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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Adoptionsurkunde aus Ugarit (266 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.08.2023 um 00:08 Uhr (Zitieren)
(2. Hälfte des 2. Jahrtausends v.u.Z.)
Mit dem heutigen Tag hat Yasiranu, Sohn des Halamanu, Ilkuya als Sohn angenommen, vor Niqmadu, Sohn des Ammistamru, König von Ugarit. Er hat ihn für immer als Sohn angenom-men. Sollte sich Yasiranu künftig von seinem Sohn trennen, wird er ihm 100 Silberschekel in die Hände geben. Wenn aber Ilkuya sich von Yasiranu, seinem Vater, trennen will, wird er sich die Hände waschen und auf die Straße hinausgehen.

Wenn aber Yasiranu sterben sollte, wird seine Frau, Dame Milku, sein Haus weiter bewohnen. Wenn Ilkuya sich von ihr trennen will, wird sie die 80 Silberschekel, die sie als Mitgift einbrachte, zurücknehmen und das Haus verlassen. ... So wird Dame Milku in der Trauer ihres Herzens im Hause ihres Vaters wohnen.

(Sibylle von Reden: Ugarit und seine Welt. Die Entdeckung einer der ältesten Handelsmetropolen am Mittelmeer. Bergisch Gladbach 1992, S. 294)

"wird er sich die Hände waschen und auf die Straße hinausgehen" ist eine hübsche Formulierung für: dann kriegt er nichts.
Re: Adoptionsurkunde aus Ugarit
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 23.08.2023 um 11:11 Uhr (Zitieren)
Bei der Formulierung 'wird er sich die Hände waschen' in diesem Zusammenhang kommt mir sofort die Geste in den Sinn, die ich aus dem (ägyptisch-)arabischen Raum kenne und mit der man das Ende einer Mahlzeit, aber auch einer, oft auch erfolglosen, Transaktion oder Auseinandersetzung signalisiert: man reibt mehrmals die gekreuzt gehaltenen Handflächen gegeneinander, indem abwechselnd - durch axiale Drehung der Unterarme - die rechte Handinnenseite über die linke, dann die linke über die rechte, jeweils von der Handwurzel/Maus zu den Fingerspitzen, streicht.
Der Bezug zum Ende des Essens ist offensichtlich: man reibt sich die Brotkrumen von den Handinnenseiten oder streicht das Wasser einer Waschung davon.
Diese Geste begleitet oft die Vokabel 'khalass', was "Schluß, Ende", beim Essen auch "ich bin satt" bedeutet (ein einigermaßen höflicher Mensch wird danach noch oder stattdessen 'al-hamdu lillah' = Dank sei Gott sagen).

Auf jeden Fall bezeichnet/punktuiert die Geste den Abschluß eines Aktes, der denjenigen, der sie ausführt, 'mit leeren Händen' zurückläßt, sie kann sogar ein Äquivalent des "Mit der Person/Sache bin ich fertig" sein und enthält dann ein deutliches Maß an Mißbilligung.
Re: Adoptionsurkunde aus Ugarit
Γραικύλος schrieb am 24.08.2023 um 00:24 Uhr (Zitieren)
Sieh an. Darauf spielt ein über 3000 Jahre alter Text wohl an; es gibt noch langlebige Traditionen.
 
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