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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die vom Schicksal Verlängerten (401 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.07.2023 um 00:07 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Quaestiones Romanae 5:
„Διὰ τὶ τοὺς τεθνάναι φημισθέντας ἐπὶ ξένης ψευδῶς, κἂν ἐπανέλθωσιν, οὐ δέχονται κατὰ θύρας, ἀλλὰ τῷ κεράμῳ προσβαίνοντες εἴσω καθιᾶσιν αὐτούς; “
Warum läßt man diejenigen, die fälschlicherweise als in der Ferne verstorben gelten, nicht durch die Tür eintreten, wenn sie zurückkehren, sondern auf das Dach klettern und von da heruntersteigen?

Varro (1) liefert dafür eine gänzlich mythische Erklärung. Er behauptet nämlich, daß nach einer großen Seeschlacht im Krieg um Sizilien über viele die falsche Nachricht verbreitet worden sei, daß sie gefallen seien. Als sie dann zurückkehrten, seien alle in kurzer Zeit gestorben außer einem, dessen Tür sich von selbst geschlossen habe, als er gerade eintrat, und sich trotz aller Anstrengung nicht habe öffnen lassen. Er sei vor der Tür eingeschlafen und habe im Traum eine Erscheinung gehabt, die ihm geraten habe, sich über das Dach in das Haus hinabzulassen. Er habe dies getan, habe glücklich gelebt und sei alt geworden. Von da an habe sich die Sitte auf die folgenden Generationen übertragen.

Schau nun aber, ob dieser Brauch nicht irgendwie den griechischen Sitten ähnlich ist! Denn die Griechen betrachteten diejenigen, für die ein Begräbnis stattgefunden hatte und ein Grab eingerichtet worden war, in der Annahme, daß sie tot seien, als unrein, und darum verkehrten sie weder mit ihnen noch ließen sie in die Nähe der Tempel kommen. Man erzählt, daß eines von den Opfern dieses Aberglaubens, Aristinos, nach Delphi schickte, um den Gott zu bitten, ob er ihn von dem Ärger, den diese Sitte ihm bereite, befreien könne. Die Pythia habe geantwortet:

„ὅσσαπερ ἐν λεχέεσσι γυνὴ τίκτουσα τελεῖται,
ταῦτα πάλιν τελέσαντα θύειν μακάρεσσι θεοῖσι.
Alles, was eine Gebärende bei der Niederkunft tut,
das tue auch du, und opfere dann den seligen Göttern.“

Aristinos sei zu dem weisen Entschluß gekommen, sich Frauen zu übergeben, als wäre er ein Neugeborener, damit sie ihn wuschen, in Windeln wickelten und an der Brust nährten. Und so hätten es alle anderen getan, die man „Vom Schicksal Verlängerte“ [ὑστερόποτμοι] nennt. Indes behaupten einige, daß man dies schon vor Aristinos für die „Vom Schicksal Verlängerten“ getan habe und daß der Brauch alt sei. Es sei daher nicht verwunderlich, daß auch die Römer glaubten, denen, die ein für allemal begraben worden und ein Teil der Toten seien, nicht erlauben zu können, durch die Haustür einzutreten, durch die sie zum Opfer gehen und vom Opfer zurückkehren, und daß sie ihnen befohlen hätten, von oben aus der Luft in den Teil des Hauses herabzusteigen, der unter freiem Himmel ist. Denn sie vollziehen, wie es sich geziemt, alle Reinigungen unter freiem Himmel.

(Moralia 264 D – 265 B)

(1) M. Terentius Varro, römischer Gelehrter und Dichter (116-27 v.u.Z.)
 
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