„quo“ ist die Form „Ablativ“ und erlaubt alle (Anschluss-) Funktionen des Ablativ.
Beispiel Dativ:
(1.a) Illo homini gratias ago. (1.b) Ille homo, CUI gratias ago, ...
Bsp. Akkusativ:
(2.a) Illum librum legi. (2.b)Ille liber, QUEM legi, ...
Beispiel Ablativ
(3.a) Illo die epistulam scripsi. (3.b) Ille dies, QUO epistulam scripsi, ...
Was ich sagen will: In diesen Beispielen ist der Satz (b) genau dann korrekt gebildet, wenn der Satz (a) es ist.
Deswegen gehe ich jetzt mal ein paar Sätze suchen, in denen „dies“ astrein zur Adverbial-Bildung benutzt wird...
am sechsten Tage des Marsches, sextis castris; aber auch sexto die: heute ist der achte T., hic est dies octavus:
[Deutsch-lateinisches Handwörterbuch: Tag. Zeno.org: Georges Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 81759
(vgl. Georges-DLHW, S. 2260)]
tertio quoque die (an jedem dritten Tage):
[Deutsch-lateinisches Handwörterbuch: Tag. Zeno.org: Georges Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 81759
(vgl. Georges-DLHW, S. 2260)]
QUOQUE... (Jüngst war da mal was hier im Forum...)
ludorum Romanorum secundo die, Liv.: extremo ludorum scaenicorum die, Cic.: primo imperii die, Suet.: hesterno, hodierno, crastino die, Cic.: hodierno et crastino die,
[Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: dies. Zeno.org: Georges Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 18026
(vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 2142)]
postero die, Cic., postera die, Sall.:
[Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: dies. Zeno.org: Georges Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 18026
(vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 2142)]
ALSO „dies“ Mask. und Fem. möglich. (Bedeutungsunterschied?)
Vielleicht gibt es die Funktionsbezeichnung „Ablativus temporis“...
Zum zweitenmal habe ich mich hier mit einem „o“ statt „i“ blamiert - neulich schrieb ich mal „pro servos“ statt „pro servis“.
Wenn man sich die Tastatur anschaut: au weia. Da hat doch mal vor ein paar Jahren ein Mensch eine völlig andere Tastenbelegung konzipiert... diese hat sich - LEIDER - nicht durchgesetzt...
„angepasste“ Wortstellung : würde ich durchgehen lassen.
Kaum einer wird wahrnehmen, dass nun das Verb „est“ ein bisschen „hängt“ - der Hörer erwartet ein Prädikatsnomen (also einen Nominativ), wird aber direkt in den beschreibenden Relativsatz hineingelockt; es hat eine Art Ellipse (Auslassung) stattgefunden.
Was ich meine, wird auch im Deutschen sichtbar:
Dieser Tag ist ???, an dem ...
Dieser Tag ist ES, an dem ...
[Mir dämmert eine ganz schrille Formulierung:
Hic est quo die vita gaudet ... Nein; lieber nicht.]
„Hic locus est ubi ...“ trägt diese Problematik deswegen nicht, weil das Wort „ubi“ gewissermassen mit seiner Funktion identisch ist. Dies ist bei dem Wort „quo“ jedoch nicht der Fall (der Ablativ hat viele Funktionen)...
das „esse“ ist nicht nur Hilfsverbum,
stellt man es an eine besondere Stelle im Satz, dann ändert es seine Bedeutung:
„hic est...“ -> „hier gibt es...“,„hier existiert...“,„dieser befindet sich“,„dieser ist vorhanden“ usw...
Hic locus est ...
Vokal „i“ im Adverb „hic“ ist lang.
Hic dies est ...
Vokal „i“ im Demonstrativpronomen „hic“ ist kurz zu sprechen (Jakob, trägst du mündlich vor?), die Silbe zählt aber metrumsgerecht als positionslang.
Gilt das Wort „dies“ für zwei Kürzen? Für eine Länge?
Beim Diphthong „gau“ bin ich ebenfalls zögerlich (ihn als Kürze anzusehen...)
Stimmt - „gaudet“ ist der Punkt, an dem’s nicht wirklich klappt. „dies“ sind zwei Silben, wobei das e eigentlich auch lang ist. Also, ich geb’s ja zu, der ursprüngliche Hexameter ist besser!
Ja, ich trage in der Tat mündlich vor.
Wenn das Reimschema nicht perfekt ist, macht es aber nichts, weil Anatomen das scheinbar nicht merken... jedenfalls konnte mir bisher keiner bei der Übersetung des ursprünglichen Satzes helfen.
Ich werde also wahrscheinlich Elisabeths Vorschlag nehmen, weil hier die Wortstellung noch am ehesten mit der des Zitats übereinstimmt!