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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lukrez über außerirdisches Leben (358 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 17.06.2023 um 10:59 Uhr (Zitieren)
Lukrez, De rerum natura II 1048-1089:
Zunächst: Um uns herum nach allen Seiten, nach oben und unten, nirgendwo findet sich irgendeine Grenze [nulla est finis]. Das habe ich gezeigt, und so spricht die Sache auch für sich selbst: Was diese Tiefe ist, leuchtet ein. Wenn sich aber der Raum unbegrenzt dehnt in jede Richtung, wenn, des Weiteren, durch diesen Raum und seine Leere Urelemente [semina] fliegen in zahlloser Zahl, in immerwährender Bewegung auf vielerlei Weise getrieben, dann ist unvorstellbar und nicht zu denken, allein dieser eine Erdkreis und sein Himmel seien entstanden, und nichts über unsere Welt hinaus hätten all die anderen Keime entstehen lassen. Umso weniger, als unsere Erde von der Natur hervorgebracht ist: Aus Eigenem stießen die Elemente zusammen. Zufällig, auf vielerlei Weise zueinander getrieben, blindlings ohne Plan, immer wieder vergeblich, bis sich zusammentreffende Urelemente schließlich doch verbanden und derart zusammengeworfen den Anfang bildeten eines mächtigen Gewebes, von Erde und See und Himmel und der Familie lebender Wesen [es quae coniecta repente / magnarum rerum fierent exordia semper, / terrai maris et caeli generisque animantum.] Darum, ich sage es wieder und wieder, musst du zugeben, dass sich auch anderswo hier und da Materie verdichtet, verbunden hat, zu Welten wie der unseren, die, ohne etwas auszulassen, ein Äther umschlossen hält.

Weiter. Wenn genügend Materie vorhanden, wenn Raum genug ist, wenn weder andere Materie noch Kraft entgegenwirken, dann gehen die Dinge, seien wir sicher, ihren Gang und vollenden sich; wenn die Keime so reichlich vorhanden sind, dass die Lebensspanne aller lebenden Wesen nicht ausreichte sie zu zählen; wenn zuletzt die gleiche Kraft und Natur überall wirksam ist, gleichermaßen fähig, die Urelemente der Dinge zusammenzuwerfen, so wie sie auch hier die Keime zusammengeworfen hat – dann, das wirst du wohl zugeben, gibt es auch in anderen Regionen des Alls andere Welten, andere Menschenvölker und andere Tiergeschlechter auch. [necesse est confiteare / esse alios aliis terrarum in partibus orbis / et varias hominum gentis et saecla ferarum.]

Weiter. Im All, dem Gesamt der geschaffenen Dinge [in summa], gibt es nichts Singuläres, nichts, das nur einmal einzigartig entstanden ist und so auch gewachsen: Alles gehört einer Art an und ist eines von vielen. Denke zuerst an die lebenden Wesen, und du wirst sehen, dies trifft zu auf die wilden, die Berge durchstreifenden Tiere, auf die in zwei Geschlechtern geborenen Menschen, auf die tauben Schwärme schuppiger Fische und auch auf alle Flügelwesen der Luft. Und aus gleichem Grund musst du zugeben, dass auch Himmel und Erde und Sonne und Mond, das Meer und das Übrige nicht einzigartig sind, sondern in ungezählter Zahl existieren. Und auch sie stoßen auf den tief eingepflanzten Grenzstein des Lebens [quandoquidem vitae depactus terminus alte], auch sie haben einen vergänglichen Körper wie alle Arten hier auf der Erde, die alle wiederum viele hervorbringen.

(Lukrez: Über die Natur der Dinge – De rerum natura. Hrsg. v. Klaus Binder. 2 Bde. Darmstadt 2016; Bd. 1: Texte, S. 128-131)
 
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