Das Wesen und die Einteilung der Tiere #2 (350 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.06.2023 um 00:09 Uhr (Zitieren)
Aristoteles, De partibus animalium:
(Aristoteles: Über die Teile der Lebewesen. Hrsg. v. Wolfgang Kullmann. Darmstadt 2007, S. 28 f., 50f., 97)
Aristoteles begründet so die klassische Definition eines Tieres mit seinen fünf Wesensmerkmalen: Bewegung, Empfindung, Verdauung, Fortpflanzung und innerer Mechanismus, der sie funktionieren läßt (Physiologie). Daß es Tiere gibt, denen eines oder mehrere dieser Merkmale fehlen, reflektiert er am Beispiel der Schwämme, Seegurken und Quallen.
Problematischer ist seine Klassifizierung der Tiere mittels Form und Funktion. Und obwohl ihm bewußt war, daß Wale und Delphine Luft atmen, warmblütig sind und ihre Jungen säugen, lag es für ihn aufgrund der Gestalt näher, sie dennoch zu den Fischen zu zählen. Das kann man tun, es ist eine Definitionssache; doch heute verwendet man das Prinzip der Abstammung, und da haben Wale etc. eben andere Vorfahren als die Fische, weshalb Linné 1758 Wale und Delphine zu Säugetieren erklärte.
Das Abstammungsprinzip muß freilich nicht das letzte Wort der Biologie sein, denn sollte es außerirdisches Leben geben, dann schlösse eine Klassifikation, die ausschließlich auf Abstammung und nicht auf Form oder Funktion beruht, alle Außerirdischen, egal wie ähnlich sie uns sind, aus der Kategorie „Tier“ aus, denn sie wären ja in keiner Weise mit unseren Tieren durch Abstammung verbunden.
[Vgl. Arik Kershenbaum: Ein Naturführer durch den Kosmos. Berlin 2023, S. 54-62]