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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sappho an Phaon #4 (296 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.10.2023 um 13:43 Uhr (Zitieren)
Fortsetzung Ovid, Heroides XV:
Doch ihn finde ich nicht, meinen Liebling und den dieses Waldes,
schäbig ist jetzt dieser Platz; er war der Schatz dieses Orts.
Ich erkenne im Gras des vertrauten Rasens den Abdruck, -
noch von unserer Last waren die Halme gekrümmt –
werfe mich hin und streichle die Stelle, wo du gelegen;
das einst mir liebe Kraut saugt meine Tränen nun auf.
Ja sogar die Zweige lassen aus Trauer die Blätter
fallen, so scheint’s, und es fehlt lieblicher Vogelgesang.
Nur die tieftraurige Mutter, die grausam den Gatten bestrafte,
Vogel aus Daulis, besingt Itys vom Ismarus jetzt.
Hier singt ein Vogel von Itys, da Sappho von treuloser Liebe,
dies schon, doch alles sonst ist wie um Mitternacht still.
Da ist ein heiliger Quell, durchsichtiger als ein Kristallstrom,
glasklar, deswegen glaubt mancher, hier wohne ein Gott.
Breit spannt hier ein Wasserlotus die Zweige darüber,
einer ein Hain. Zartgrün sprießt auf dem Boden das Gras.
Als ich dort weinend meine erschöpften Glieder gelagert,
war meinem staunenden Blick eine Naiade genaht.
War genaht. Und sagte: „Da dich eine gefährliches Feuer
peinigt, so reise du nun in das ambracische Land.
Phoebus schaut von der Höhe aufs Meer, so weit es sich ausdehnt;
actisches nennt es das Volk oder leucadisches Meer.
Hier warf von Liebe zu Pyrrha entbrannt Deucalion sich herunter,
wohlbehalten indes traf auf dem Wasser er auf.
Gleich floh die Liebe erkaltet des Schwimmers fühllosen Busen,
und Deucalion war von seinem Feuer befreit.
Dies ist des Ortes Gesetz. Begib dich sogleich zum hohen
Leucasfelsen und spring ohne zu zagen herab!“
So ermahnte sie mich und verschwand, ich erhob mich erschrocken,
meine Augen jedoch hielten die Tränen nicht mehr.
Ja, ich gehe, o Nymphe, ersteige den Fels, den du wiesest.
Fern sei’s von mir, daß die Angst über den Liebeswahn siegt
[sit procul insano victus amore timor]!
Alles, was sein wird, wird besser als jetzt sein. Ihr Lüfte, erhebt mich [quidquid erit, melius quam nunc erit]!
Denn mein Körper verfügt nicht über großes Gewicht.
Du auch, zärtlicher Amor, breit aus, wenn ich falle, die Flügel,
daß nicht ein Vorwurf mein Tod sei der leucadischen See.
Dann weih ich Phoebus die Lyra, die Gabe, die uns verbindet,
und ein Distichon wird drunter als Weihinschrift stehn:
„DANKBAR WEIH ICH DIR, PHOEBUS, DIE LYRA, DIE DICHTERIN SAPPHO.
DIESE PASST BESTENS ZU MIR, ABER SIE PASST AUCH ZU DIR.
[GRATA LYRAM POSUI TIBI, PHOEBE, POETRIA SAPPHO:
CONVENIT ILLA MIHI, CONVENIT ILLA TIBI.]”
Doch warum schickst du mich Arme an Actiums Küste,
wenn du den flüchtigen Fuß jederzeit umwenden kannst?
Heilsamer kannst du mir sein als selbst die leucadischen Wogen,
dank Verdienst und Gestalt wirst du mir Phoebus dann sein.
Oder willst du, grausamer als jenes Meer und die Klippen,
falls ich sterbe, den Ruhm, daß du mich umgebracht hast?
Doch wieviel besser wär’s, dich an meinen Busen zu drücken,
als daß bei jähem Sturz er auf den Klippen zerschellt.
Dies ist, Phaon, der Busen, den du zu preisen gewohnt warst,
und er schien dir so oft voller Begabung zu sein.
Wäre ich doch noch beredt! Der Schmerz ist den Künsten ein Hemmnis [dolor artibus obstat],
all meine geistige Kraft stockte, vom Leiden erschöpft.

 
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