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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Solinus über das Glück (359 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.09.2023 um 00:02 Uhr (Zitieren)
C. Iulius Solinus, Collectanea rerum memorabilium I 127:
Solum certe beatum cortina Aglaum iudicavit, qui in angustissimo Arcadiae angulo pauperis soli dominus numquam egressus paterni cespitis terminus invenitur.

Der Dreifuß (das Orakel von Delphi) schätzte allein einen gewissen Aglaus als glücklich ein; er war der Eigentümer eines mageren Landstücks im hintersten Winkel Arcadias und hatte, wie man findet, nie die Grenzen seines Erblands verlassen.

(Solinus: Wunder der Welt. Hrsg. v. Kai Brodersen. Darmstadt 2014, S. 56 f.)
Re: Solinus über das Glück
Aurora schrieb am 24.09.2023 um 09:25 Uhr (Zitieren)
Worin soll sein Glück bestanden haben?
Keinen Kontakt mit der bösen Welt oder
der Zufriedenheit mit dem,was er hatte?

Re: Solinus über das Glück
Aurora schrieb am 24.09.2023 um 10:16 Uhr (Zitieren)
PS:

Aglāus, ī, m. (Ἄγλαος), ein armer Bürger aus Psophis in Arkadien,
der dem lydischen Könige Gyges auf die Frage:
»wer glücklicher sei als der König?« von dem delphischen Orakel
wegen seiner Genügsamkeit als glücklicher gepriesen wurde, Plin. 7, 151. Val. Max. 7, 1, 2.

Pausanias places Aglaus in the time of Croesus.
(Krösus 6.Jhdt. v. Chr,)

Re: Solinus über das Glück
Γραικύλος schrieb am 24.09.2023 um 14:41 Uhr (Zitieren)
Sieh an, es gibt noch Parallelstellen.

"wegen seiner Genügsamkeit", das dürfte die Antwort sein. Es gibt ja zwei Wege zum Glück: möglichst viele Bedürfnisse zu befriedigen oder die Zahl der Bedürfnisse zu reduzieren. Jenes ist uferlos.
Re: Solinus über das Glück
Andreas schrieb am 24.09.2023 um 15:51 Uhr (Zitieren)
Jenes ist uferlos.

Und gut für die Wirtschaft, schlecht für Mensch
und Umwelt.
Die Zahl der Übergewichtigen und anderweitig
Wohlstandskranken steigt stetig weiter.
Re: Solinus über das Glück
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 25.09.2023 um 10:14 Uhr (Zitieren)
Genügsamkeit heißt ja nicht automatisch Bedürfnislosigkeit, sondern daß man seine Bedürfnisse mit dem befriedigen kann, was einem zur Verfügung steht, was man erwerben kann. Das kann, muß aber keineswegs dadurch erreicht werden, indem man die Zahl der Bedürfnisse reduziert.
In Genügsamkeit steckt 'sich genügen lassen, zufrieden(gestellt) sein' mit dem, was man hat, und es in (Seelen)ruhe (Ataraxie) genießen können.

Ich denke, für einen Menschen (das Orakel) der damaligen Zeit war die Unabhängigkeit von den Wechselfällen des Schicksals, von der Gnade oder Ungnade der äußeren Umstände, von ausschlaggebender Bedeutung bei der Beurteilung, ob und in welchem Maße jemand glücklich war oder sein konnte.
Re: Solinus über das Glück
Γραικύλος schrieb am 25.09.2023 um 12:37 Uhr (Zitieren)
Ich hatte das epikureische Konzept der Reduzierung der Bedürfnisse auf die lebensnotwendigen (nicht: Bedürfnislosigkeit) im Sinn; die stoische Ataraxie resp. Autarkie paßt ebenso und vermutlich sogar besser.
Re: Solinus über das Glück
Udo schrieb am 26.09.2023 um 08:46 Uhr (Zitieren)
Ich hatte das epikureische Konzept der Reduzierung der Bedürfnisse auf die lebensnotwendigen (nicht: Bedürfnislosigkeit) im Sinn;

Nur ein Dach über dem Kopf, Kleidung und genug zu essen?
Äußert sich Epikur konkreter dazu?
Re: Solinus über das Glück
Γραικύλος schrieb am 26.09.2023 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Brief an Menoikeus

Er unterscheidet unnatürliche (künstlich erzeugte) von natürlichen Bedürfnissen, und innerhalb der natürlichen noch die lebensnotwendigen.

Das Prinzip ist, wie erläutert, der Weg zum Glück durch Reduzierung der Bedürfnisse. Von den unnatürlichen sollte man sich komplett verabschieden.
Beispiele gibt er dafür nicht - es handelt sich nur um einen Brief. Vom einstigen Werk Epikurs ist nicht viel erhalten.
Re: Solinus über das Glück
Marcella schrieb am 26.09.2023 um 13:10 Uhr (Zitieren)
Eine ausführliche Darstellung des vollendet glücklichen, wunschlosen Lebens auf dem Lande bietet Horaz in seiner Epode "Beatus ille".

lateinoase.de › autoren › horaz › epoden › horaz-epode-2-uebersetzung.html

Übrigens ist nicht bekannt, dass der Höfling Horaz selber nach diesem Glück getrachtet habe. Er nannte sich "ein Schwein aus der Herde Epikurs, Epicuri des grege porcus", und dies im vulgärepikureischen Sinne.

Diese Epode "Beatus ille" scheint indes zu propagieren, dass "bene vivere" anders geht.
Heuchelt hier Horaz?

Der Terminus des Horaz lautet übrigens "beatus", nicht "felix", was eher auf äußeren Erfolg akzentuiert wäre.

 
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