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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Schul- und Bildungssystem der Sumerer #1 (380 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.08.2023 um 00:03 Uhr (Zitieren)
So wie die Anfänge der Schrift und des Rechnens war auch das Institut zu ihrer Weitergabe – die Schule – ganz auf die praktischen Erfordernisse der Gegenwart ausgerichtet. Wir müssen uns die ersten Schulen in den weitläufigen Tempelanlagen vorstellen, wo auch das Material für die neu erfundenen Aufzeichnungsmöglichkeiten – die ersten Tontafeln – vorhanden war. Dort gaben Tempelschreiber ihr Wissen um die Bedeutung der Zeichen und darüber, wie man sie am geschicktesten in weiche Tontäfelchen einritzte, intelligenten Knaben der Oberschicht weiter. Selbst in späterer Zeit finden wir keine Anzeichen dafür, daß auch Mädchen die Schule besuchten. Schreibkundige Frauen – wir finden sie in Herrscherfamilien wie auch unter den Priesterinnen – müssen diese Fähigkeiten im Privatunterricht erworben haben.

Wie die meisten Berufe dürfte sich auch der des Tempelschreibers vom Vater auf den Sohn vererbt haben, so daß es sich vielleicht zu Beginn um eine Art von Familienschulen gehandelt hat, die dem Tempel angeschlossen waren. Doch schon bald erkannten die Sumerer der aufstrebenden Führungsschicht, daß der Schulbesuch für ihre Söhne unerläßlich sei. Man lernte nun Schreiben und Rechnen nicht mehr allein für die Tempelbuchhaltung, sondern auch für den persönlichen Gebrauch.

Die Schule befand sich zwar immer noch im Tempel oder in seiner Nähe, da die Schriftkundigen ja Angestellte der Tempelverwaltung waren, aber sie beschränkte sich nun nicht mehr auf die Ausbildung von Tempelschreibern. Der Unterrichtsbetrieb veränderte sich durch diese Verschiebung der Aufgaben kaum. War doch von Anfang an die Aufgabe der Tempelschreiber nicht die Religionsausübung gewesen, sondern die Wirtschaftsbuchführung. Er hatte mit dem Tempel und seinen Göttern nicht mehr zu tun als der Verwalter eines klösterlichen Weinguts mit der Kirche.

Die Schule in Sumer war von Anfang an eine Berufsausbildungsstätte. Wenn man den ältesten aufgefundenen Schulbüchern in Form doppelseitig – von Lehrer und Schüler – beschriebenen Tontafeln glauben darf, so gab es in der sumerischen Tempelschule das Fach Religion ebensowenig wie die Fächer Geschichte oder Literatur. Alles, was damit zusammenhing, wurde jahrhundertelang nur mündlich überliefert. Das hat seinen Grund nicht etwa in einer Mißachtung oder geringen Einschätzung von Religion und Dichtung, sondern vielmehr in der immerwährenden Gültigkeit dieser Dinge, die nach sumerischer Meinung eine Aufzeichnung nicht erforderlich machte. Man schrieb nicht auf, was man ohnehin wußte, sondern nur das vom Vergessenwerden Bedrohte.

(Harmut Uhlig: Die Sumerer. Ein Volk am Anfang der Geschichte. Bergisch Gladbach 1989, S. 163-166)
 
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