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Gilgamesch lehnt die Liebe Inannas ab #1 (398 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 31.07.2023 um 00:14 Uhr (
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Gilgamesch-Epos, 6. Tafel:
Gilgamesch ist ein Held, zu zwei Dritteln Gott, zu einem Drittel Mensch und deshalb sterblich. Inanna (Ischtar) ist eine bedeutende Göttin des Himmels, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Krieges und des Todes; in Mesopotamien war sie sehr populär.
Ich gebe die Verse in zwei Versionen wieder.
1.
Wie ging’s mir wohl zu, wenn ich zur Frau dich nähme!
Ein Ofen bist du, der nicht wärmt bei Kälte,
Ein gegen Zug und Wind untauglich Tor,
Bist ein Palast, der niederschmeißt die Mannen,
Bist Erdpech, das besudelt, wer es anfaßt,
Ein Wasserschlauch, der seinen Träger näßt,
Bist Kalkstein, der die Mauerfugen sprengt,
Ein Sturmbock, hergeführt aus Feindesland,
Ein Schuh, der seines Trägers Füße beißt!
Wo ist der Buhle, den du treu gehegt,
Die Mandelkrähe, die dir zugeflogen?
Wohlan, ich zähl‘ dir auf, die du geliebt:
Dem Tammuz (1), dem Geliebten deiner Jugend,
Hast Tränen du für jedes Jahr bestimmt.
Du liebtest auch den farbenfrohen Vogel,
Doch schlugst du ihn, zerbrachest ihm die Flügel.
Nun sitzt er im Gehölz und ruft „kappi“!
Den Löwen liebtest du, der Stärke Urbild,
Und hobst ihm doch der Gruben aus je sieben!
Auch liebtest du den kampferprobten Hengst,
Bestimmtest doch ihm Peitsche, Stich und Hieb:
So muß er jagen sieben Doppelstunden,
Das aufgewühlte, schlammige Wasser trinken,
Daß drob Silili, seine Mutter weint!
Dann liebtest du den Hirten bei den Schafen,
Brotkuchen häufte er dir ohne Rast
Und schlachtete dir Zicklein jeden Tag:
Du schlugst ihn, ließest einen Wolf ihn werden –
Nun scheuchen ihn die eigenen Hütejungen,
Und seine Hunde beißen ihn ins Bein!
Dann packte Liebe dich zu Ischullanu,
Der deines Vaters Palmengärtner war,
Der stets dir Körbe voller Datteln brachte
Und täglich reich versorgte deine Tafel.
Du sahst ihn an, du nähertest dich ihm
Und sprachest zu ihm: „O mein Ischullanu,
Komm, laß uns doch genießen deine Kraft,
Reich deine Hand, berühre meinen Schoß!“
Doch Ischullanu gab dir drauf zur Antwort:
„Was stellst du da an mich für ein Verlangen?
Buck Brot mir nicht die Mutter, aß ich’s nicht,
Daß ich nun üble Speise wählen sollte
Und nur mit Bastgeflecht mich wärmen müßte?“
Als du nun diese seine Antwort hörtest,
Da schlugst du ihn, ließ’t einen Frosch ihn werden
Und hießest ihn inmitten ... wohnen,
Daß ihm hinauf, hinab der Weg versperrt.
Mir brächte deine Liebe Gleiches ein!
[i](Helmut Uhlig: Die Sumerer. Ein Volk am Anfang der Geschichte. Bergisch Gladbach 1989, S. 143-145]
(1) Er mußte die Hälfte des Jahres in der Unterwelt verbringen, um Inanna von dort auszulösen.