Wer Versandung wünscht, muss aufpassen, dass
er nicht selber Sand ins Getriebe bekommt.
Böswilligkeit bringt kein Glück.
Re: Ein alter babylonischer Fluch
Marcella schrieb am 28.08.2023 um 22:58 Uhr (Zitieren)
Altmesopotamisch gedacht ist sie nicht, deine christliche Warnung vor bösen Gedanken.
Dem Feind wird hier ein Fluch ausgesprochen; seine Ressourcen sollen austrocknen.
Dem m u s s eigentlich eine gravierende Grenzübertretung, ein heftiger Übergriff vorausgegangen sein, wo der Geschädigte sich nicht anders zu helfen weiß, als die Unterwelt zu Hilfe zu rufen.
Im alten Orient wie auch im alten Griechenland ist der Schadenszauber,auch der Fluch, kaum mutwillig anzuwenden, sondern eine ritualisierte Prozedur aus dem Bereich der Magie. Für den Urheber, falls er/sie nicht gerade Hexe ist, ist das auch nicht gerade ungefährlich.
Re: Ein alter babylonischer Fluch
Γραικύλος schrieb am 28.08.2023 um 23:00 Uhr (Zitieren)
Vielleicht ist das so. Aber ich fand vor allem die Kulturabhängigkeit dieses Fluches bemerkenswert.
Manche sind eher allgemein-menschlich wie z.B. dieser jüdische: "Mögen dir alle Zähne ausfallen bis auf einen ... für Zahnschmerzen!"
Re: Ein alter babylonischer Fluch
Γραικύλος schrieb am 28.08.2023 um 23:01 Uhr (Zitieren)
Das "vielleicht ist das so" bezog sich auf Udo; Marcellas Gedanke ist wohl zeitlich dazwischengekommen.
Re: Ein alter babylonischer Fluch
filix schrieb am 29.08.2023 um 11:42 Uhr (Zitieren)
In Zeiten von Wassernotstand und digitaler Aufmerksamkeitsökonomie funktioniert der Fluch doch global ganz ausgezeichnet. Ihn versteht der Landwirt in der Po-Ebene ebenso wie der YouTube-Channel-Betreiber sonstwo unmittelbar.
Man könnte aber die Frage aufwerfen, wie der Sand metaphorisch in die Sprachen der Welt eingedrungen ist, auch wenn diese in Gebieten gesprochen wurden und werden, die weder Dünen kennen noch Küsten besitzen.
Re: Ein alter babylonischer Fluch
Andreas schrieb am 29.08.2023 um 15:58 Uhr (Zitieren)
Eich:
Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind! Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen ! Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird! Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Re: Ein alter babylonischer Fluch
filix schrieb am 29.08.2023 um 19:04 Uhr (Zitieren)
Eichs Gedicht, dessen unterschlagene Schlusszeile Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt lautet, trägt den Titel Wacht auf und erschien 1950, die Wendung indes findet sich schon in Publikationen der ersten Hälfte des 20. Jhdts., so beispielsweise auf S. 227 des 23. Bandes der Schweizerischen Halbmonatsschrift Wissen und Leben aus 1920/21.
Re: Ein alter babylonischer Fluch
filix schrieb am 29.08.2023 um 19:11 Uhr (Zitieren)
Marcella schrieb am 29.08.2023 um 20:25 Uhr (Zitieren)
Hier hätten wir für diejenigen, die sich für Fluchrituale der Griechen und Römer interessieren, einen Link zu einem recht umfassenden Artikel.
(Bitte selber den Link reparieren. Und Vorsicht bei der Anwendung!)