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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der ewige Suizidversuch des Aesacus (225 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.10.2023 um 12:35 Uhr (Zitieren)
Ovid, Metamorphosen XI, 751-795:
Da erzählte der Nächste, vielleicht auch Derselbe: „Der Vogel,
den du die Wogen streifen, die Beine, die schmächtigen, tragen
siehst“ – und er weist einen langgehalsten Taucher – „der dort ist
auch eines Königs Kind. Es sind, willst zu ihm du in steter
Reihe gelangen, - es sind die Ahnen, von denen er abstammt:
Ilus, Assaracus und Ganymedes, den Juppiter stahl, der
greise Laomedon dann und Priamus, welcher die letzten
Tage von Troia erlost. Er ist Hectors Bruder gewesen;
Und er hätte vielleicht, wenn sein Los sich so jäh nicht in früher
Jugend gewandt, einen Namen, nicht schlechter als Hector, gewonnen,
wenn auch diesen die Tochter des Dymas zum Lichte gebracht hat,
während den Aesacus, wie man erzählt, des gehörnten Granicus
Kind, Alexirhoë, heimlich im Schatten des Ida geboren.
Aesacus haßte die Städte, bewohnte, den schimmernden Hallen
ferne, von Ehrgeiz frei, das Feld und entlegene Berge,
stellte nur selten sich ein, wenn die Troer zusammen sich fanden.
Doch, in der Brust ein Herz nicht bäurischer Art und nicht unemp-
findlich für Liebe, sieht er an Vater Cebrens Gestade
trocknen einst in der Sonne ihr schulternumwallendes Haar He-
sperien, die er so oft schon durch alle Wälder gejagt hat.
Wie, erschrocken, die Hindin den fahlen Wolf, wie des Flusses
Ente, wenn fern sie dem Teich überrascht wird, den Habicht, so flieht die
Nymphe, sobald sie erblickt. Der troische Jüngling verfolgt sie;
schnell durch die Liebe, bedrängt es sie, die schnell durch die Furcht ist.
Da! Im Grase versteckt, eine Schlange schlägt ihren krummen
Zahn in der Fliehenden Fuß und läßt sein Gift ihr im Leibe.
Und mit dem Leben endet die Flucht. Von Sinnen umschlingt er
da die Entseelte: „Wie reut, wie reut mich, daß ich gefolgt bin!
Dies jedoch konnt’ ich nicht ahnen, soviel lag mir nicht am Siege.
Ärmste, wir haben zu zweit dich getötet: Der Wurm hat die Wunde,
ich den Anlaß gegeben. Und ich bin schuldiger. Doch ich
will durch meinen Tod für deinen Tod dir genugtun!“
Ruft es und stürzt sich ins Meer, von dem Riff, das nagend die rauhen
Wellen weit unterhöhlt. Sich erbarmend fing jedoch Thetys
sanft den Fallenden auf, den Schwimmenden deckt sie mit Federn.
So verlor er die Macht, den Tod, den er suchte, zu finden.
Daß man gegen sein Wollen zu leben ihn zwingt, man der Seele,
die ihren elenden Sitz zu verlassen gewillt ist, es wehrt, em-
pört den Liebenden, und mit den frisch seinen Schultern entsproßnen
Flügeln schießt er hinab und wirft sich erneut auf die Flut, doch
mildert der Flaum seinen Fall. Und Aesacus rast; in die Tiefe
stürzt er kopfüber und sucht einen Weg in den Tod, ohne Ende.
Mager hat ihn die Liebe gemacht; seine Läufe sind lang, und
lang ist der Hals und weit sein Haupt vom Leibe. Das Wasser
liebt er und trägt seinen Namen daher, daß er stets in die Flut taucht.“

(Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. Herausgegeben und übersetzt von Erich Rösch. München 21968, S. 433-435)
Re: Der ewige Suizidversuch des Aesacus
Johannes schrieb am 08.10.2023 um 14:24 Uhr (Zitieren)
Für die, die ihn nicht kennen:

Aisakos (altgriechisch Αἴσακος Aísakos) ist in der griechischen Mythologie der Sohn des trojanischen Königs Priamos und der Nymphe Alexirrhoë, der Tochter des Flussgottes Granikos- oder der Arisbe, einer Tochter des Sehers Merops Perkosios.

Im Falle letzterer Abstammung lernte er die Kunst der Traumdeutung von seinem Großvater – erwähnt wird er hier allerdings v. a. aufgrund seiner Liebe zur Nymphe Hesperia: Als er einmal sah, wie diese ihre Haare am Kebren wusch, verliebte er sich „unsterblich“ in sie – oder versuchte auch nur, ihr nachzustellen. Sie floh und wurde auf ihrer Flucht von einer Schlange gebissen. Als sie starb, versuchte sich Aisakos mehrfach umzubringen, indem er von einer Klippe ins Meer sprang. Die Gemahlin des Okeanos, die Titanin Tethys erbarmte sich schließlich seiner und verwandelte ihn in einen Tauchvogel.

Ein Urahn von Sigmund Freud ??
(Traumdeutung, Die Erstausgabe erschien am 4. November 1899 und wurde auf das Jahr 1900 vordatiert)

Warum wohl vordatiert? Wegen des schönen Jahrezahl?
 
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