α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Paradies: kein bloßer Mythos (372 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.06.2023 um 16:15 Uhr (Zitieren)
Gab es das einmal, das Paradies auf Erden? Offenbar ja. Aber wann? In einer erdgeschichtlichen Periode, die Ediacarium heißt und 600 Millionen Jahre zurückliegt. 600 Millionen Jahre! Das war sehr, sehr lange vor dem Auftreten der ersten Säugetiere und erst recht des heute dominierenden Säugetiers, des Menschen. Aber doch lange nach der Zeit des geheimnisvollen letzten gemeinsamen Vorfahren aller heute existierenden Lebewesen, des LUCA (Last Universal Common Ancestor). Es gab also im Ediacarium schon verschieden Lebewesen: Cyanobakterien, Algen und sogar Großorganismen, die man als Tiere bezeichnen kann, weil sie sich bewegten. Ihre Namen sagen nur den Fachleuten etwas: Eoandromeda, mit ihren acht Armen möglicherweise eine Verwandte der Rippenquallen; Charnia, ein längliches Wesen mit Seitenästen, die von einem Schaft ausgehen; Ikaria, ein auf dem Bauch durch den Sand rutschendes Tier; Spriggina floundersi, ein wurmähnliches Tier ... und viele andere mehr.

Doch was hat es mit dem Paradies auf sich? Man spricht unter Paläontologen, den Experten für die Erdgeschichte, in Anspielung darauf vom „Ediacara-Garten“. Keines der Ediacara-Lebewesen verfügte, den fossilen Funden zufolge, über harte Schalen. Harte Schalen sind ein Beleg dafür, daß die natürliche Selektion auf einen Schutz hin arbeitet. Auch findet man nicht, wie aus späteren Zeiten, Hohlgänge, die von einem Bedürfnis zeugen, sich zu verstecken. Offenbar gab es in dieser weit zurückliegenden Zeit kein räuberisches Verhalten, keine Raubtiere. Die Lebewesen verfügten entweder selbst über die Fähigkeit, mithilfe des Sonnenlichtes Photosynthese zu betreiben, oder sie lebten mit eingelagerten mikroskopischen Algen, die für sie die Sonnenenergie verwerteten, oder von der Energie heißer vulkanischer Quellen. Weil davon genügend zur Verfügung stand, lebten sie weitgehend konfliktfrei. Spannend war ihre Existenz wohl nicht, aber friedlich. Soweit sich diese Wesen asexuell, also durch Zellteilung (Klonen) fortgepflanzt haben, besaßen sie sogar in gewissem Sinne die Unsterblichkeit.

Für die Evolution allerdings bedeutet mangelnder Wettbewerb nichts Gutes. Es fehlte der Druck, sich zu verändern. Nicht einmal im Millionen Jahren veränderten sich die Lebewesen des Ediacariums nennenswert.

Am Ende dieser Periode muß sich etwas ereignet haben, das diese Verhältnisse grundlegend änderte: ein Klimawandel, eine Vergletscherung, ein Rückgang des Meeresspiegels und des Sauerstoffanteils im Meer – genau ist das den Forschern nicht bekannt. Jedenfalls ist es zum ersten großen Massensterben in der Erdgeschichte gekommen, und dann folgte etwas, das man die kambrische Explosion nennt, nämlich eine (für erdgeschichtliche Verhältnisse) extrem rasche Entstehung und Vermehrung von Arten. Diese Periode nennt man das Kambrium, beginnend vor 540 Millionen Jahren.

Irgendein Lebewesen, und das ist die biologische Revolution, hat begonnen, sich seine Energie nicht mehr von der Sonne zu holen, sondern von anderen Lebewesen, die es fraß. Der erste Räuber ist entstanden. Und jetzt begann die Evolution auf Hochtouren zu laufen. Die natürliche Selektion ließ unter diesem Druck Lebewesen entstehen, die sich mit Panzern oder Krallen zu wehren verstanden, die sich durch Schnelligkeit in Sicherheit bringen konnten, und andererseits Raubtiere, die mit ihren Zähnen Panzer knacken oder durch noch größere Schnelligkeit die fliehende Beute einzuholen vermochten. Dies wiederum führte bei den Beutetieren zu ... Man kann es sich vorstellen: eine Spirale der Entwicklung hatte begonnen.

Der idyllische Garten des Paradieses hätte nicht zu derart komplexen und hochspezialisierten Lebewesen geführt, wie wir sie seitdem kennen. Die Evolution setzt Druck, Wettbewerb und Knappheit an Lebensraum und Lebensmitteln (Energie) voraus.

Entweder Frieden oder Evolution – beides zugleich ist in der Biologie nicht vorgesehen. Und, was immer wir von den Möglichkeiten des Menschen zu halten haben, er ist das Resultat dieser Evolution; ihr verdankt er, was er ist.

Ein Paradies ist, das Ediacarium zeigt es, biologisch möglich. Aber um welchen Preis?
_____
Als Informationsquellen habe ich verwendet:

Thomas Halliday: Urwelten. Eine Reise durch die ausgestorbenen Ökosysteme der Erde. München ³2022

Arik Kershenbaum: Ein Naturführer durch den Kosmos. Berlin 2023

Norman MacLeod: Arten sterben. Wendepunkte der Evolution. Darmstadt 2016
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Wasserfall

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.