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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lukian über Phalaris von Akragas (302 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.09.2023 um 13:51 Uhr (Zitieren)
Phalaris von Akragas (Agrigent) - der Tyrann mit dem hohlen Stier.
Lukian hat zwei fiktive - und gewiß ironische - Berichte über eine Gesandtschaft des Phalaris in Delphi verfaßt, in denen er diesen als leuchtendes Beispiel der Tugend darstellt, mitsamt einer überraschenden Deutung des Stiers.
Hier ein Auszug aus der ersten Rede:

Phalaris Α, 9-13:
[...] In der Tat, um offenherzig herauszusagen, wie ich denke, so kann ich euch versichern, wenn ich wählen müßte, ob ich lieber jemand ungerechterweise zum Tode verdammen oder selbst sterben wollte, ich würde ohne mindestes Bedenken lieber den Tod erwählen, als einem Unschuldigen das Leben nehmen. Fragte mich aber jemand, ob ich lieber selbst unverdienterweise den Tod leiden, oder denjenigen, die mir nach dem Leben stehen, ihren verdienten Lohn geben wolle, so bekenne ich gerne, daß ich lieber das letzte will. [...]

Es ist noch nicht lange, daß ich einen Besuch von Pythagoras erhalten habe, der aus eigener Erfahrung ganz andere Begriffe von mir bekam als diejenigen, die er vom Hörensagen mitgebracht hatte, und, als er sich wieder von mir beurlaubte, mir das Lob eines gerechten Fürsten und sein Bedauern über meine notgedrungene Grausamkeit nicht versagen konnte. [...]

Nun ist es Zeit, auch von dem Weihgeschenke zu reden, welches ich dem Apollo übersende, und wie ich zu diesem Stier gekommen bin, den ich weit entfernt war bei einem Bildgießer zu bestellen. Denn das wolle der Himmel nicht, daß ich jemals so rasend werde, zu einem Kunstwerk dieser Art Lust zu bekommen!
Ich habe ihn von einem gewissen Perilaos, der ein ungemein geschickter Künstler, aber dabei ein äußerst böser Mensch war. Dieser Mann, der sich an meinem wahren Charakter sehr übel betrog, glaubte mir, als einem Tyrannen, der große Freude am Strafen hätte, einen besonders wohlgefälligen Dienst zu erweisen, wenn er mir mit einer neuen Todesart von seiner Erfindung seine Aufwartung machte. Er brachte mir also diesen Stier, ein Werk von der höchsten Schönheit, wie ihr seht, und dem zur vollkommensten Ähnlichkeit mit der Natur nichts fehlte als Bewegung und Stimme.
Bei seinem Anblick war mein erstes Wort: Wahrlich, ein Werk, das des Apollo würdig ist! Dieser Stier soll dem Tempel zu Delphoi gestiftet werden! – Was wirst du denn erst sagen, sprach Perilaos, wenn du das Kunststück, das darin angebracht ist, und den Gebrauch, der davon gemacht werden kann, kennen wirst? Wenn du, fuhr er fort, indem er den Rücken des Stieres aufhob, jemand abstrafen willst, so laß ihn in diese Maschine einschließen, diese Flöten an die Nasenlöcher des Stieres befestigen und dann Feuer unter ihm anmachen. Natürlicherweise wird die unerträgliche Marter dem Patienten ein entsetzliches Geschrei und Gebrüll auspressen; dieses aber wird vermittelst der Flöten zu einem dumpfen, aber so sanften und melodiösen Brüllen werden, daß man es eher für die Begleitung eines schönen Trauergesangs halten sollte, und so wirst du, während jener gemartert wird, das Vergnügen haben, eine sehr angenehme Musik zu hören.
Diese unmenschliche Erfindung, worauf sich der Mann noch viel zugute zu tun schien, erfüllte mich mit Abscheu gegen den Künstler und das Kunstwerk, und ich beschloß auf der Stelle bei mir, sie zu seiner Strafe zu machen. Wohlan, Perilaos, sprach ich zu ihm, wenn du deiner Sache so gewiß bist, so zeige uns auf der Stelle eine Probe davon; steige hinein und ahme das Schreien eines Menschen, der darin ge-peinigt würde, nach, damit wir hören, ob eine so schöne Musik herauskommt, wie du uns glauben machen willst.
Perilaos gehorcht, und sobald er in dem Bauch des Stieres ist, lasse ich die Öffnung zuschließen und Feuer unterlegen. Nimm das, sagte ich, als die einzige Belohnung, die ein solches Kunstwerk wert ist, und singe uns die erste Probe der schönen Musik vor, deren Erfinder du bist!
Uns so litt der Unmensch, was er mit einer so schändlichen Anwendung seines mechanischen Talents wohl verdient hatte. Indessen ließ ich ihn doch, damit das Kunstwerk durch seinen Tod nicht verunreinigt würde, noch lebendig wieder herausziehen und auf spitzige Felsen herabwerfen, wo er unbegraben liegen blieb.
Den Stier aber habe ich, nachdem er zuvor mit allen gehörigen Zeremonien gereinigt worden, hierher geschickt, um ihn dem Gott zu Weihgeschenke darzubringen, mit dem Befehl, sowohl meinen, des Stifters, Namen, als den Namen des Künstlers, und die Beschaffenheit der Erfindung, und die gerechte Strafe, die er dafür gelitten, darauf eingraben zu lassen, ohne die angenehme Musik zu vergessen, wovon er uns wirklich die erste Probe hören ließ. [...]
Ich glaube, um meinen wahren Charakter bekannt zu machen, nichts anderes nötig zu haben, als die Strafe des Perilaos, die Weihung dieses Stiers, der nur ein einziges Mal, und zwar durch den Künstler und Erfinder selbst, melodisch gebrüllt hat, und den Umstand, daß dieser der erste und letzte war, den ich die Probe einer so abscheulichen, den Musen und der Menschlichkeit gleich verhaßten Musik habe machen lassen. Und dies sei also die Gabe, die ich für dieses Mal dem pythischen Gotte darbringe; es sollen ihr aber künftig noch viele andere folgen, wenn er mir die Gnade gewährt, keiner Strafen mehr zu bedürfen.
[...]

 
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