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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Dionysos und Ariadne #2 (291 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 10.10.2023 um 13:54 Uhr (Zitieren)
4. Plutarch: Theseus

19. [...] Mit Ariadne, die jetzt die Herrschaft übernahm, kam er [sc. Theseus] zum Frieden, erhielt die jungen Leute zurück und schloß ein beschworenes Freundschaftsbündnis zwischen Athenern und Kretern, des Inhalts, daß sie niemals wieder Krieg gegeneinander beginnen würden.

20. Viele Berichte gibt es noch hierüber sowohl wie über Ariadne, die weit auseinandergehen. Die einen wollen wissen, daß sie, von Theseus verlassen, sich aufgehängt habe, andere wieder, sie sei von Schiffsleuten nach Naxos gebracht worden und habe dort Onaros, den Priester des Dionysos, geheiratet, nachdem Theseus sie verlassen hätte, weil er in eine andere verliebt war:

„Denn ihn verzehrte die Liebe zu Aigle, des Panopeus Tochter.“

Diesen Vers hat nämlich, so behauptet Hereas von Megara, Peisistratos aus Hesiods Gedichten (2) streichen lassen, wie er andererseits in Homers Unterweltsbuch den Vers einschmuggeln ließ:

„Theseus und Peirithoos, herrliche Göttersöhne“ (3),

um den Athenern zu schmeicheln. Einige sagen auch, Ariadne habe von Theseus den Oinopion und den Staphylos geboren; unter ihnen ist Ion von Chios, der über seine Vaterstadt den Vers gedichtet hat:

„Die einst Oinopion gründete, Theseus‘ Sohn.“

Was nun von allen Sagenüberlieferungen für ihn am rühmlichsten ist, das ist, darf man sagen, in aller Munde. Einen Bericht von ganz besonderer Art aber hat über diese Dinge Paion von Amathus gegeben. Theseus, so sagt er, wurde von einem Sturm nach Kypros verschlagen und brachte Ariadne, die schwanger war und sich infolge des schweren Seegangs sehr übel befand, allein ans Land, kehrte selbst an Bord zurück, um für das Schiff zu sorgen, und wurde wiederum vom Lande ab aufs hohe Meer hinausgetrieben. Die Frauen des Landes nahmen sich Ariadnes an und umsorgten sie, die in ihrer Verlassenheit untröstlich war, brachten ihr gefälschte Briefe, die angeblich Theseus geschrieben hatte, und standen ihr bei der Niederkunft in jeder Weise bei, und als sie doch vor der Geburt starb, bestatteten sie sie.

Zurückgekehrt war Theseus tiefbetrübt und hinterließ den Bewohnern des Landes eine Geldsumme mit der Bestimmung, der Ariadne regelmäßig zu opfern; auch errichtete er ihr zwei kleine Bildsäulen, die eine von Silber, die andere von Bronze. Bei dem Fest, das am zweiten des Monats Gorpiaios (4) gefeiert wird, muß ein Jüngling sich niederlegen und so schreien und sich so benehmen wie die Frau in Geburtswehen (5). Den Hain, in dem sie das Grab zeigen, nennen die Amathusier den Hain der Aphrodite Ariadne.

Gewisse Schriftsteller aus Naxos endlich erzählen noch etwas Besonderes: es habe zwei Minos und zwei Ariadnen gegeben, von denen die eine sich auf Naxos mit Dionysos vermählt und Staphylos geboren habe, während die jüngere, von Theseus entführt und verlassen, nach Naxos gekommen sei und mit ihr ihre Amme namens Korkyne, deren Grab gezeigt werde; auch Ariadne sei dort gestorben und genieße Totenehren, aber in anderer Form als die ältere Ariadne. Denn das Fest für diese feiere man mit fröhlichen Spielen, die Opfer für die jüngere Ariadne aber würden unter Trauern und Klagen dargebracht.

[19 f.]

(2) Hesiod fr. 105 R
(3) Odyssee XI 631
(4) Juli/August
(5) archaischer Brauch des „Männerwochenbettes“
 
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