Der oberste Gott des ugaritischen Pantheons war Il, der El des Alten Testaments. Er wird als alter, weise Göttervater mit grauem Bart dargestellt. In den Mythen heißt er „der Freundliche“, „der Mitleidvolle“, „der Gütige“. „Du hast die Weisheit und ewiges Leben zum Anteil“, sagt seine Gattin Ascherat, die „Gebärerin der 70 Götter“, zu ihm. Er wird aber auch „der Stier“ genannt als Ausdruck seiner Kraft und Potenz. Trotzdem erscheint Ils Macht nicht sehr groß; seine Rolle ist eher passiv. Er liebt die Ruhe, den Frieden, den Schlaf, den Wein und läßt sich leicht beeinflussen. Seine Residenz befindet sich an einem unendlich weit entfernten, mysteriösen Ort: „an der Quelle der beiden Flüsse“, „in der Tiefe der beiden Ozeane“. In seiner Botschaft an die mordsüchtige Göttin Anat sagt er:
Il gehörte vielleicht zu einer früheren Kosmogonie gleich dem Kronos, Zeus‘ Vater, im griechischen Mythos. [...]
(Sibylle von Reden: Ugarit und seine Welt. Die Entdeckung einer der ältesten Handelsmetropolen am Mittelmeer. Bergisch Gladbach 1992, S. 323)