Plutarch, Pyrrhos 21:
Da hiernach (1) die Verhältnisse eine zweite Schlacht erforderten, brach er [sc. Pyrrhos] mit seinem Heer auf und kam bei der Stadt Ausculum (2) mit den Römern ins Gefecht. Er hatte es mit einem für die Reiterei schwierigen Gelände und einem umbuschten, reißenden Fluß zu tun, wo die Elefanten nicht vorwärts kommen konnten, so daß sie an die Phalanx hätten Anschluß nehmen können, und so kämpfte er unter großen Verlusten an Verwundeten und Toten, bis die Nacht die Gegner schied.
Am folgenden Morgen legte er es darauf an, die Schlacht auf ebenes Gelände zu verlegen und die Elefanten mit den Feinden in Kampf zu bringen, besetzte daher das schwierige Gelände vorweg mit Wachen, verteilte viele Speerwerfer und Bogenschützen zwischen die Elefanten und führte sein Heer mit Wucht und Kraft in dichtgeschlossener Formation vorwärts. Die Römer, die auf dem ebenen Feld nicht mehr wie früher die Möglichkeit auszuweichen und seitwärts wieder vorzudringen hatten, griffen frontal an, und in dem Bestreben, die Schwerbewaffneten zurückzudrängen, ehe die Elefanten eingreifen konnte, hatten sie schwerste Kämpfe mit den Schwertern gegen die Sarissen (3) auszufechten, wobei sie sich nicht schonten und nur bedacht waren, zu treffen und niederzustrecken, den eigenen Tod für nichts achtend.
Nach langer Zeit erst soll das Zurückweichen der Römer dort begonnen haben, wo Pyrrhos selbst stand und mächtig vorwärtsdrängte; den entscheidenden Erfolg aber erzielte er durch die Kraft und Wucht der Elefanten, gegen welche die Römer außerstande waren, ihre Kampftüchtigkeit zu bewähren, und vielmehr gleichsam dem Anrollen einer Meereswoge oder einem alles niederreißenden Erdbebenstoß meinten ausweichen zu müssen, statt sich tatenlos hinzuopfern und ohne jeden Nutzen das Äußerste zu erdulden.
Da sich die Flucht aber nicht weit, nur bis zum Lager erstreckte, so fielen von den Römern, wie Hieronymus (4) angibt, nur sechstausend, und auf seiten des Pyrrhos wurden dreitausendfünfhundertundfünf als gefallen in die königlichen Tagebücher eingetragen. Dionysios (5) dagegen erzählt, es hätten weder zwei Schlachten stattgefunden, noch sei es eine unzweifelhafte Niederklage der Römer gewesen, sondern sie hätten nur einmal bis Sonnenuntergang gekämpft und erst abgelassen, nachdem Pyrrhos durch einen Wurfspieß am Arm verwundet worden war und gleichzeitig Daunier (6) sein Gepäck geplündert hatten, und gefallen seien auf beiden Seiten, bei Pyrrhos und den Römern, über fünfzehntausend Mann.
Beide Parteien trennten sich, und Pyrrhos soll zu einem von denen, die ihn beglückwünschten, gesagt haben: „Wenn wir noch eine Schlacht über die Römer gewinnen, werden wir ganz und gar verloren sein [Ἂν ἔτι μίαν μάχην Ρωμαίους νικήσωμεν, ἀπολούμεθα παντελῶς].“ Denn ein großer Teil des Heeres, das er herübergeführt hatte, war gefallen, die Freunde und Offiziere alle bis auf wenige, andere Truppen, die er hätte nachkommen lassen können, waren nicht da, und die Bundesgenossen im Lande sah er in ihrem Eifer erkalten, während bei den Römern wie aus einer aus der Heimat ihnen zuströmenden Quelle das Heer sich immer leicht und schnell wieder auffüllte und sie durch die Niederlagen nicht den Mut verloren, sondern vielmehr neue Kraft und Kampfbegier aus der Erbitterung schöpften.
(1) nach der Ablehnung von Verhandlungen durch die Römer
(2) in Apulien, 279
v.u.Z.
(3) sehr lange Lanzen
(4) Hieronymus von Kardia, griechischer Historiker des 4./3. Jhdts.
v.u.Z.
(5) Dionysios von Halikarnassos, Historiker der römischen Frühgeschichte um die Zeitenwende
(6) in Apulien lebender Stamm