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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Thomas Browne über den Phönix #1 (347 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.05.2023 um 14:22 Uhr (Zitieren)
Sir Thomas Browne (1605-1682), den man als den englischen Montaigne bezeichnen könnte, hat sich in seinem Werk "Pseudodoxia epidemica" (12) über den Mythos vom Phönix geäußert:
Dass es auf der Welt immer nur einen Phönix gebe und dass dieser sich nach Hunderten von Jahren selbst verbrenne, um aus seiner Asche einen neuen erstehen zu lassen, ist eine Vorstellung, die weder neu noch besonders volkstümlich, sondern ehrwürdigen Alters ist; wir finden sie sowohl in weltlichen Schriften als auch in denen geistlicher Autoren wie Cyril (1), Epiphanios (2) und anderen, in Ambrosius‘ Hexameron (3) und in Tertullians Gedicht De Judicio Domini (4), am schönsten und nützlichsten aber in dessen Traktat De Resurrectione carnis. Er schreibt hier: Illum dico alitem orientis peculiarem, de singularitate famosum, de posteritate monstruosum; qui semetipsum libenter funerans renovat, natali fine decedens, atque succedens iterum Phœnix. Ubi jam nemo, iterum ipse; quia non jam, alius idem. (5)

Auch die Heilige Schrift weiß davon, vor allem im Vers 18 des 29. Kapitels des Buchs Hiob. In der Übersetzung Bedas: Dicebam in nidulo meo moriar, & sicut Phœnix multiplicabo dies (6), und in den Worten des 92. Psalms, übersetzt und erläutert im oben genannten Buch Tertullians:

δίκαιος ὡς φοῖνιξ ἀνθήσει,

vir justus ut Phœnix florebit. (7)

All dem zum Trotz können wir nicht von der Existenz eines solchen Tiers ausgehen noch bestätigen, dass es in der Natur je irgendeinen Phönix gegeben habe, denn fehlt dazu doch schon der entscheidende Richtspruch, die ausschlaggebende Probe bei allen ungewissen Sachverhalten: die verständige Sinneswahrnehmung des Menschen. Obschon viele Autoren die Länge und Breite darüber geschrieben haben, findet sich kein einziger Bericht eines Augenzeugen oder von jemand, der eine Bestätigung aus eigener Anschauung sich anmaßen könnte. Und so schrieb ausdrücklich schon Herodot, der diese Geschichte bei den Griechen eingeführt hatte, dass er nie einen Phönix gesehen habe, es sei denn auf einem Bild. (8) [...]

(1) Cyril: Catechesis XVIII 8, hier als Beweis für die Auferstehung
(2) Epiphanios von Salamis: Ancoratus
(3) V 23
(4) früher christlicher Theologe aus Karthago; das hier erwähnte Gedicht ist nicht nachweisbar.
(5) Die Auferstehung des Fleisches XIII: „Ich spreche von jenem Vogel des Orients, der berühmt ist dafür, dass es immer nur einen dieser Art gibt, ein Wunder in seiner Fortpflanzung, denn er tötet sich willig selbst, um sich zu erneuern; er stirbt einen Tod, der eine Geburt ist, und wird zu einem neuen Phönix, wo kein anderer mehr ist, und wird ein zweites Mal zu jenem Wesen, das es nicht mehr gibt, ein anderer und doch der gleiche.“
(6) „Ich sagte, ich werde in meinem kleinen Nest sterben und meine Tage vervielfachen wie der Phönix.“
(7) „Der Gerechte blüht auf wie ein Phönix.“ In deutschen Übersetzungen, eingeschlossen derjenigen Luthers, grünt oder gedeiht der Gerechte wie eine Palme; im Altgriechischen sind Palme und Phönix Homophone.
(8) Herodot II 73

 
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