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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Schiller über die Ilias (432 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.10.2023 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Friedrich Schiller, Epigramme
Ilias

Immer zerreißet den Kranz des Homer und zählet die Väter
Des vollendeten ewigen Werks!
Hat es doch eine Mutter nur und die Züge der Mutter,
Deine unsterblichen Züge, Natur.

(Friedrich Schiller: Werke in drei Bänden. München 1966; Bd. 2, S. 726)
Re: Schiller über die Ilias
Udo schrieb am 07.10.2023 um 14:30 Uhr (Zitieren)
In Wikipedia steht dazu:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ilias#Ilias_und_Homerische_Frage

Es muss sicher spannend sein, die Genese diese Werkes zu erforschen.
Re: Schiller über die Ilias
Γραικύλος schrieb am 08.10.2023 um 23:20 Uhr (Zitieren)
Mir fällt auf, daß Schiller dies auf die "Ilias" bezieht und nicht auf die "Odyssee".
Re: Schiller über die Ilias
filix schrieb am 10.10.2023 um 13:39 Uhr (Zitieren)
Was vermutlich an der Wolf-Heyne-Kontroverse liegt, in der die Ilias besonderen Platz einnimmt, und diese in Weimaranien tiefere Gefühle ihrer Bewunderer weckt als die Odyssee. In den Xenien gibt es für den Sänger des Astyanax sogar eine Göttinger Extrawurst. Auch Herder positioniert sich in den Horen 1796 ähnlich schwelgerisch::

Immer noch tönen sie mir, der Andromache Klagen. In Flammen
Stehet Troja vor uns, stürzend in Trümmer und Graus.
Ajax kämpfet noch jetzt vor Ilions heiligen Mauern,
Hektoren sehen wir noch sinken in schmählichen Staub.
Einer, der Mäonide, gab allem unsterbliches Leben,
Und sein Vaterland ist jede bewohnete Welt.


Den Schlussvers kenne ich als Devise Angelika Kauffmanns. Eine Leihgabe vielleicht.
Re: Schiller über die Ilias
Γραικύλος schrieb am 10.10.2023 um 14:05 Uhr (Zitieren)
In Flammen / Stehet Troja vor uns, stürzend in Trümmer und Graus.

Das hat Herder in der "Ilias" gelesen?
Re: Schiller über die Ilias
filix schrieb am 10.10.2023 um 21:27 Uhr (Zitieren)
Nein, aber er mengt es unter drei hinsichtlich der Abfolge korrekte Episoden aus der Ilias, das zeigt doch die Gewichtung in der Reminiszenz an die Lektüre. Bei vor dem inneren Auge in Flammen stehenden Troja, stürzend in Trümmer und Graus, denkt man auch unwillkürlich weniger an die knappe Darstellung der Einnahme der Stadt im achten Buch der Odyssee durch den blinden Demodokos, sondern an Vergils epische Darstellung des Untergangs (Tum vero omne mihi visum considere in ignis/Ilium et ex imo verti Neptunia Troia).
Re: Schiller über die Ilias
Bukolos schrieb am 11.10.2023 um 00:00 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 10.10.23, 14:05Das hat Herder in der "Ilias" gelesen?

Man darf es ihm schon zugestehen. In Zusammenhang mit dem Entsetzen angesichts der Schändung von Hektors Leichnam wird ja - wenn auch nur im Gleichnis - das Bild des brennenden Troja bereits aufgerufen (22, 410 f.) und proleptisch über den Rahmen der fabula der Ilias hinausgewiesen.
Re: Schiller über die Ilias
Γραικύλος schrieb am 11.10.2023 um 15:47 Uhr (Zitieren)
Ich kenne viele Leute, welche der Ansicht sind, daß die Ilias den Trojanischen Krieg samt Trojanischem Pferd und der darauf folgenden Katastrophe beschreibe - verstärkt etwa durch Wolfgang Petersens "Troja", wo ja sogar noch Achill in dem Pferd sitzt.
Demgegenüber lohnt es sich m.E. schon, darauf hinzuweisen, daß die Iias vom "Zorn des Achilleus" und dessen Folgen handelt, nicht mehr und nicht weniger.

Überrascht hätte es mich, wenn selbst Herder es nicht besser gewußt hätte.
Re: Schiller über die Ilias
filix schrieb am 11.10.2023 um 22:55 Uhr (Zitieren)
Geht man Bukolos' Hinweis nach, entdeckt man noch mehr Imaginationen des brennenden Troja in der Ilias und bald buchstäbliche bald metaphorische Feuerstürme der Beschreibung von Kämpfen, die dieses Bild unterschwellig nähren (z.B. 21,373ff., für weitere Stellen der Antizipation des Untergangs siehe Grethlein, Jonas: Das Geschichtsbild der Ilias, Vandenhoeck & Ruprecht, 2006, S. 264-69)

Re: Schiller über die Ilias
filix schrieb am 11.10.2023 um 23:05 Uhr (Zitieren)
Ein rezentes Beispiel für den dem Autor allerdings bewussten pyrotechnischen Trugbildeffekt:


Homer

Wie die Wolken die Sonne zu Tode hetzen, ist in meiner Vorstellung immer mit einem Gegenbild verknüpft gewesen: mit Zeus auf dem umwölkten Idagebirge. Auch um sich her hat er die Wolken versammelt, die er nun, eine um die andere, die hellen, die grauen, die schwarzen, mit seiner Aigis in der linken Hand, dem strahlenden, von Hephaistos geschmiedeten furchtbaren Schild, auseinander treibt und davonjagt. Sie sinken als lumpige Nebel auf die Wälder und Felder und die Gewässer hinter ihm. Das Blitzbündel in der Rechten hat er niedergelegt. So steht er in seiner herrlichen Majestät auf dem Gipfel, vom Himmel her bricht hervor unendlicher Äther und die reine helle Sonne umleuchtet seine Gestalt mit dem Bart, dem wallenden Haar. Der Fernhinschauende sieht tief unter sich die Troas liegen, weiter weg den Skamander, das Meer und das brennende Troja. Das ist das seit der Jugend im Gedächtnis lebendig gebliebene Bild aus der Ilias. Nur steht es nicht in der Ilias. Es steht nirgends.

Reichert, Klaus: Wolkendienst - Figuren des Flüchtigen. Fischer, 2016.





 
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