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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Dies hätten die Kirchenväter lesen sollen ... (265 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.10.2023 um 16:53 Uhr (Zitieren)
... bevor sie sich über die göttliche und menschlich-sterbliche Natur Jesu Christi die Köpfe eingeschlagen haben; dann hätten sie - womöglich - etwas zu lachen gehabt.

Lukian, Totengespräche 16: Diogenes und Herakles
DIOGENES: Ist das nicht Herkules? Ja freilich, kein anderer, beim Herkules! Der Bogen, die Keule, die Löwenhaut, die Größe, es ist der ganze Herkules. Dann ist er also gestorben, obwohl er Zeus‘ Sohn war? Sag mir, ruhmreicher Sieger, bist du tot? Ich opferte dir nämlich auf Erden als einem Gott.

HERAKLES: Und es war recht, daß du opfertest, denn Herkules selbst weilt im Himmel bei den Göttern

καὶ ἔχει καλλίσφυρον Ἥβην

und umarmt die schlankfüßige Hebe,

ich aber bin sein Schemen [εἴδωλον]. (1)

DIOGENES: Wie sagst du? Der Schemen des Gottes, und ist es möglich, daß einer zur Hälfte ein Gott, mit der anderen Hälfte aber tot ist?

HERAKLES: Ja; denn jener ist nicht tot, sondern ich, sein Schemen.

DIOGENES: Ich verstehe; als persönlicher Ersatz übergab er dich statt seiner dem Pluton und du bist nun statt seiner tot.

HERAKLES: So etwas.

DIOGENES: Wie kam es also, daß Aiakos bei seiner Genauigkeit nicht erkannte, daß du nicht jener warst, sondern, als sich ein untergeschobener Herkules stellte, diesen aufnahm?

HERAKLES: Weil ich ihm ganz genau glich.

DIOGENES: Du hast recht; so genau nämlich, daß er es selber war. Schau also, ob nicht im Gegenteil du der Herkules bist, der Schemen aber die Hebe bei den Göttern geheiratet hat.

HERAKLES: Du bist ein frecher Schwätzer, und wenn du nicht aufhörst, deinen Spott gegen mich zu richten, wird es dir sofort bewußt werden, was für eines Gottes Schemen ich bin.

DIOGENES: Der Bogen ist allerdings entblößt und schußbereit; aber was sollte ich mich noch vor dir fürchten, da ich ja nun einmal tot bin? Aber sage mir, bei deinem Herkules! Als jener lebte, warst du da auch ein Schemen und eine Person mit ihm? Oder wart ihr eine Person nur während des Lebens, trenntet euch aber, nachdem ihr gestorben, worauf der eine zu den Göttern wegflog, du hingegen, der Schemen, wie es natürlich war, in den Hades kamst?

HERAKLES: Ich sollte einem Mann, der mich geflissentlich aufzieht, überhaupt nicht antworten. Gleichwohl aber vernimm auch das: alles, was von Amphitryon im Herkules stammte, das ist gestorben und ich bin jenes zur Gänze, was aber von Zeus stammte, weilt im Himmel bei den Göttern.

DIOGENES: Jetzt verstehe ich es klar: zwei Herkulesse, meinst du, gebar die Alkmene gleichzeitig, den einen als Gemahlin des Amphitryon, den anderen von Zeus, so daß ihr, Kinder derselben Mutter, Zwillinge wart, ohn‘ daß man bisher davon etwas wußte.

HERAKLES: Nein, du Tor! Wir waren ein- und derselbe [ὁ γὰρ αὐτὸς ἄμφω ἦμεν].

DIOGENES: Das kann man nicht leicht begreifen, zwei Herkulesse zu einer Einheit verbunden, außer wenn ihr so etwas wie ein Hippokentaur wart, Mensch und Gott zu einem Wesen vereinigt.

HERAKLES: Scheinen dir nicht alle Wesen so aus zwei Stücken zusammengesetzt zu sein, aus Seele und Leib? Was sollte es also da für ein Hindernis geben, daß die Seele, die ja von Zeus stammt, im Himmel weile, der sterbliche Teil ab, ich, bei den Toten?

DIOGENES: Aber, mein bester Amphitryonsohn, da hättest du recht, wärst du ein Körper; so aber bist du ein körperloser Schemen. Du bist also auf dem Wege, den Herkules nunmehr zu einem dreifachen Wesen zu machen.

HERAKLES: Wieso dreifach?

DIOGENES: Etwa so: Wenn nämlich der eine im Himmel ist, der andere aber, du der Schemen, bei uns, der Leib aber auf dem Öta bereits zu Asche geworden ist, so ergeben sich damit drei Wesen. Und schau, welchen Vater du dir an dritter Stelle für deinen Leib ausdenken sollst.

HERAKLES: Du bis ein frecher Sophist. Wer bist du denn aber eigentlich?

DIOGENES: Des Diogenes von Sinope Schemen, der ich für meine Person nicht, beim Zeus, „unter den unsterblichen Göttern“ weile, sondern mit den Besten der Toten verkehre und Homer und solche Windbeuteleien verlache.

(Lukian: Hauptwerke. Hrsg. v. Karl Mras. München ²1980, S. 228-233)

(1) Vgl. Homer, Odyssee XI 601-626, insbes. 604
Re: Dies hätten die Kirchenväter lesen sollen ...
Johannes schrieb am 21.10.2023 um 17:40 Uhr (Zitieren)
... bevor sie sich über die göttliche und menschlich-sterbliche Natur Jesu Christi die Köpfe eingeschlagen haben;

Schon die Tatsache, dass sich die Herrschaften
wegen des Gottes der Liebe die Schädel einschlugen,
zeigt m.E., dass sie vieles missverstanden
oder gar nicht kapiert haben wie heute alle religiösen
Fundamentalisten jedweder
Coleur, die nichts weiter sind als Pervertierer
der Anliegen jeder akzeptablen Glaubensform,
die sie so nur der Lächerlichkeit bis hin zur Widerwärtigkeit preisgeben.
Re: Dies hätten die Kirchenväter lesen sollen ...
Γραικύλος schrieb am 21.10.2023 um 18:29 Uhr (Zitieren)
Köstlich:
Alkmene wird zu Maria, Amphitryon zu Joseph, Zeus zum Heiligen Geist und Herakles zu Jesus Christus.
Re: Dies hätten die Kirchenväter lesen sollen ...
Johannes schrieb am 22.10.2023 um 10:56 Uhr (Zitieren)
Wenn mann die moderne tiefenpsychologische Exegese bemüht und richtig und konsequent anwendet, stellen sich die künstlich aufgeblähten, auf Zoff programmierten Probleme der Kirchenväter nicht mehr.

Vieles ließe sich in plausibles Wohlgefallen auflösen - ohne starre Dogmatik und von den Kirchen gelehrten Unfug, der nur deren Selbsterhaltungsstreben dient und dem Menschen
in real life nicht weiterhilft, sondern sie mit nutzlosen, Haar spalterischen Zusatzproblemen belastet,
die die Restlebensfreude zu zerstören geeignet sind.

"Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte."

„Die Christen müssten mir erlöster aussehen."
(Nietzsche)
 
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