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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Gilgamesch lehnt die Liebe Inannas ab #2 (383 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 31.07.2023 um 00:19 Uhr (Zitieren)
2.

Wenn ich tatsächlich dich zur Gattin nähme,
müßte ich meinen Leib und auch meine Kleider vergessen.
Dann müßte ich mein tägliches Brot und sogar meinen Hunger vergessen.
Würdest du mir denn Brot zu essen geben, das einem Gotte angemessen?
Würdest du mir denn Bier zu trinken geben, das einem König angemessen?
[ ] müßte ich binden.
[ ] müßte ich zusammentragen.
Das enge Herz ist wohl unter einen Mantel geschlüpft!
Warum nur sollte ich gerade dich zur Gattin nehmen?
(Du) Frost, der kein Eis gefrieren läßt!
(Du) Türchen für die Tauben, durch das nicht Wind noch Wehen aufgehalten wird!
(Du) Palast, der die (eigenen) Krieger niederstreckt!
(Du) Elefant, der seine eigene Decke frißt!
(Du) Pech, das den, der’s trägt, beschmiert!
(Du) Schlauch, der den besudelt, der ihn trägt!
(Du) Mauerstein, der die Steinmauer sprengt!
(Du) Rammbock, der die Mauer zerstört, die (Schutz bot) vor dem Feindesland!
(Du) Schuh, der den Fuß seines Besitzers drückt! –
Welcher deiner Gatten blieb denn auf Dauer (wohlbehalten)?
Wer ist denn dein Krieger, der gemeinsam mit dir zum Himmel aufstieg?
Komm doch her, ich will Rechenschaft über deine Liebhaber ablegen!
.............[ ] seine Arme.
Dumuzi, dem Bräutigam deiner Jugend,
hast Jahr auf Jahr du stetiges Weinen zum Schicksal bestimmt.
Du liebtest den bunten Wiedehopf,
doch schlugst du ihn, so daß du seine Flügel zerbrachst.
(Jetzt) hockt er in den Wäldern und schreit: „kappi“ (das heißt: „O, mein Flügel“)!
Du liebtest den Löwen, den Inbegriff der Kraft,
doch hast du ihm sieben und nochmals sieben Gruben gegraben.
Die liebtest das Pferd, das aufmerksam ist in der Schlacht,
doch hast du Peitsche, Stachel und Gerte ihm zum Schicksal bestimmt.
Sieben Doppelstunden zu traben, hast du ihm zum Schicksal bestimmt.
(Wasser) zu trüben und es dann zu trinken, das hast du ihm zum Schicksal bestimmt.
Du hast seiner Mutter Silili stetiges Weinen zum Schicksal bestimmt.
Du liebtest den Schäfer, den Tierhüter, den Hirten,
der dir beständig in Asche gebackene Brote aufhäufte
und Tag für Tag dir Zicklein schlachtete.
Du schlugst ihn und hast ihn in einen Wolf verwandelt.
Seine eigenen Hirtenjungen verjagen ihn (jetzt),
und seine Hunde beißen ihn in die Schenkel.
Du liebtest Ischullanu, den Gärtner deines Vaters,
der beständig dir den Dattelkorb entgegenstreckte,
und Tag für Tag deinen Tisch schön machte.
Du erhobst zu ihm die Augen und hast dich an ihn herangemacht:
„O, mein Ischullanu, wir wollen deine Macht verzehren!
Und deine Hand, die streck doch aus, auf daß du unsere Scham berührst!“
Ischullanu sprach da zu dir:
„Von mir, was willst du denn von mir? –
Hat meine Mutter nicht für mich gebacken? Habe ich nicht schon ‚verzehrt‘?
Bin ich etwa einer, der Brot unter Schimpf und Flüchen essen wird?
Soll denn meine Decke vor dem Frost die Binse sein?“
Du aber hörtest diese seine Rede.
Du schlugst ihn. Du hast ihn in eine Kröte verwandelt.
Du ließest ihn sitzen inmitten seines (eigenen) Gartens,
nun gelangt seine Zunge weder hinauf zum Bier noch herab bis in den Wassereimer.
Auch mich würdest du nur lieben, um mich dann zu verwandeln genauso wie jene!

(Das Gilgamesch-Epos. Hrsg. v. Stefan M. Maul. München 82020, S. 92-94)

So populär Inanna in Mesopotamien auch war - es gibt sicher nicht viele Beispiele aus der Weltliteratur, in denen eine Göttin dermaßen verunglimpft wird.
 
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