Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod des Kambyses II. #3 (336 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.06.2023 um 00:16 Uhr (
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Fortsetzung Herodot III 61-64:
65 Mehr sprach er nicht. Aber nach zwanzig Tagen ließ er die Vornehmsten der anwesenden Perser zu sich kommen und sagte zu ihnen: „Perser, mich zwingt jetzt die Not, euch mein tiefstes Geheimnis zu verkünden. In Ägypten hatte ich einen Traum. Hätte ich ihn doch nie gehabt! Ich glaubte, ein Bote käme von Hause zu mir mit der Meldung, Smerdis sitze auf dem Königsthron und berühre mit seinem Haupt den Himmel. Da bekam ich Angst, mein Bruder könnte mich der Herrschaft berauben, und handelte mehr rasch als weise. Es liegt eben nicht in der Macht der Menschen, eine Schicksalsfügung abzuwenden [ἐν τῇ γὰρ ἀνθρωπίῃ φύσι οὐκ ἐνῆν ἄρα τὸ μέλλον γίνεσθαι ἀποτρέπειν]. Ich Tor aber schicke Prexaspes nach Susa, um Smerdis töten zu lassen. Nach diesem großen Frevel lebte ich furchtlos, ohne zu bedenken, daß nach Smerdis‘ Beseitigung einmal ein anderer sich gegen mich erheben könnte. In allem aber, was die Zukunft betraf, habe ich mich geirrt, bin ohne Not zum Brudermörder geworden und verliere um nichts weniger mein Reich. Der Mager Smerdis war es, der sich nach dem Traumorakel der Gottheit gegen mich erheben sollte. Mein Verbrechen ist geschehen; glaubt mir, Smerdis, der Sohn des Kyros, ist nicht mehr am Leben. Die Mager sind Herren über euer Königreich, der Verwalter meiner Güter, den ich zurückließ, und sein Bruder Smerdis. Der Mann, der mich am ehesten gegen die schimpfliche Tat der Mager hätte schützen müssend, ist durch seine engsten Verwandten frevelhaft hingemordet worden. Weil er jetzt nicht mehr lebt, bleibt mir nur, Perser, als zweites euch aufzutragen, was nach meinem Tod geschehen soll. Ich beschwöre euch bei den Göttern meines Königshauses und trage euch allen, am meisten aber den Anwesenden von den Achaimeniden, auf, nicht zuzulassen, daß die Herrschaft wieder auf die Meder übergeht. Wenn sie diese mit List gewinnen, nehmt ihr sie ihnen mit List wieder weg. Und wenn sie sie mit Gewalt an sich reißen, dann bringt sie mit Gewalt unter Aufbietung aller Kräfte wieder in eure Hand! Wenn ihr das tut, möge euch die Erde Frucht tragen, mögen Frauen und Herden gesegnet sein, und ihr selbst möget in Ewigkeit frei bleiben! Wenn ihr aber die Herrschaft nicht zurückgewinnt und auch keinen Versuch dazu unternehmt, dann soll euch, so flehe ich, das Gegenteil eintreten! Dan wün-sche ich obendrein jedem Perser ein ebenso trauriges Ende, wie es mir beschieden ist.“ So sprach er und weinte über all sein unglückliches Schicksal.
66 als aber die Perser ihren König aufschluchzen sahen, zerrissen sie alle ihre Kleider von oben bis unten und brachen in unendliches Wehklagen aus. Dann aber, als der Brand an den Knochen kam und den Schenkel zerfraß, raffte der Tod Kambyses dahin, den Sohn des Kyros, nachdem er im ganzen sieben Jahre und fünf Monate regiert hatte. Er hinterließ keine Kinder, weder Söhne noch Töchter. [...]
(Herodot: Historien. Herausgeben von Josef Feix. 2 Bde. München ²1977; Bd. 1, S. 416-423)
Da hat er durch die Ermordung des einen Smerdis sich des Schutzes beraubt, den er gegen den anderen Smerdis gebraucht hätte ... und so das Orakel erfüllt, indem er es vermeiden wollte.