Wir lernen und lehren ja brav, dass ad mit Akkusativ und pro mit Dativ steht oder bei manchen auch „konstruiert“ wird.
Gibt es Beispiele für einen abweichenden Gebrauch der Kasus?
Ich stand nämlich unlängst vor einer Inschrift, auf der ganz dreist und fehlerhaft pro mit Akkusativ in Stein gemeißelt war.
Ist dem lapicida der Meißel ausgerutscht?
Valete!
Re: Pro (oder and. Präposition) mit abweichenden Kasus
hs35 am 14.9.24 um 13:19 Uhr, überarbeitet am 14.9.24 um 13:43 Uhr (Zitieren)
pro als Präposition steht IMMER mit Ablativ, ad IMMER mit Akkusativ
Es gibt aber noch dieses pro bei Ausrufen: 1. prō! (nicht proh) Interi. zum Ausdruck der Verwunderung u. der Klage, o! ach! pro di immortales! Cic.: pro deorum hominumque fidem! Cic., od. pro deûm immortalium (sc. fidem)! Ter., od. pro deûm fidem! Liv.: pro sancte Iuppiter! o heiliger Jupiter! Cic.: pro bone Iuppiter! Sen. rhet.: pro Iuppiter! hominis stultitiam! Ter.: pro malae tractationis! Tert.: pro pudor! s. pudor. – zuw. leider, tantum, pro! degeneramus a patribus nostris, ut etc., Liv. 22, 14, 6.
deum = deorum
Es kommt kaum vor.
Grund könnte der o.g. sein oder ein Fehler.
Auch bei Gravuren kommt es zu Fehlern.
Davon habe ich vor einiger Zeit ein Beispiel gelesen.
Wie lautet den die Inschrift, von der du sprichst?
Bitte immer Text vollständig mitposten!
Re: Pro (oder and. Präposition) mit abweichenden Kasus
Ob die Verbform zu einem Ausruf passen will, kann ich nicht beurteilen:
Wenn der Ersteller spricht, dann POSVI, wenn von dem Ersteller gesprochen wird, hat es wohl einmal POSVIT geheißen.
Ich habe die Inschrift abgefilmt und zusätzlich Bilder gemacht.
Ich probiere mal eine Bild einzustellen ... *drei Minuten später* ... was nicht geht.
PVPLIVS AEL VEN
VSTINUS STRATOR
COS LEG XI CL PRO
SALVTEM SVAM
VOTO POSVI_
Vale!
Re: Pro (oder and. Präposition) mit abweichenden Kasus
hs35 am 17.9.24 um 12:31 Uhr, überarbeitet am 17.9.24 um 12:57 Uhr (Zitieren) I
Hier muss es SALVTE MEA heißen. Akk. geht hier keinesfalls.
pro heißt für, zugunsten
Der Fehler in der Inschrift („pro salutem“ statt „pro salute“) kann verschiedene Gründe haben. Hier sind einige mögliche Erklärungen:
Mögliche Ursachen:
Steinmetzfehler:
Der Steinmetz, der die Inschrift anfertigte, könnte einen Fehler gemacht haben. Solche Fehler waren in antiken Inschriften nicht ungewöhnlich, besonders wenn der Steinmetz nicht vollständig literarisch gebildet war.
Vulgärlatein:
In der Spätantike entwickelte sich das gesprochene Latein (Vulgärlatein) weg vom klassischen Latein. In manchen Regionen verschwammen die Unterschiede zwischen Kasus, was zu solchen Fehlern führen konnte.
Regionale Variante:
In bestimmten Teilen des Römischen Reiches könnte sich eine regionale Variante des Lateins entwickelt haben, in der „pro“ mit dem Akkusativ verwendet wurde.
Hyperkorrektur:
Der Autor der Inschrift könnte versucht haben, besonders „korrekt“ zu klingen und dabei überkorrigiert haben.
Phonetische Ähnlichkeit:
In der gesprochenen Sprache klangen „salutem“ und „salute“ möglicherweise sehr ähnlich, was zu Verwechslungen führen konnte.
Transkriptionsfehler:
Wenn die Inschrift von einem modernen Forscher transkribiert wurde, könnte der Fehler bei der Übertragung entstanden sein.
Abnutzung der Inschrift:
Falls die Inschrift beschädigt oder abgenutzt ist, könnte das abschließende „M“ eine Fehlinterpretation sein.
Re: Pro (oder and. Präposition) mit abweichenden Kasus
Ich habe lange vor dem Stein gesessen und bin von dem „posui“ ausgegangen, davon also, dass hier der Ersteller selbst spricht (1. Pers. Sing. Perf.), aber das -T kann am Ende auch unleserlich geworden sein.
Es sieht auch so aus als hätte da zuerst(?) SALVTA gestanden das E hat aus heutiger Sicht auf jeden Fall Striche an der „falschen“ Stelle.
Das „suam“ ist auch nicht „SVAM“ geschrieben sondern sieht aus wie S_VA_A
Aber ich weiß nicht, ob man das M auch abkürzen/anders schreiben konnte.
Das Video kann ich gerne zusenden.
Vale!
Re: Pro (oder and. Präposition) mit abweichenden Kasus
Zu b) Das dort stationierte Militär samt Versorgungseinheiten und Händlern war zu der Zeit von einer griechischsprachigen Bevölkerung umgeben, sodass ein wechselseitiger Einfluss auf den Sprachgebrauch nicht unwahrscheinlich ist (was unter Umständen auch das Rho erklärt).
Re: Pro (oder and. Präposition) mit abweichenden Kasus