Γραικύλος schrieb am 07.09.2023 um 12:14 Uhr (Zitieren)
[Psalm 51 (50) 17-19]
Re: Gottes Geschmack
Marcella schrieb am 07.09.2023 um 14:40 Uhr (Zitieren)
Oder so: (Einheitsübersetzung)
Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.
Einer der ersten und frühesten Gründe für mich, mich vom Christentum abzuwenden. In dem beschriebenen Zustand ist niemand überlebensfähig.
"Cor contritum" : Das abstoßende Bild erinnert an die gewaltsame mechanische Einwirkung aufs Herz, wie dies "Zerknirschen" - als ob ein großer Wagen drüber gefahren wäre.
Re: Gottes Geschmack
Andreas schrieb am 07.09.2023 um 16:21 Uhr (Zitieren)
Die Kultkritik Jesu (Tempelaustreibung) war mit
ein Grund ihn loswerden zu wollen, weil geschäfts-
schädigend.
Wahrscheinlich würde er heute alle Devotionalienhändler
und Reliquiengeschäftemacher
zum Teufel jagen.
Man denke an die absurden Reliquien der
heiligen drei Könige im Kölner Dom.
Als ob es die Aufklärung und historisch-kritische Methode nie
gegeben hätte! https://de.wikipedia.org/wiki/Dreik%C3%B6nigenschrein
Marcella schrieb am 07.09.2023 um 19:01 Uhr (Zitieren)
Der Link sagt Interessantes über Schlachtopfer und abzulehnende Kulte; nichts aber über das Gottesmonster aus Psalm 51.
Re: Gottes Geschmack
Γραικύλος schrieb am 08.09.2023 um 09:12 Uhr (Zitieren)
Das sehe auch ich so; die Ablehnung von Schlachtopfern ist nicht das Entscheidende bei "Gottes Geschmack".
Re: Gottes Geschmack
Johannes schrieb am 08.09.2023 um 14:15 Uhr (Zitieren)
Die Frage ist, wie man interpretiert:
" zerknirschter Geist; ein zerknirschtes und zerschlagenes Herz"
Hier wäre das hebräische Original heranzuziehen
und der "Sitz im Leben" zu eruieren.
Vlt. meint es nur Demut und Bescheidenheit oder Reue
über Fehlverhalten im menschl. Miteinander.
Oder es geht um die menschl. Hybris.
Es wäre nicht das erste Mal, dass im Original
etwas ganz anderes gemeint ist als Übersetzungen wiedergeben.
Nur ein wissenschaftlicher Kommentar kann
hier Klarheit schaffen.
Γραικύλος schrieb am 08.09.2023 um 14:55 Uhr (Zitieren)
In der "Biblia Hebraica mit deutscher Übersetzung" finde ich die entscheidende Stelle so übersetzt:
"Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängstetes Herz, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen."
Dazu ein Verweis auf Psalm 34, 19: "Der Herr ist denen nahe, die zerbrochenen Herzens sind, die ein zerschlagenes Gemüt bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. Sela."
Es handelt sich also nicht, wie man meinen könnte, um ein durch unglückliches Schicksal zerbrochenes Herz, sondern um die Schuld der Sünde.
Und da stimme ich Marcella schon zu. Ich denke an das Introibo der Messe: Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.
Re: Gottes Geschmack
Johannes schrieb am 08.09.2023 um 16:45 Uhr (Zitieren)
Der Kontext ist also sozialschädliches Verhalten.
Sünde sondert ab, (zer)stört Gemeinschaft.
Schuld einreden, wo keine wirkliche ist,
ist typisch für Religionen um Erlösungsbedürfnisse
zu generieren und Erlösungsinstitutionen zu begründen,
die letztlich lukrative, bequeme Geschäftsmodelle sind.
Re: Gottes Geschmack
Γραικύλος schrieb am 08.09.2023 um 17:44 Uhr (Zitieren)
Sünde ist doch ein Verstoß gegen Gottes Gebote, und diese möchte ich nicht durchweg als gemeinschaftsstiftend bezeichnen. Wir hatten hier auch schonmal Zitate aus dem Deuteronomium, in denen es um den brutalen Umgang mit den Nachbarvölkern ging, was an Genozid grenzte. Daher kann man vielleicht sagen, daß es um die innerjüdische Gemeinschaft, das Volk Gottes, geht.
Re: Gottes Geschmack
Γραικύλος schrieb am 08.09.2023 um 19:31 Uhr (Zitieren)
Um eine Vorstellung von dem zu geben, was alles als Sünde gilt, möchte ich nochmals den Dodekalog (Exodus 34, 10-27) zitieren:
Re: Gottes Geschmack
Bukolos schrieb am 08.09.2023 um 23:27 Uhr (Zitieren)
Die Sünden, die als Anlass zur vorliegenden Reuebekundung vorgestellt werden, finden sich indes im Dekalog: