Γραικύλος schrieb am 12.07.2023 um 00:00 Uhr (Zitieren)
Euklid war ein griechisches Mathematiker um 300 v.u.Z., der am Museion in Alexandria wirkte. Berühmt ist er vor allem für seine Axiomatisierung u.a. der Geometrie, die im sog. Parallelenpostulat gipfelt:
Gegeben seien eine Gerade g sowie ein Punkt P, der nicht auf dieser Geraden liegt.
. P
___________________________________ g
Euklid: Dann gibt es durch den Punkt P genau eine Gerade, die parallel zu g ist.
Parallel bedeutet, daß die Gerade durch P auch im Unendlichen g nicht schneidet.
Um ein Postulat oder Axiom handelt es sich, weil das nicht beweisbar ist, sondern angenommen wird.
Und auch wenn dies nach einer Aussage über Flächen klingt, braucht man sich nur vorzustellen, daß P nicht nur auf einer Ebene mit g, sondern auch über oder unter ihr liegen kann. Auf diese Weise ist daher der euklidische Raum festgelegt. Intuitiv klingt das Postulat – auch wenn es nicht beweisbar ist – richtig, denn so erleben wir den Raum.
Zwei Mathematiker des 19. Jahrhunderts, Bernhard Riemann und Nikolai Lobatschewskij, haben alternative Postulate formuliert:
Riemann: Dann gibt es durch den Punkt P keine Gerade, die parallel zu g ist.
Lobatschewskij: Dann gibt es durch den Punkt P mindestens zwei Geraden, die parallel zu g sind.
Ein so definierter Raum ist auf die eine oder andere Weise gekrümmt.
Seit Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie wissen wir, daß der Weltraum durch die Gravitation gekrümmt wird und daher kein Euklidischer Raum ist, sondern ein Riemannscher.
Dennoch hat die europäische Raumfahrtbehörde ESA, als sie jüngst ein Teleskop ins Weltall schickte, um nach der Dunklen Materie zu forschen, diesen Satelliten Euclid genannt.
Offenbar ist die Antike auch heute noch populär. Populärer jedenfalls als Riemann und Lobatschewskij.
Re: Weder Riemann noch Lobatschewskij
Bukolos schrieb am 12.07.2023 um 12:58 Uhr (Zitieren)
P liegt (auch im euklidischen Raum) immer auf einer Ebene mit g. Und dass g und P auf derselben Ebene liegen, ist auch die Bedingung dafür, dass die oben angeführte Definition ("Parallel bedeutet, daß die Gerade durch P auch im Unendlichen g nicht schneidet") gilt.
Ohne die Beschränkung auf eine Ebene gilt sie im euklidischen Raum nicht: Liegt g auf einer Ebene ε₁ und P auf einer parallelen Ebene ε₂, so schneidet keine der auf ε₂ liegenden und durch P verlaufenden Geraden g, unabhängig davon, ob Parallelität zu g besteht oder nicht.
Re: Weder Riemann noch Lobatschewskij
Bukolos schrieb am 12.07.2023 um 13:27 Uhr (Zitieren)
Und dass g und P ... -> Und dass g und die durch P verlaufende Gerade ...
Re: Weder Riemann noch Lobatschewskij
Andreas schrieb am 12.07.2023 um 13:42 Uhr (Zitieren)
Aussagen über Unendlichkeit zu machen ist sinnfrei,
weil der Begriff nicht definiert ist
bzw. nicht definierbar ist.
Rechnen mit Unendlichkeit ist mathematisch verboten.
Was soll z.B. oo * oo bedeuten?
Oder -oo + +oo? Oder oo+1?
1/0 ist bewusst nicht definiert, weil
der Grenzwert gegen oo geht.
Re: Weder Riemann noch Lobatschewskij
Γραικύλος schrieb am 12.07.2023 um 15:31 Uhr (Zitieren)
An Bukolos:
Ich verstehe, was Du meinst. Und dennoch handelt es sich ja um den euklidischen Raum, nicht die Fläche. Liegt das daran, daß P nicht nur horizontal, sondern auch vertikal mit g auf einer Ebene liegen kann?
An Andreas:
Und auch wenn man sagt, daß die beiden Geraden immer den gleichen Abstand haben, liegt das Unendliche ja in dem "immer". Wie willst Du das in der Definition der Parallele vermeiden?
Re: Weder Riemann noch Lobatschewskij
Bukolos schrieb am 12.07.2023 um 16:12 Uhr (Zitieren)
So kann man es ausdrücken (wenn man zusätzlich ein Objekt definiert hat, in Bezug auf das die Ausdrücke horizontal und vertikal angemessen sind).
Eben. Und da funktioniert die angeführte Parallelendefinition nicht mehr, da wir im euklidischen Raum auch windschiefe Geraden definieren können (was in der Fläche nicht möglich ist).