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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Juclid und Neiki (453 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.07.2023 um 19:53 Uhr (Zitieren)
Von dem Brauch, aus der Antike stammende Wörter auch im deutschen Sprachraum nach englischer Manier auszusprechen, mag man ansonsten halten, was man will - die Information, daß sie einen Bezug zur Antike haben, wird dadurch wohl kaum noch rezipiert.
Dabei gibt es ja durchaus einen solchen Bezug zwischen einem griechischen Mathematiker und einer Raumsonde, einer Siegesgöttin und einem Sportschuh.
Re: Juclid und Neiki
Andreas schrieb am 09.07.2023 um 15:48 Uhr (Zitieren)
Das wären dann Graeco-Anglizismen im Deutschen
bzw. Angli-Gräzismen.
Gibt es solche Begriffe?
Re: Juclid und Neiki
Γραικύλος schrieb am 09.07.2023 um 16:28 Uhr (Zitieren)
Ob es eine Bezeichnung dafür gibt, weiß ich nicht; für mich klingt es so, als ob der Euklid erst aus dem Englischen zu uns gekommen wäre.

Mir fällt auch auf, daß "R.I.P." immer häufiger mit "Rest in peace" übersetzt wird.

Gibt es das Wort "traditionsblind"?
Re: Juclid und Neiki
Γραικύλος schrieb am 09.07.2023 um 17:21 Uhr (Zitieren)
"Rest in peace" - wohlgemerkt: in Deutschland.
Re: Juclid und Neiki
Γραικύλος schrieb am 09.07.2023 um 17:52 Uhr (Zitieren)
Dabei ist dieser ESA-Satellit Euclid nicht einmal ein angelsächsischer, sondern ein europäischer.

Als kürzlich das U-Boot in der Nähe der Titanic havariert ist, wurde sein Name "Titan" - auch auch Arte, dem Kulturkanal - wie ausgesprochen? Na klar.
Re: Juclid und Neiki
Bukolos schrieb am 09.07.2023 um 21:54 Uhr (Zitieren)
So ganz verstehe ich das Problem noch nicht. Der deutschen Aussprache der Namen des Mathematikers - [ɔɪ̯ˈkʰliːt] - und der Siegesgöttin - [ˈniːkʰə] - wird man ja kaum größere Nähe zur antiken Phonologie bescheinigen wollen als der englischen.
Re: Juclid und Neiki
Γραικύλος schrieb am 09.07.2023 um 22:50 Uhr (Zitieren)
Das ist richtig, aber es ist die in Deutschland etablierte Aussprache, bei der wir (d.h. viele von uns) die Verbindung zur Antike herstellen. Bei "Juklid" habe ich da meine Zweifel. Bei "Rest in peace" erest recht.
Übrigens wurde bei keinem der Berichte, die ich über die ESA-Sonde gesehen habe, auch nur erwähnt, nach wem sie benannt ist.
Re: Juclid und Neiki
Bukolos schrieb am 10.07.2023 um 11:12 Uhr (Zitieren)
Ja gut, Euklid wird damit leben müssen, dass er in deutschen Nachrichtensendungen nicht die Würdigung erfahren hat, die möglich gewesen wäre. Andererseits führt der heutige Standardzugang zu vertiefter Information (Smartphone > Google > Wikipedia) auch bei der Suche nach Euclid ohne Weiteres zum Mathematiker.

Nebenbei kommen in dessen deutschem Namen so viele Sprachen zusammen (dt. Euklid < frz. Euclide < lat. Euclides < gr. Εὐκλείδης), dass die anglophone Namensdublette nur als zusätzlicher Twist in der Geschichte der auf Euklid verweisenden Wörter des deutschen Wortschatzes erscheint.
Re: Juclid und Neiki
filix schrieb am 10.07.2023 um 22:17 Uhr (Zitieren)
Ist es Aufgabe der Aussprache, insbesondere bei Eigennamen einen Hinweis auf die fremdsprachliche Herkunft zu geben, ohne dass diese sich mit der der ins Spiel gebrachten Gebersprache exakt decken muss, kann man die Frage stellen, ob eine wesentliche Änderung des dadurch Bezeichneten reguliert, welche dafür relevant ist. Schließlich ist ein Weltraumteleskop, das von Raumfahrtbehörden lanciert wurde, deren Verkehrssprache Englisch ist, kein griechischer Mathematiker, ein US-Amerikanischer Sportartikelhersteller keine Siegesgöttin und vice versa, weshalb sich dem Spott ebenso preisgibt, wer im Louvre die /ˈnaɪki(ː)/ von Samothrake besichtigt zu haben, kundtut, wie jemand, der stolz erzählt, ein Paar Air max bei [ˈniːkə] in Soho gekauft zu haben.

Dass, wer einigermaßen Englisch beherrscht, bei Euclid gar keine Signale mehr von der Gebersprache Gr. empfängt und hilflos durch den Bedeutungsraum treibt, bezweifle ich nebenbei. Beim Kernbestand von greek loanwords wie idiot, democracy oder psyche und berühmteren Persönlichkeiten der Antike stellen sich doch wohl kaum die von dir behaupteten Schwierigkeiten ein für den Deutschsprecher.
Re: Juclid und Neiki
Γραικύλος schrieb am 10.07.2023 um 23:53 Uhr (Zitieren)
Mal abgesehen davon, daß jemand, der "R.I.P." als "Rest in peace" übersetzt, doch deutliche Anzeichen einer 'Traditionsvergessenheit' zeigt, glaube ich an einen psychologischen Effekt bei der Anglifizierung antiker Begriffe. Der deutsche Sprecher ist sich in aller Regel bewußt, daß er in englischer Manier redet und damit sprachlich auf dem Stand der Mode ("up-to-date") ist. Das lenkt ihn davon ab, daß dahinter noch eine andere Tradition steht, die ja im übrigen unreflektiert bleibt. Oder möchte jemand behaupten, daß man im Zusammenhang mit Nachrichten noch darüber nachdenkt, warum das U-Boot Titan oder die ESA-Sonde Euclid heißt? Man ist viel zu sehr damit beschäftigt, es ja 'richtig' auszusprechen, nämlich englisch.

Ich möchte wetten, daß auch die Hauptstadt von Arizona inzwischen standardmäßig "Phienix" ausgesprochen wird, ohne jede Erinnerung daran, daß dahinter ein antiker Mythos steckt - während ich keinerlei Bedenken beobachten kann, daß bei Moskau, Warschau, Paris, Rom oder Athen die deutsche Aussprache verwendet wird ... was allerdings zu einer Reflexion auf antike Mythen keinen Anlaß gibt.

Wenn andere das anders sehen, ist es mir recht. Einfluß haben wir ja ohnehin nicht darauf.
Re: Juclid und Neiki
Γραικύλος schrieb am 11.07.2023 um 02:20 Uhr (Zitieren)
An sich ist es ja schon auffallend, daß man sich im Bereich der Astronomie bei Benennungen immer noch an der Antike orientiert und die Sonde Euclid nennt, nicht Riemann und nicht Lobatschewskij ... obwohl der Weltraum doch eher ein Riemannscher sein soll.
Re: Juclid und Neiki
filix schrieb am 11.07.2023 um 11:10 Uhr (Zitieren)
Der Zuhörer, der ja nicht mit der korrekten Artikulation beschäftigt ist, sondern ihrer Decodierung, ist, meine ich, gewöhnlich viel zu sehr damit beschäftigt, die dargebrachte Information über dunkle Materie, kosmische Struktur und Rotverschiebung, VIS und NISP et cetera aufzunehmen, um sich bei gleich welcher Aussprache unmittelbar mit Fragen der Namensherkunft, der geschichtlichen Bedeutung ihres Trägers usf. zu befassen.

Dass dieses Interesse jedoch grundsätzlich blockiert werde, weil die richtige englische Aussprache die Signalisierung fremdsprachlicher Herkunft, an die sich diese Fragen anschließen können, aber nicht müssen, nicht leiste, halte ich nach wie vor für fragwürdig.

Die englische Sprache ist voll von greek loanwords, d.h. nicht anders als im Deutschen erlernt ihr Sprecher die unterschiedlichen Signale fremdsprachlicher Herkunft, von denen Aussprache nur eine ist, zu deuten. Ob diesen nachgegangen wird, welches vertiefte Verständnis zwischen Etymologie und Begriffsgeschichte sich daraus entwickelt, ist eine andere Frage.


 
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