α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Dionysos und Mörike (362 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.06.2023 um 14:49 Uhr (Zitieren)
Homerische Hymnen 7: Dionysoslied, in der Übersetzung Eduard Mörikes:
Von Dionysos sing ich, der herrlichen Semele Sohne,
Jetzo, wie er erschien am Gestad ödwogender Meerflut
Auf vorspringendem Ufer, dem Jüngling gleichend von Ansehn,
Welcher heranreift; und es umwallten ihn herrliche Locken
Dunkelen Haars, und es hüllte der Purpurmantel die starken
Schultern ihm ein. Bald kamen jedoch auf trefflichem Schiffe
Schnell Seeräuber, Tyrrhener, in purpurdunkeler Meerflut
Segelnd heran: doch führte Verderben sie. Aber sie winkten,
Jenen erblickend, einander und lauerten; dann ihn ergreifend
Brachten sie hurtig ihn hin aufs Schiff, sich im Innersten freuend;
Denn sie vermuteten, daß er vom göttlichen Stamme der Herrscher
Sei, und sie trachteten ihn mit beschwerlichen Fesseln zu binden.
Aber das Band hielt nicht, und weit von den Händen und Füßen
Fielen die Wieden ihm weg; doch er mit lachendem Blick im
Dunkelen Auge saß da; und der Steuerer, solches gewahrend,
Rief gleich seinen Gefährten und redete folgende Worte:
„Ihr Unseligen, was doch fesselt ihr diesen, den starken
Gott da? Nimmer vermag ja das stattliche Schiff ihn zu tragen.
Denn Zeus oder Apollon mit silbernem Bogen ja ist es
Oder Poseidon auch, da nicht er den sterblichen Menschen
Gleich ist, sondern den Göttern, olympischer Häuser Bewohnern.
Aber wohlan, entlassen wir ihn denn gleich an das dunkle
Land; und erhebet die Hand nicht gegen ihn, daß er im Zorn nicht
Stürmende Wind uns mög und gewaltige Wetter erregen.“
Sprach es; der Führer jedoch schalt ihn mit den finsteren Worten:
„Schau du nur nach dem Wind! und die Taue zusammengenommen,
Auf mit dem Segelgewand! für den doch werden wir sorgen.
Nach Ägypten gelangt er, so hoff‘ ich es, oder nach Kypros
Oder zu den Hyperboreern und weiterhin; aber am Ende
Wird er uns wohl die Verwandten und sämtlichen Schätze gestehen
Wie auch seine Geschwister, dieweil ihn ein Gott uns gegeben.“
Sprach es und stellte den Mast und tat auseinander das Segel.
Wind nun blies in die Mitte des Segelgewands, und das Tauwerk
Spannten sie fest. Bald aber begaben sich seltsame Dinge.
Nämlich es rieselte erst in dem hurtigen, dunkelen Schiffe
Lieblicher Wein jetzt hin, süßhauchender, und es erhub sich
Göttlicher Duft; doch Schrecken ergriff, wie sies sahen, die Schiffer.
Und bald breiteten bis zu dem äußersten Rande des Segels
Hier und dort Weinreben sich aus, und Trauben die Fülle
Hingen herab; um den Mast auch rankete dunkeler Efeu,
Sprossend mit Blüten empor, und es keimt‘ anmutige Frucht dran;
Alle die Bänke bekamen Umwindungen. Jene befahlen
Aber, es sehend, dem Steurer sofort, an das Ufer zu fahren
Gleich mit dem Schiff. Dionysos jedoch ward jetzo zum grausen
Leun an dem Ende des Schiffs und brüllete, doch in der Mitte
Schuf er ein Bärtier, rauch und zottelig, Wunder verrichtend.
Dies stand gierig nun auf; doch dort auf der äußersten Bank stand
Graunvoll schielend der Leu; und bang zu dem Hinterverdeck flohn
Jene zu Steurer hin, der begabt mit gesundem Verstand war,
Tretend in Angst um denselben. Geschwind doch stürzte der Löwe
Drauf und packte den Führer; und sie, um dem Tod zu entrinnen,
Stürzten zumal, wie sies sahen, hinaus in die heilige Meerflut,
Wo zu Delphinen sie wurden. Des Steurers jedoch sich erbar-mend,
Hielt er denselben zurück, und er macht‘ ihn glücklich und sagte:
„Sei nur, Steurer, getrost, der du lieb mir bist in dem Herzen;
Wiss, ich bin Dionysos, der lärmende, welchen geboren
Semele, Kadmos‘ Tochter, dem Zeus in Umarmung gesellet.“ –
Sei mir gegrüßt, o Sprößling der Semele! Nimmer geziemts ja,
Daß man süßen Gesang anordne, deiner vergessend.

(Antike Lyrik. Hrsg. v. Carl Fischer. München 1964, S. 11 f.)
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Wasserfall

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.