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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
"Der Sklave ist der Schatten eines Menschen ..." #2 (349 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.09.2023 um 12:48 Uhr (Zitieren)
Unfrei waren auch die in der Sklaverei geborenen Kinder, während Kinder aus „Mischehen“ zwischen Freien und Sklaven unter Berücksichtigung gewisser Gesetzesvorschriften (§§ 170, 171, 175, 176) den Status eines freien Bürgers erhielten. Ansonsten war es für einen Leibeigenen schwer, freier Bürger zu werden, war er doch manchmal schon als Unfreier gebrandmarkt durch die eintätowierte Sklavenmarke oder das geschorene Haar auf der vorderen Hälfte des Kopfes. Meist trug er das Sklavenzeichen – den Namen des Besitzers – aber nur auf einer um den Hals hängenden Tafel, die im Falle der Freilassung zerbrochen wurde.

Doch wer sollte ihn freikaufen? Zu Hammurabis Zeiten kostete ein Sklave 20 Sekel Silber – soviel wie ein Rind -, und unter Nebukadnezar war er im Zuge der allgemeinen Preissteigerungen bereits 50 Sekel wert. War der Unfreie in irgendeiner Weise qualifiziert – künstlerisch begabt oder in einem Handwerk ausgebildet -, erhöhte sich seine „Ablösungssumme“ entsprechend. Am einfachsten hatten es da noch die Sklavinnen: Durch Heirat mit ihrem Besitzer wurden sie frei, ebenso die von ihnen geborenen und vom Mann anerkannten Kinder. Dieser Weg wurde denn auch des öfteren beschritten; sonst ist er nur wenigen Unfreien gelungen, wieder frei zu werden. Und wer es mit „Gewalt“ versuchte, dem brannte man, nach mißglückter Flucht, die Zeichen „Entflohen, Verhaftet“ ins Gesicht – er blieb ein „Gezeichneter“, sein Leben lang.

Nur während des Neujahrsfestes „schritt der Sklave neben seinem Herrn, die Sklavin war gleich ihrer Herrin, der Reiche schlief mit dem Armen nebeneinander“, wie es in der Inschrift Gudeas von Lagasch heißt.

Aber niemand hätte Grundsätzliches gegen die Institution der Leibeigenschaft, der Sklaverei einzuwenden gehabt, auch jene aus den oberen Schichten, die sie für „nicht menschenwürdig“ hielten – solche „Außenseiter der Gesellschaft“ gab es wohl zu jeder Zeit -, mußten sich damit begnügen, die gröbsten Mißstände zu beseitigen. Die Sklaven selbst muckten zwar immer wieder auf, indem sie ihre Arbeit bei staatlichen Bauten einfach nicht antraten oder die Arbeitsplätze massenweise verließen, aber zu einem Sklavenaufstand à la Spartakus ist es in Babylon nie gekommen. Ein einziges der überlieferten Dokumente – ein Brief aus neubabylonischer Zeit – berichtet von einer Art Streik: Die Steinmetzen, seit zwei Monaten ohne Lohn, weigerten sich, weiterzuarbeiten, und er, der Aufseher, möchte der Palastverwaltung doch dringend anraten, so bald wie möglich zu zahlen, da die Lage offensichtlich bedrohliche Formen annähme. Angesichts der hohen Normen wollte man wenigstens nicht umsonst arbeiten: „Die Last hier ist hart“, schreibt der Aufseher. „Das Tagespensum an Ziegelsteinen, für das wir verantwortlich sind, ist enorm! Es beträgt 110 Ziegelsteine täglich pro Arbeiter!“

(Petra Eisele: Babylon. Bern/München 1980, S. 169-171)
 
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