Lieber/Liebe στρουθίον οἰκιακόν,
ja, das kann nur ein Anfang sein und ich glaube auch nicht, daß ich auf die Schnelle grundlegende Änderungen in einer ja schon Jahrzehnte andauernden Entwicklung bewirken kann.
Ja, für den Humansimus waren die Wurzeln zur Antike wichtig und wirkten sich in der Folge stark auf die Lehrpläne aus. Allerdings wird heutzutage - und nicht zu Unrecht - der Humanismus vorrangig mit der Kolonialzeit verbunden, die recht inhuman war. Daher bin ich Humidistin.
Aber die Antike liegt mir als Althistorikerin ('Griechin') und Mutter dreier Kinder (von denen allerdings nur noch einer mit einem Bein in der Schule steht) trotzdem am Herzen. Virtuelle Gespräche mit Γραικύλος auf der keinverlag-Seite bewirkten dann, daß ich mir gewissermaßen halbliterarisch mal Luft gemacht habe.
Ich verstehe auch, daß man allen aktuellen Themen Raum geben muß, denn die Kinder müssen als junge Erwachsene erst mal mit ihrer Gegenwart klarkommen. Und die Zahl der Projektwochen muß schon, um den ohnehin durchwachsenen Erfolg der Schulbildung nicht weiter zu gefährden, eine endliche sein. Aber wenn es Geschichte ist, die bei einer Projektwoche (oder einem länger vorbereiteten Event-Projekt) im Fokus steht, ist es eben meiner Wahrnehmung nach ausschließlich die Neuere und Neuste Geschichte.
Ich finde es zwar richtig, daß man regelmäßig eine Aufarbeitung der braunen Vergangenheit Deutschlands unternimmt, aber bei den Kindern kommt das (und kam es schon vor der Jahrtausendwende) so an, als ob es das einzige Thema ist. Damit erweckt man dann kein Bewußtsein für Entwicklungen, gegen die schon im Vorfeld angearbeitet werden sollte, sondern eine Ermüdung und Abwendung von den Inhalten. Und das kann ja auch nicht Zweck des Ganzen sein.
Die Geschichte ist so viel vielfältiger, man muß sich nicht auf ein halbes Jahrhundert der jüngsten Vergangenheit beschränken. Aber entweder fehlen die entsprechenden Kompetenzen an den Schulen - was durch Vorschläge und Arbeitsmaterialien aus anderer Quelle aufgefangen werden könnte - oder es fehlt das Interesse.
Wenn das fehlenden Interesse tatsächlich bei den Kultusministerien anfängt und entsprechende Vorgaben zur Aufarbeitung des frühen 20. Jahrhunderts auf den Lehrplänen in allen Jahrgängen verpflichtend durchgeführt werden müssen, dann bedarf es allerdings einer grundlegenden Änderung.
Meine Idee der Änderung, die europäische Schiene gewissermaßen, ist ja nicht auf meinem Mist gewachsen. Der 1992 gegründete Verein AGE (Alte Geschichte für Europa) hat sich das auf die Fahnen geschrieben, deswegen bin ich ihm wenig später auch beigetreten. Aber seine Wirkungsmacht ist bisher nicht im Schulalltag von Niedersachsen angekommen.
Daß Europa wichtig ist, ist ja in vielen Köpfen noch verwurzelt. Wenn man also allgemein Europa behandelt, kann man doch auch mal einen eingehenderen Blick auf die Ursprünge legen - und mal da weiterdenken, wo die hellenistischen Reiche im 3. Jahrhundert
v.u.Z. standen. Und vielleicht von da auch einen erkenntnisfruchttragenden Brückenschlag zur Gegenwart machen können.
Denn der Hellenismus wird im Schulgeschichtsunterricht selbst bei Behandlung der Antike gewöhnlich ausgeblendet. Die Griechische Geschichte endete demnach mit Alexander (d.G.) - eine ganz griechische Sicht also :-).
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Ganz herzlichen Dank übrigens für die Erklärung des Fehlers bei der Textauszeichnung. Tatsächlich wollte ich aus dem Hinweis auf keinVerlag gar keinen Link machen, das passierte wohl automatisch dadurch, daß ich Punkt - de angehängt hatte. Diesen Fehler versuche ich in Zukunft zu vermeiden.
Herzlichen Dank für Deine Lektüre und Deine Bemerkungen, und für die guten Wünsche.
Schöne Grüße von Βεττίνα