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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Insel der Seligen #2 (274 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.11.2023 um 14:24 Uhr (Zitieren)
Lukian, Wahre Geschichten II (ἀληθῆ διηγήματα, β) 6-27:
Als Kleidung gebrauchen sie zarte, dunkelviolette Spinngewebe. Sie selber haben keine Körper, sondern sind untastbar und fleischlos und weisen nur leibliche Gestalt und Form auf. Und obwohl sie körperlos sind, haben sie doch Bestand, bewegen sich, denken und geben Laute von sich und überhaupt sieht es aus, als ob ihre bloße Seele herumspazierte, äußerlich körperähnlich. Wenn einer also nicht hingriffe, würde er nicht daraufkommen, daß das, was er vor Augen hat, kein Körper ist. Sie sind nämlich wie aufrecht stehende, nicht schwarze Schatten. Keiner altert, sondern bleibt in dem Alter, in dem er herkommt.

Es wird ferner bei ihnen nicht Nacht, aber auch nicht strahlender Tag. Wie das Morgengrauen vor Tagesanbruch, wann die Sonne noch nicht aufgegangen ist, solches Licht herrscht in dem Land. Weiter kennen sie nur eine Jahreszeit; immer ist es nämlich Lenz bei ihnen und ein einziger Wind weht bei ihnen, der West. Das Land hat eine üppige Vegetation aller Arten von Blumen, aller Arten von Frucht- und Zierbäumen. Denn die Reben tragen zwölfmal, einmal in jedem Monat.
[...]

Beim Mahle haben sie nur Ohr für Musik und Gesang, sie lassen sich besonders die Gedichte Homers vorsingen; er ist persönlich zugegen und schmaust mit ihnen, wobei er einen Ehrenplatz neben dem Odysseus hat. Die Chöre bestehen aus Knaben und Mädchen. Es leiten sie aber und singen selber mit Eunomos der Lokrer, Arion aus Lesbos, Anakreon und Stesichoros; denn auch diesen sah ich bei ihnen, da die Helena sich mit ihm wieder versöhnt hatte. Wann diese zu singen aufhören, tritt ein zweiter Chor auf, bestehend aus Schwänen, Schwalben und Nachtigallen. Sind auch diese fertig, dann flötet nur mehr der ganze Wald, wobei die Winde den Takt angeben.
[...]

Ich will nun sagen, welche von den hervorragenden Persönlichkeiten ich bei ihnen bemerkte: alle Halbgötter sowie die Teilnehmer am Feldzug gegen Ilion außer dem lokrischen Aias – von ihm allein hieß es, daß er am Ort der Gottlosen [ἐν τῷ των ἀσεβῶν χώρῳ] gezüchtigt wurde -, von den Barbaren aber beide Kyros, den Skythen Anacharsis, den Thraker Zamolxis, den Italiker Numa, ferner den Lakedämonier Lykurg, die Athener Phokion und Tellos und die Weisen ohne Periander. Ich sah aber auch Sokrates, Sophroniskos‘ Sohn, mit Nestor und Palamedes plaudern. Um ihn befanden sich der Lakedämonier Hyakinth, der Thespier Narkissos, Hylas und andere männliche Schönheiten und mir schien er in den Hyakinth verliebt zu sein, wenigstens befaßte er sich mit ihm am meisten. Es hieß aber, Rhadamanthys zürne ihm und habe oft gedroht, ihn aus der Insel hinauszuwerfen, falls er weiter schwätze und nicht unter Verzicht auf seine Ironie schmausen wolle.

Platon allein war nicht zugegen, sondern es hieß, daß er mit seinesgleichen in der von ihm erdichteten Stadt unter Verwendung der von ihm entworfenen Staatsverfassung und Ge-setze hause. Aristipp und Epikur nebst ihresgleichen spielten bei ihnen die erste Rolle, da sie angenehm, willkommen und sehr trinkfeste Gesellschafter waren. Zugegen war auch der Phryger Äsop; ihn verwendeten sie als Spaßmacher. Diogenes von Sinope hatte so sehr seinen Charakter geändert, daß er die Hetäre Laïs heiratete, oft im Zustand der Trunkenheit sich zum Tanz erhebt und im Rausch Ausschreitungen begeht.

Jeder ist in dem Alter, in dem er hergekommen, also gestorben ist. Aber hoffentlich nicht auch in diesem Zustand.
 
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