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Die Geschichte der Semiramis #4 (252 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 31.08.2023 um 00:08 Uhr (
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Fortsetzung Diodorus Siculus II 4-11:
Mitten durch die Stadt ließ sie den Euphrat fließen und umgab sie mit einer Mauer von 360 Stadien Länge, durch dicht nebeneinander stehende hohe Türme unterteilt. Das Bauwerk war derart wuchtig, daß die Breite dieser Mauern es sechs Fuhrwerken erlaubte, nebeneinander herzufahren; ihre Höhe war unglaublich, wenn man sie nur vom Hörensagen kennt. Dies sagt Ktesias von Knidos; Kleitarch und jene, die später mit Alexander nach Asien gezogen waren, berichten von 365 Stadien und fügen hinzu, Semiramis sei, da ein Jahr die gleiche Zahl von Tagen habe, mit voller Absicht von dieser Zahl Stadien ausgegangen.
Indem sie gebrannte Ziegel (6) durch Asphalt band, habe sie nach Ktesias eine Mauer von 50 Klaftern (nach Mitteilung einiger der Neueren 50 Ellen) Höhe errichtet, ihrer Breite nach von zwei Fuhrwerken zugleich befahrbar. Die Zahl ihrer Türme betrage 250, und deren Höhe wie Breite passe zu der Masse der übrigen Mauer.
Daß sie aber entsprechend der Mauerlänge so wenige Türme baute, braucht nicht zu verwundern. Denn da die Stadt großenteils von Sümpfen umgeben ist, sah sie davon ab, an diesen Stellen Türme zu errichten, weil die Sümpfe selbst genügend natürlichen Schutz boten. Zwischen den Häusern und den Mauern aber war überall Raum für eine Straße von zwei Plethren (7) Breite freigelassen.
8. Um ihr Werk voranzutreiben, wies Semiramis jedem der ihr Nahestehenden den Raum von einem Stadion zu, gab ihnen an Baumaterial, was nötig war, und befahl ihnen, ihren Abschnitt im Laufe eines Jahres fertigzustellen.
Diese nun führten ihren Auftrag mit allem Eifer aus; sie selbst, hierüber zufrieden, baute an der engsten Stelle des Flusses eine Brücke von 5 Stadien Länge. Deren Pfeiler, 12 Fuß voneinander entfernt, wurden kunstvoll im Wasser versenkt. Die Steine, die jeweils das Gewölbe bilden sollten, befestigte man mit metallenen Klammern und goß die Fugen zwischen ihnen mit geschmolzenem Blei aus. An der Seite, an der die Strömung sie traf, waren den Pfeilern Wellenbrecher vorgebaut, deren geschweifte Seiten sich allmählich bis zur Breite des Pfeilers erweiterten, so daß sich an der Spitze der Aufprallstellen die Strömung brach und die Außenseite der Wellenbrecher, die sich dieser anpaßten, die Gewalt des Flusses minderten.
Die Brücke selbst, mit Balken aus Zedern und Zypressenholz sowie riesigen Palmstämmen belegt und 30 Fuß breit, entsprach in ihrer Großartigkeit ganz den übrigen Werken der Semiramis. Sie errichtete zu beiden Seiten des Flusses unter hohen Kosten einen Damm, ungefähr so breit wie die Mauern und 100 Stadien lang. Dazu kam auf jeder Seite der Brücke ein Palast, von wo aus sie die ganze Stadt überwachen und gleichsam deren Schlüssel in ihren Händen halten würde.
(6) Der häufige Hinweis auf gebrannte Ziegeln bezieht sich darauf, daß luftgetrocknete Ziegel billiger, aber weniger haltbar waren.
(7) 1 Plethron = 100 Fuß (ca. 27-35 m)
Wir erfahren hier viel über die architektonische Ausgestaltung Babylons unter Nebukadnezar II., auch wenn dies historisch nichts mit Semiramis zu tun hat.
Re: Die Geschichte der Semiramis #4
Udo schrieb am 31.08.2023 um 14:53 Uhr (
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... daß luftgetrocknete Ziegel billiger, aber weniger haltbar waren.
Die Ziegel des kleines Mannes/ Häuslebauers
so zu sagen, mit eingebauter Obsoleszenz.
Ein Konjunkturprogramm für die Hersteller.Re: Die Geschichte der Semiramis #4
Γραικύλος schrieb am 31.08.2023 um 23:26 Uhr (
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Das Prinzip ist uns ja nicht unbekannt. Wer's solider will, muß mehr zahlen.
Damals gab es eine Stufe darunter noch Schilfhütten.