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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Orosius über Ninus und Semiramis (306 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 19.09.2023 um 16:23 Uhr (Zitieren)
Paulus Orosius, Die Weltgeschichte gegen die Heiden:
I 4:

1300 Jahre vor Gründung der Stadt [Rom] hat Ninus, der König der Assyrer, nach Meinung der heidnischen Autoren der erste König überhaupt, aus Gier nach Ausweitung seiner Herrschaft Krieg begonnen und 50 Jahre lang ein blutbeflecktes Leben mit Kriegen in ganz Asien geführt.
Vom Süden und vom Toten Meer her auftauchend, unterjochte er im äußersten Norden das Schwarzmeergebiet durch Verwüstung. Die skythische Barbarenwelt, bisher unkriegerisch und unschuldig, lehrte er die in träger Ruhe verharrende Grausamkeit anzufachen, ihre Kräfte kennenzulernen, nicht mehr Milch der Tiere, sondern Blut der Menschen zu trinken und endlich zu siegen, bis sie besiegt war.
Schließlich tötete Ninus den im Kampf besiegten Zoroaster, König der Baktrianer, der zugleich der Erfinder der magischen Kunst gewesen sein soll. Danach, als er eine von ihm abfallende Stadt belagerte, ging er selbst von einem Pfeil getroffen zugrunde.
Nach seinem Tode folgte ihm seine Gemahlin Samiramis. Durch ihre Gesinnung die Rolle des Mannes und durch die äußere Erscheinung die des Sohnes spielend, ließ sie die schon durch Gewohnheit nach Blut gierigen Untertanen 42 Jahre lang mit Mord an Völkerschaften nicht rasten.
Nicht zufrieden war die Frau mit den von ihrem Mann übernommenen Gebieten, die er als damals einziger Kriegführender in 50 Jahren hinzuerworben hatte. Sie fügte das durch Krieg unterdrückte, mit Blut überzogene Äthiopien ihrem Reich hinzu. Auch den Indern, deren Gebiet außer ihr und Alexander dem Großen niemand betreten hat, brachte sie Krieg.
In Frieden lebende Völker zu verfolgen und zu morden, war zu jener Zeit um so grausamer und mehr ins Gewicht fallend, weil es bei jenen damals weder nach außen hin Kriegsbrände gab, noch im Innern die Möglichkeit, gewaltsamen Leidenschaften zu frönen.
Diese Frau, brennend vor Begierde, durstig nach Blut, hurte und mordete unablässig. Sie tötete alle, die sie in ihrer Eigenschaft als Königin herbeigerufen, auf Dirnenart ausgehalten und durch Beischlaf erfreut hatte. Nachdem sie schließlich einen Sohn schimpflich empfangen, ihn unfromm ausgesetzt und blutschänderisch mit ihm verkehrt hatte, deckte sie die persönliche Schande mit einem öffentlichen Verbrechen.
Sie schrieb nämlich vor, daß zwischen Eltern und Kindern bei einer Eheschließung keinerlei Rücksicht auf die Natur beachtet werden müsse und jeder frei sei zu tun, was er wolle.

II 1 f.:

Der erste König bei den Assyrern, der die übrigen zu überragen vermochte, war Ninus. Nach der Ermordung des Ninus hat seine Frau Samiramis, die Königin von ganz Asien, die Stadt Babylon gegründet und angeordnet, daß sie für die Assyrer Hauptstadt des Reiches sein solle.

II 3, 1:

Es herrschte Ninus 52 Jahre. Ihm folgte, wie ich gesagt habe, seine Frau Samiramis nach. Als diese selbst 42 Jahre geherrscht hatte, gründete sie mitten in ihrer Regierungszeit Babylon als Hauptstadt des Reiches.

(Orosius: Die antike Weltgeschichte in christlicher Sicht. 2 Bde., herausgegeben von Adolf Lippold. Zürich/München 1985; Bd. I, S. 79 f.; 108; 110)

Dieses Bild, das Orosius von Semiramis zeichnet, ist für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Auffassung bestimmend geworden.
 
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