(Sibylle von Reden: Ugarit und seine Welt. Die Entdeckung einer der ältesten Handelsmetropolen am Mittelmeer. Bergisch Gladbach 1992, S. 294)
"wird er sich die Hände waschen und auf die Straße hinausgehen" ist eine hübsche Formulierung für: dann kriegt er nichts.
Re: Adoptionsurkunde aus Ugarit
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 23.08.2023 um 11:11 Uhr (Zitieren)
Bei der Formulierung 'wird er sich die Hände waschen' in diesem Zusammenhang kommt mir sofort die Geste in den Sinn, die ich aus dem (ägyptisch-)arabischen Raum kenne und mit der man das Ende einer Mahlzeit, aber auch einer, oft auch erfolglosen, Transaktion oder Auseinandersetzung signalisiert: man reibt mehrmals die gekreuzt gehaltenen Handflächen gegeneinander, indem abwechselnd - durch axiale Drehung der Unterarme - die rechte Handinnenseite über die linke, dann die linke über die rechte, jeweils von der Handwurzel/Maus zu den Fingerspitzen, streicht.
Der Bezug zum Ende des Essens ist offensichtlich: man reibt sich die Brotkrumen von den Handinnenseiten oder streicht das Wasser einer Waschung davon.
Diese Geste begleitet oft die Vokabel 'khalass', was "Schluß, Ende", beim Essen auch "ich bin satt" bedeutet (ein einigermaßen höflicher Mensch wird danach noch oder stattdessen 'al-hamdu lillah' = Dank sei Gott sagen).
Auf jeden Fall bezeichnet/punktuiert die Geste den Abschluß eines Aktes, der denjenigen, der sie ausführt, 'mit leeren Händen' zurückläßt, sie kann sogar ein Äquivalent des "Mit der Person/Sache bin ich fertig" sein und enthält dann ein deutliches Maß an Mißbilligung.
Re: Adoptionsurkunde aus Ugarit
Γραικύλος schrieb am 24.08.2023 um 00:24 Uhr (Zitieren)
Sieh an. Darauf spielt ein über 3000 Jahre alter Text wohl an; es gibt noch langlebige Traditionen.