, dass er aus der Lex Salica stammt, dem Recht der Franken, das von den Merowingern kodifiziert wurde. Eine Ausgabe oder Übersetzung der Lex Salica könntest du in einer Bibliothek oder online in historischen Sammlungen finden. Achte besonders auf Abschnitte, die sich mit dem Wehrgeld und den Antrustionen befassen.
Historische Rechtsquellen:
Da der Text eine Mischung aus politischer und rechtlicher Sprache zeigt, könntest du nach fränkischen Kapitularien suchen. Diese sind Erlasse oder Gesetze der fränkischen Könige, oft zum Schutz von Gefolgsleuten. Die Kapitularien Karls des Großen oder seiner Vorgänger enthalten viele ähnliche Regelungen.
Online-Datenbanken für mittelalterliche Texte:
Datenbanken wie Monumenta Germaniae Historica (MGH) stellen zahlreiche mittelalterliche Dokumente in digitaler Form zur Verfügung. Du könntest dort nach fränkischen Gesetzen und Kapitularien suchen.
Bibliotheken oder Universitäten:
Universitäten mit gut sortierten historischen Fakultäten oder spezialisierte Bibliotheken könnten gedruckte Ausgaben historischer Rechtsquellen haben, die dir den Zugang zum Originaltext ermöglichen.
Forschungsartikel oder Geschichtsbücher:
Manchmal findest du Auszüge aus mittelalterlichen Rechtsdokumenten in Sekundärliteratur. Wenn du nach Büchern über das fränkische Recht oder die Antrustionen suchst, könntest du auf den gesuchten Text stoßen.
Re: Ein historischer Text
Kay Stöcklein am 20.9.24 um 11:38 Uhr (
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Ich bedanke mich mal wieder für die sehr gute und hier auch sehr schnelle Hilfe.
Re: Ein historischer Text
Omega am 20.9.24 um 12:09 Uhr (
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Da der Text formelhaft ist, auch in der Literatur als Formel bezeichnet wird (Die Aufnahme in die Trustis erfolgte durch die Formel: »Es ist recht …) , mir besagte Formelsammlung des Markulf bekannt war und sie zur in Frage kommenden Epoche passt, habe ich mittels partieller Rückübersetzung der Schlüsselpassagen dort nachgesehen. Die KI kann, da die historische Übersetzung, die Kay gepostet hat, offenbar nirgendwo ihre Quelle nennt oder den lateinischen Text parallel wiedergibt, diese Verknüpfung nicht herstellen.