α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Proteus #11 - Vergil (343 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.05.2023 um 14:31 Uhr (Zitieren)
Vergil, Georgica IV 387-529:
Staunend horchte sogar das Reich des Todes, der tiefste
Tartarus, lauschte der Chor der Erinyen, bläuliche Schlangen
blähend im Haar, auch Kerberus hielt vor Staunen sein dreifach
Maul weit auf, still ruhte der Wind und das Rad des Ixion.
Schon ging Orpheus zurück, entronnen jeglicher Fährnis,
auch Eurydike stieg erlöst empor zu des Tages
Lüften, hinter ihm drein, - so wollte Proserpinas Vorschrift -,
da überfiel urplötzlich den Liebenden, bar aller Vorsicht,
Wahnsinn, verzeihlicher, gäbe es nur bei den Manen Verzeihung;
blieb er doch stehn, nach seiner Eurydike, fast schon am Lichte,
sah er sich um, vergaß des Gebots, überwältigt vom Herzen.
Da zerrann all Mühen in nichts, des unholden Herrschers
Pakt war gebrochen und grell kracht dreimal donnernd der Orkus.
Klagend rief sie: „Wer nur verdarb mich Arme und dich, mein
Orpheus, was für ein Wahn? Schon ruft mich grausam das Schicksal
wieder zurück, schon bricht Todesschlaf die verschwimmenden Augen.
Leb nun wohl, die gewaltige schlingt mich, die Nacht, ich versinke,
kraftlos nach dir – weh! nicht mehr dein! – ausbreitend die Arme.
[feror ingenti circumdata nocte
invalidasque tibi tendens, heu non tua, palmas.]”
Sprach’s und jäh seinen Augen entrückt, wie Rauch in die Lüfte
zart verweht, so schwand sie hinab, sah nicht mehr den Armen,
wie er vergeblich die Schatten umfing und viel, ach, so viel noch
sagen wollte. Es ließ ihn nicht der Ferge (2) des Orkus
wieder von neuem durchqueren den Sumpf, die trennende Grenze.
Was nun, wohin gehn, da zweimal die Gattin entrissen?
Wie soll er weinend die Manen, wie rufend die Götter noch rühren?
Sie aber glitt, schon starr und kalt, im stygischen Nachen.
Sieben ganze Monde hindurch, so heißt es, hat Orpheus
Unter ragendem Fels am einsam wogenden Strymon
weinend und klagend durchwühlt sein Weh in eisiger Grotte.
Hold bezwang die Tiger sein Sang und zum Reigen die Eichen.
Klagt doch die Nachtigall auch im Schatten der Pappel
Trauernd über der Jungen Verlust, die der Pflüger, der rohe,
fand und dem Neste entriß, die ungefiederten; sie nun
weint durch die Nacht hin, sitzt auf dem Zweig, verströmt voller Jammer
Lied auf Lied und füllt weithin mit Klagen die Lande.
Venus beugte sein Herz nicht mehr, nicht mehr Hymenaeus.
Einsam im hohen Norden durchs Eis und am schneeigen Don hin
zog er, durch skythisches Land, das nie sich entschleiert vom Rauhreif,
klagt, Eurydike, deinen Verlust und die fruchtlose Gabe
Plutos. Also verschmäht, ergrimmten die thrakischen Frauen.
und am Festtag, nachts, durchglüht von bacchantischem Taumel,
warfen zerfleischt den Jüngling die Fraun weithin durchs Gefilde.
Aber noch jetzt, da das Haupt, vom marmornen Nacken gerissen,
mitten in strudelnder Flut fortwälzt der befreundete Stromgott,
klagt doch die Stimme „Eurydike!“ noch, lallt stockend die Zunge:
„Weh, meine arme Eurydike!“ noch ersterbenden Hauches,
hallten „Eurydike!“ bang entlang am Strome die Ufer.“
Also Proteus, stürzte sich drauf in die Tiefen des Meeres,
drehte beim Sturze schäumend empor im Wirbel die Woge.
[...]

(Vergil: Landleben. Herausgegeben von Johannes und Maria Götte. München ²1977, S. 176-185)

(2) Fährmann
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Pfau

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.