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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Enki, der sumerische Gott des Wassers #2 (401 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.07.2023 um 00:15 Uhr (Zitieren)
Doch Uttu ist von ihrer Urgroßmutter Ninhursanga gewarnt und verschließt ihr Ohr allem Liebeswerben Enkis. Da greift der schlaue Gott, ein würdiger Vorfahr des olympischen Zeus, zu einer alten, immer wieder wirksamen List. Er verkleidet sich als Gärtner und findet mit verlockenden Früchten Einlaß in Uttus Haus. Ob der Vereinigung eine Vergewaltigung vorausging oder ob sie sich in Umkehrung des Goetheverses nach dem Motto „halb zog er sie, halb sank sie hin“ vollzog, ist aus den sumerischen Texten nicht zu entnehmen. Wohl aber erfahren wir, daß Enki der Beischlaf mit der überlisteten Urenkelin nicht gut bekommen ist. Dafür sorgte ein geheimer Zauber der wohl ebenso eifersüchtigen wie auf die Familienehre bedachten Ninhursanga.

Jedenfalls entsteht dank der Kraft ihrer Göttlichkeit diesmal kein Neuntagekind. Aus Enkis Samen keimen vielmehr acht geheimnisvolle Pflanzen auf. Als Enki von diesen Früchten seiner Saat erfährt, schickt er seinen Helfer Isnim aus, sie zu pflücken, und findet sie so verlockend, daß er sie verzehrt. Ninhursanga ist entsetzt über diese frevlerische Tat und verläßt Enki.

Die Götter sind bestürzt über das Verschwinden der obersten Fruchtbarkeitsgöttin, ohne deren Dasein alles Leben im Himmel wie auf Erden zu Ende gehen müßte. Da erbietet sich der Fuchs vor den Götterversammlung großsprecherisch, die Göttin gegen eine hohe Belohnung wieder herbeizuschaffen. Tatsächlich gelingt es dem schlauen Tier, die erzürnte Göttin zu besänftigen und in die Gesellschaft der Götter zurückzubringen.

Sie findet Enki, von den genossenen Pflanzen vergiftet, mit acht schweren Leiden behaftet, als einen dahinsiechenden, seiner Schöpferkraft beraubten Kranken vor. Die Ordnung und das Weiterbestehen des Kosmos scheinen gefährdet. Da gebiert ihm die bestürzte, sich ihrer Pflichten neu bewußt werdende Muttergöttin gegen jede seiner Krankheiten eine Gottheit zur Heilung. So entstehen Erd- und Vegetationsgötter, die nicht nur Enki genesen lassen, sondern auch dem Land Segen und Fruchtbarkeit bringen.

(Helmut Uhlig: Die Sumerer. Ein Volk am Anfang der Geschichte. Bergisch Gladbach 1989, S. 23-25)

Sich derartiges von Göttern vorzustellen, eine sexuelle Beziehung mit der eigenen Urenkelin, das belegt doch deutlich einen gewissen 'Kulturwandel' für die heutige Zeit.
Re: Enki, der sumerische Gott des Wassers #2
Marcella schrieb am 01.08.2023 um 09:43 Uhr (Zitieren)
Es ist auch etwas Besonders um Ea/Enki, den Gott, der den Menschen am nächsten steht. Bei den Sumerern hat seine Figur leicht etwas Komisches und Burleskes aufgrund seiner Anfälligkeit durch Sex und Alkohol. Ob die Sumerer den komischen Aspekt der Gottheit auch so empfunden haben?
Re: Enki, der sumerische Gott des Wassers #2
Γραικύλος schrieb am 01.08.2023 um 17:13 Uhr (Zitieren)
Das möchte ich doch gerne annehmen.
Re: Enki, der sumerische Gott des Wassers #2
Marcella schrieb am 01.08.2023 um 18:22 Uhr (Zitieren)
Somit würde über 5000 Jahre und über Kulturen hinweg der Sinn für Situationskomik sich ähneln.
Nur die drolligen Götter sind abgeschafft. Das Christentum duldet sowas nicht.

Bei den großartigen akkadischen Epen hatte ich öfters das Gefühl, dass die literarischen Standards unserem Verständnis recht nahe sind.

Es gibt ja auch Beispiele dafür, dass akkadische Novellistik (z.B. der "Bürgermeister von Nippur") sich - mit marginalen Änderungen aufgrund der mündlichen Tradition - über drei Jahrtausende bewahrt hat. Die chassisischen Erzählungen geben wundersamerweise die alten Plots wieder.
Re: Enki, der sumerische Gott des Wassers #2
Γραικύλος schrieb am 01.08.2023 um 23:00 Uhr (Zitieren)
Kannst Du etwas zu der akkadischen Novellistik sagen? Gibt's die in Buchform? Davon kenne ich gar nichts.
Re: Enki, der sumerische Gott des Wassers #2
Marcella schrieb am 02.08.2023 um 18:21 Uhr (Zitieren)
Novellistik ist vielleicht übertrieben. Ich meine die erzählende Literatur, die n i c h t von Göttern handelt, sondern von Begebenheiten unter Menschen. Diese Prosa ist durch das Medium bedingt naturgemäß jeweils nicht besonders lang. In Buchform kenne ich auch nichts davon.
Re: Enki, der sumerische Gott des Wassers #2
Γραικύλος schrieb am 02.08.2023 um 23:58 Uhr (Zitieren)
Ich habe nur "Sumerische und akkadische Hymnen" sowie "Die sumerischen und akkadischen Königsinschriften". Dann werde ich da wohl nicht fündig werden.
Re: Enki, der sumerische Gott des Wassers #2
Marcella schrieb am 03.08.2023 um 15:04 Uhr (Zitieren)
Vielleicht ein Bespiel für Neugierige. Mit Link zum Selberbasteln:
https://altorientale-mythologie.blogspot.com › 2018 › 11 › die-geschichte-des-armen-mannes-von.ht
 
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