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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen" (292 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.10.2023 um 10:41 Uhr (Zitieren)
Οὐκ ἂν λάβοις παρὰ τοῦ μὴ ἔχοντος. - Von dem, der das Geld nicht hat, kannst du es nicht kriegen.

[22]

ἰσοτιμία γὰρ ἐν ᾅδου καὶ ὅμοιοι ἅπαντες. – Denn im Hades [gibt es] keinen Unterschied im Rang, sind sich alle gleich.

[25]

οὐ θέμις λέγειν τι περὶ θεῶν. – Über die Götter darf man nichts sagen.

[29]

Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
Udo schrieb am 21.10.2023 um 12:46 Uhr (Zitieren)
ἐν ᾅδου

Warum steht hier en mit Genitiv?
Es hat doch immer den Dativ?

Über die Götter darf man nichts sagen.

Warum?
Weil man m´nichts über sie wissen kann?
War Lukian Atheist oder Agnostiker?ὧ
Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
Γραικύλος schrieb am 21.10.2023 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Warum steht hier en mit Genitiv?
Es hat doch immer den Dativ?

Man muß sich ein δόμοις hinzudenken. Die verkürzte Form ist "auch in attischer Prosa ganz gewöhnlich", schreibt der Passow.
Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
Γραικύλος schrieb am 21.10.2023 um 12:59 Uhr (Zitieren)
Innerhalb der "Totengespräche" geht Lukian von der Existenz der Götter aus, und mit dem Sprichwort ist in diesem Rahmen gemeint: Es ist gefährlich, etwas (Kritisches) über Götter zu sagen.

Als Person verhält Lukian sich durchgehend ironisch zur Religion.
Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 21.10.2023 um 13:05 Uhr (Zitieren)
θέμις ist außer dem usuellen Recht ("war schon immer so, und darum muß man sich danach richten") auch das Recht, das auf göttlicher Setzung (θέμις < τίθημι) beruht. Es sind also die Götter selbst, die sich die menschlichen Kommentare etc. verbitten (quod licet Iovi ...)
Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
Andreas schrieb am 21.10.2023 um 14:11 Uhr (Zitieren)
Es ist gefährlich, etwas (Kritisches) über Götter zu sagen.

Aus Angst vor Bestrafung?
vgl:
Kleine Sünde bestraft der Herr sofort.
Damit kann man Angst erzeugen, wodurch es leichter zu Fehlern kommt oder Fehlverhalten.

Sartre soll Atheist geworden sein, als auf eine bewusst begangene Sünden keine Strafe von oben folgte.


Er lebt mit seiner Mutter im Elsass bei seinen Großeltern
Der kleine Jean-Paul fängt an zu denken. Er will wissen, ob es Gott gibt oder nicht. Er ist hin- und hergerissen. Da ist einerseits die imponierende Gestalt des Großvaters, ein republikanischer Spötter und Verächter der Religion, daneben die Mutter, nicht besonders fromm, aber doch so katholisch, dass sie den Kleinen in den Katechismusunterricht bei einem alten Abbé schickt. Der redet von Gott, der als oberster Wächter über Gut und Böse alles sieht, die Missetäter bestraft und die Guten belohnt. Jean-Paul klärt die Gottesfrage experimentell. Wenn dieser Gott existiert, dann müsste er mich – so lautete seine Hypothese – bestrafen, wenn ich etwas richtig Böses tue. Er nimmt ein Brennglas, sengt damit ein Loch in den Teppich und wartet. Keine Reaktion. Er denkt sich die ausgesuchtesten und schlimmsten Flüche und Lästerungen aus, die er kennt, und wirft sie dem obersten Wächter an den Kopf. Es geschieht nichts. „Von diesem Tag an war ich Atheist“.
Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
Γραικύλος schrieb am 21.10.2023 um 14:48 Uhr (Zitieren)
In dem Totengespräch 29 beklagt Aias sich bei Agamemnon, daß nicht er die Rüstung des Achill bekommen hat, ob wohl sie ihm zugestanden hätte, sondern Odysseus. Aias führt das auf den ihm unverständlichen Spruch einer Göttin zurück und sagt: "Ich weiß, welche Göttin den mir ungünstigen Spruch veranlaßt hat; aber über die Götter darf man nichts sagen."

Angst vor Bestrafung kann eigentlich nicht das Motiv sein, denn er hat die Katastrophe ja bereits hinter sich: 1. Wahnsinn, 2. Tod.
Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
Γραικύλος schrieb am 21.10.2023 um 14:56 Uhr (Zitieren)
Daß das Sprichwort ursprünglich einen Sinn hat, welcher hier gar nicht mehr paßt, liegt vielleicht am Humor des Lukian.
Re: Weitere Sprichwörter in Lukians "Totengesprächen"
Johannes schrieb am 21.10.2023 um 17:11 Uhr (Zitieren)
Den Zusammenhang zwischen Schuld und Bestrafung
durch Gott weist auch Jesus zurück.
(Heilung des Blindgeborenen, Joh 9,1ff).
Der Übeltäter bestraft sich selber durch ein schlechtes Gewissen,
falls vorhanden, oder Angst vor Entdeckung.

Wer biophil lebt oder nach der Goldenen Regel,
lebt immer noch am besten, auch in einer egoistischen und
immer kälteren und brutaleren Welt.
Mehr als das Leben kosten kann es ihn nicht,
wenn er im Extremfall an seinen Überzeugungen
festhält und dafür draufgeht so wie der Nazarener,
der an seinem biophilen Gottesbild festhielt und darin
nach Überzeugung der Christen bestätigt wurde durch das,was man
als Auferweckung oder Auferstehung bezeichnet,
wie auch immer diese stattgefunden haben mag
oder zu denken ist nach ihrer Entmythologisierung.
Auferweckung ist wohl das bessere Wort,
weil es um ein Handels Gottes geht, in welcher konkreten Form auch immer.
Eugen Drewermann hätte auch dazu gewiss einiges zu sagen.

Dass es letztendlich immer eine Glaubensfrage ist, wird niemand mehr bestreiten wollen.
Denn historisch lässt sich das Ereignis nicht festmachen und nachweisen.
Genauso wenig lässt es sich durch menschliche
Rationalität widerlegen, auch weil Liebe (= Gott) sich rationalen Argumenten entzieht.
Omnia vincit amor, vlt. auch den Tod, vlt. auch
nicht. Wer will das sicher wissen oder definitiv
ausschließen?
Überraschungen sind immer möglich in einem Kosmos, der nur zu 4% aus baryonischer Materie
besteht und dessen andere 96% wird nur postulieren müssen
ohne sie jemals messen zu können.

Was hat du bloß wieder ausgelöst, Religionsironiker aus
Samosata?
 
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