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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Kirke #3 (341 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 13.06.2023 um 00:12 Uhr (Zitieren)
4. Apollonios von Rhodos: Die Argonauten

Rasch fuhren sie von dort durch die Wogen des Ausonischen Meeres, in Sichtweite der tyrsenischen Küste, und kamen zum bekannten Hafen der Kirkeinsel; sie warfen die Haltetaue vom Schiff direkt ans Ufer. Dort trafen sie Kirke an, wie sie ihr Haupt im Wasser des Meeres reinwusch, denn sie war durch nächtliche Träume sehr geängstigt worden: Von Blut schienen alle Gemächer und Bereiche des Hauses zu triefen, und Feuer verzehrte all ihre Zaubermittel, mit denen sie früher die Fremden, wer immer zu ihr kam, zu verwandeln pflegte. Die lodernde Flamme löschte sie selbst mit dem Mordblut, indem sie es mit den Händen schöpfte; so ließ ihre schreckliche Furcht nach.
Deshalb wusch sie, als sie mit der aufgehenden Morgenröte erwachte, im Wasser des Meeres ihr lockiges Haar und ihre Gewänder rein. Da liefen Geschöpfe, die jedoch weder wilden Tieren noch auch Menschen an Gestalt gänzlich glichen [θῆρες δ‘, οὐ θήρεσσιν ἐοικότες ὠμηστῇσιν / οὐδὲ μὲν ἄνδρεσσιν ὁμὸν δέμας], sondern aus verschiedenen Gliedern gemischt waren, in Scharen dahin, wie zahlreiche Schafe, die aus den Ställen kommen und dem Hirten folgen. Solche Wesen, aus verschiedenen Gliedern zusammengefügt, hatte auch früher schon die Erde selbst aus dem Urschlamm entstehen lassen, als sie noch nicht von Dürstender Luft dicht umgeben war und, von den Strahlen der sengenden Sonne noch nicht so sehr <ausge-dörrt>, <mehr> Feuchtigkeit aufnahm; das ordnete erst die Zeit durch <richtige> Kombination.
Solche monströsen Kreaturen folgten Kirke, die Helden aber ergriff gewaltiges Erstaunen. Als sie aber Kirkes Gestalt und ihre Augen erblickten, sagte ein jeder sogleich, <man könne> leicht <erkennen>, daß sie die Schwester des Aietes sei.
Als sie nun die Schreckbilder der nächtlichen Träume gebannt hatte, ging sie sogleich wieder zurück und forderte in listiger Absicht die Helden auf, ihr zu folgen, indem sie mit der Hand eine lockende Geste machte. Da blieb die Schar auf Befehl des Aisoniden [sc. Jason] zurück, <nur> das kolchische Mädchen [sc. Medea] nahm er mit sich. Die beiden folgten ihr auf dem Fuße, bis sie zum Haus der Kirke gelangten.
Die hieß sie auf schönen Sitzen Platz nehmen, ahnungslos, warum sie gekommen waren. Die beiden aber gingen schweigend zum Herd und kauerten sich dort nieder, wie es für elende Bittflehende Brauch ist, wobei Medea beide Hände vors Gesicht schlug, Jason aber sein großes, geknauftes Schwert, mit dem er den Sohn des Aietes erschlagen hatte, in den Boden heftete; beide erhoben jedoch kein einziges Mal ihre Augen unter den Lidern, um sie geradewegs anzublicken. Kirke erkannte sogleich ihr Flüchtlingslos und ihre Blutschuld. Weil sie die Satzung des Zeus Hikesios [Ζηνὸς θέμιν Ἱκεσίοιο] achtete, der Mördern zwar heftig grollt, ihnen aber auch wiederum hilft, deshalb bereitete sie die Opfer vor, mit denen schuldbeladene Schutzflehende entsühnt wer-den, wenn sie Zuflucht am Herd suchen.
Zuerst hielt sie zur Sühnung des nicht mehr rückgängig zu machenden Mordes über sie das Junge einer Sau, deren Zitzen von kürzlicher Geburt noch geschwollen waren, schnitt ihm die Kehle durch und benetzte deren Hände mit Blut; auch mit anderen Opferspenden besänftigte sie unter Anrufungen Zeus Katharsios, der Mörder entsühnt, wenn sie um Schutz bitten. Alles, was unrein war, trugen Najaden – Dienerinnen, die ihr alles besorgten – aus dem Haus. Ferner verbrannte sie drinnen am Herd Opferkuchen und weinlose Spenden unter Gebeten, damit die grauenhaften Erinnyen [σμερδαλέας Ἐρινύας] von ihrem Zorn ließen und auch Zeus selbst den beiden geneigt und wohlwollend sei, ob sie nun sorgenvoll kämen, weil sie ihre Hände mit dem Blut eines Fremden oder eines Verwandten besudelt hätten.
Als nun alles vollständig durchgeführt worden war, ließ Kirke <die beiden> aufstehen und auf glatt polierten Sitzen Platz nehmen; sie selbst setzte sich ihnen direkt gegenüber. Sogleich ergriff sie das Wort und erkundigte sich genau nach dem Anlaß ihrer Reise und warum sie in ihr Land und zu ihrem Haus gekommen seien und sich geradewegs als Bittflehende an ihren Herd begeben hätten. Denn die schreckliche Erinnerung an ihre Träume drang in ihre aufgewühlte Seele, und sie begehrte, die Muttersprache des Mädchens zu erfahren, sobald sie <ihre Abstammung> an ihren Augen, die sie <nun> auf-schlug, erkannt hatte. Denn alle Nachkommen des Helios waren einander leicht kenntlich, da sie durch das Funkeln ihrer Augen von fern einen wie Gold leuchtenden Schein auf ihr Gegenüber zu werfen pflegten.
Da erzählte die Tochter des verderbensinnenden Aietes, sich der kolchischen Sprache bedienend, der Kirke, die alles im einzelnen fragte, mit sanfter Stimme vom Zug und der Fahrtroute der Helden, wieviel sie sich in schwierigen Kämpfen gemüht hatten; ferner wie sie sich, von den Plänen ihrer besorgten Schwester verleitet, versündigt hatte und wie sie mit den Söhnen des Phrixos vor den schrecklichen Drohungen des Vaters weit weggeflohen war. Sie vermied es jedoch, vom Mord an Apsyrtos zu sprechen. Kirke aber blieb dies keineswegs verborgen; dennoch war sie voller Mitleid mit der Trauernden und sprach zu ihr folgende Worte:
„Du Ärmste, da hast du wahrlich eine schlimme und schimpfliche Heimkehr ersonnen! Ich fürchte, daß du dem schweren Groll des Aietes nicht mehr lange entgehen wirst: Bald wird er auch in die Gefilde von Hellas eindringen, um den Mord an seinem Sohn zu rächen, weil du unerträgliche Dinge getan hast. Doch da du nun einmal eine Bittflehende bist und <außerdem> eine Verwandte von mir, will ich dir, die du hierhergekommen bist, nicht noch mehr Übel ersinnen. Verlaß aber mein Haus zusammen mit dem Fremden, diesem Unbekannten, den du ohne Wissen deines Vaters aufgegriffen hast, und umfasse nicht mehr als Bittflehende meine Knie: Denn deine Pläne und deine schmähliche Flucht kann ich nicht billigen!“
So sprach sie; Medea aber ergriff tiefer Schmerz: Sie hielt sich das Gewand vor die Augen und klagte weinend, bis Jason, der Held, sie an die Hand nahm und die vor Angst Zitternde aus dem Haus führte; so verließen sie den Wohnsitz der Kirke.

[IV 659-752]

 
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