Γραικύλος schrieb am 18.06.2023 um 14:27 Uhr (Zitieren)
"Daitales" (Die Leute von Freßhausen) war die erste Komödie des Aristophanes, 427 v.u.Z. aufgeführt. Es ging um einen Vater und seine beiden Söhne, von denen der eine - ganz im Sinne des Vaters - der klassischen Bildung (Homer) zugeneigt ist, während der andere, der Nichtsnutz, den modischen Sophisten anhängt.
Erhalten ist diese Komödie nicht; nur einige Zeugnisse sowie Textfragmente sind überliefert.
Re: ΔΑΙΤΑΛΕΣ
Bukolos schrieb am 18.06.2023 um 19:12 Uhr (Zitieren)
So hätte man es möglicherweise auf dem Theaterzettel lesen können. Seit der euklidischen Schriftreform sollte der Titel mit Eta (Δαιταλῆς) geschrieben worden sein.
Nesselraths Übersetzung des Titels im Neuen Pauly ist nicht unbedingt die Naheliegendste: Das Suffix -εύς kennzeichnet ja in der Regel ein Nomen agentis, nicht ein Ethnikon.
Re: ΔΑΙΤΑΛΕΣ
Bukolos schrieb am 18.06.2023 um 19:13 Uhr (Zitieren)
Naheliegendste -> naheliegendste
Re: ΔΑΙΤΑΛΕΣ
Γραικύλος schrieb am 18.06.2023 um 20:24 Uhr (Zitieren)
Und dann braucht es wohl auch den Plural, also: ΔΑΙΤΑΛΕΙΣ.
Re: ΔΑΙΤΑΛΕΣ
Bukolos schrieb am 18.06.2023 um 20:53 Uhr (Zitieren)
Nun ja, Δαιταλῆς ist ja bereits der Plural (zu Δαιταλεύς), und man wird für ein Aristophanesstück auch eher nicht die nachklassische Bildung der Form auf -εῖς ansetzen.
Re: ΔΑΙΤΑΛΗΣ
Γραικύλος schrieb am 18.06.2023 um 23:35 Uhr (Zitieren)
So tut es aber Meineke in seinen Fragmenta Poetarum Comoediae Antiquae.
Re: ΔΑΙΤΑΛΗΣ
Γραικύλος schrieb am 18.06.2023 um 23:46 Uhr (Zitieren)
Ich finde die Bestätigung: "Im älteren Attisch (bis etwa 375 v.Chr.) ist der Ausgang im Nom. Pl. -ης: οἱ βασιλῆς." Das wußte ich nicht; aber, wie gesagt, Meineke hält sich nicht daran.
Re: ΔΑΙΤΑΛΕΣ
Bukolos schrieb am 19.06.2023 um 10:49 Uhr (Zitieren)
Meineke bietet den Forschungsstand der ersten Hälfte des 19. Jhs. In der PCG 3, 2 von Kassel/Austin heißt das Stück Δαιταλῆς, obwohl der Catalogus fabularum es als Δαιταλεῖς listet.
Das ziehe ich zurück. Das Suffix -εύς markiert selbstverständlich auch Ethnika, und Nesselrath hat offenbar die Information, die Galen in der Praefatio zu seinem Vocum Hippocratis Glossarium liefert, dass nämlich die Δαιταλῆς einen (fiktiven) Demos bezeichnen, zugrundegelegt (vgl. fr. 233 PCG).
Re: ΔΑΙΤΑΛΗΣ
Γραικύλος schrieb am 19.06.2023 um 13:22 Uhr (Zitieren)
Im Kühner/Blass lese ich S. 449:
"Die Form ῆς ist auf den att. Inschr. bis gegen 350 vorherrschend, verschwindet um 325; εῖς zeigt sich 378 zuerst, seit 350 ist es häufig, allein vorkommend seit 329. [. ..] Danach versteht es sich, dass für die Tragiker, Aristophanes, Thucydides, Platon u. A. ῆς allein zulässig ist, wie auch die Handschr. es wenigstens z. T. bewahrt haben."