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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Diktys Cretensis über Achill und Penthesileia (292 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.11.2023 um 14:31 Uhr (Zitieren)
Dictys Cretensis, Ephemeris belli Troiani IV 2 f.:

Dictys Cretensis ist ein fiktiver Autor, dessen Werk in der Bearbeitung eines Septimius mutmaßlich aus dem 4. Jhdt. vorliegt. Es könnte auf das Werk eines Griechen namens Diktys zurückgehen, der spätestens in der römischen Kaiserzeit gelebt hat.
Inzwischen war in eben diesen Tagen Penthesilea, die wir zuvor erwähnt haben, mit ihrer großen Schar von Amazonen und den übrigen Stämmen aus der Nachbarschaft rasch eingetroffen. Als sie erfahren hatte, dass Hektor getötet worden war, wollte sie, von dessen Tod stark erschüttert, nach Hause zurückziehen, wurde jedoch von Alexandros [Paris] mit viel Gold und Silber gelockt und entschloss sich schließlich, ebendort abzuwarten. Dann rüstete sie nach Ablauf einiger Tage ihre Truppen mit Waffen aus. Abgesondert aber von den Trojanern schritt sie selbst bald voll ausreichendem Vertrauen auf ihre Kriegerinnen in den Kampf: Den rechten Flügel stattete sie mit Bogenschützen aus, den linken mit Fußtruppen, in der Mitte stellte sie die Reiterei auf; unter denen war sie selbst.

Gegenüber begegneten ihr die Unseren so, dass sich den Bogenschützen Menelaos und Odysseus sowie zusammen mit Teukros Meriones, den Fußtruppen die beiden Aias sowie Diomedes, Agamemnon, Tlepolemos und mit Ialmenos Askalaphos gegenüberstellten; gegen die Reiterinnen sollte von Achilleus und den übrigen Anführern gekämpft werden. Auf diese Weise beiderseits geordnet gerieten die Schlachtreihen mit ihrer Streitmacht aneinander. Es fielen durch die Pfeile der Königin sehr viele Leute, und nicht anders wurde von Teukros gefochten. Inzwischen schlugen die beiden Aias und diejenigen, die bei ihnen waren, die Fußtruppen nieder, gegenüber denen sie platziert waren; sie verjagten die restlichen mit ihren Schilden und zerstückelten bald die Zurückgeschlagenen. Ja, es gab, bis die Masse der Fußtruppen vernichtet war, kein Ende.

Achilleus, der zwischen den Reiterscharen hindurch Penthesilea erreicht hatte, griff sie mit der Lanze an, und es war nicht sehr schwierig, die Frau vom Pferd herabzuwerfen, indem er mit der Hand ihr Haar fasste und sie, die schon schwer verwundet war, gewaltsam wegschleppte. Sobald man dies sah, glaubte man dann wirklich an keine Rettung durch Waffen mehr und wandte sich zur Flucht.

Da die Tore der Stadt geschlossen blieben, verfolgten die Unseren die Übrigen, die ihre Flucht aus dem Krieg genommen hatten, und schlugen sie nieder, wobei sie dennoch ihre Hände von den Frauen fernhielten und ihr Geschlecht schonten [feminis tamen abstinentes manus parcentesque sexui]. Als dann alle, nachdem sie diejenigen, gegen die sie angetreten, getötet hatten, sich als Sieger zurückzogen, schauten sie sich die halbtote Penthesilea genauer an und bewunderten auch jetzt noch deren Kühnheit.

So strömten in kurzer Zeit alle an denselben Ort, und man beschloss, sie, die es ja gewagt hatte, sich über die Bedingungen der Natur und des Geschlechts hinwegzusetzen [quoniam naturae sexusque condicionem superare ausa esset], solange sie noch einen Rest an Lebenshauch hatte, um etwas zu empfinden, in einen Fluss oder vor die Hunde zum Zerreißen zu werfen. Achilleus wünschte, die Getötete zu begraben, wurde aber bald von Diomedes daran gehindert. Der nämlich fragte die Umstehenden, was man denn mit ihr machen solle, und ließ sie dann mit Zustimmung von allen an den Füßen wegziehen und in den Skamandros werfen, zur Strafe nämlich für ihren ärgsten Verzweiflungsmut und Wahnsinn.

Auf diese Weise bot die Königin der Amazonen, nachdem man ihre Scharen, mit denen sie Priamos zu Hilfe gekommen war, vernichtet hatte, schließlich selbst ein Schauspiel, das ihrer Sitten würdig war.

(Diktys/Dares: Krieg um Troja. Hrsg. v. Kai Brodersen. Berlin/Boston 2019, S. 186-189)

Von der Liebe Achills zu Penthesileia, die andernorts berichtet wird, ist hier nur noch sein Wunsch, sie ehrenvoll zu bestatten, geblieben.
 
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