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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Proteus #10 - Vergil (318 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.05.2023 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Vergil, Georgica IV 387-529:
Dann zum Schlaf hin strecken, am Strand zerstreut, sich die Robben.
Proteus selbst, wie der Wächter der Hürden oft auf den Bergen,
wenn von der Weide der Abendstern heimholte die Rinder
und den Wolf mit lautem Geblök aufstacheln die Lämmer,
setzt auf den Felsen inmitten sich hin und zählt seine Herde.
Doch Aristaeus erfaßt die Gelegenheit, ihn zu ergreifen,
läßt ihm kaum noch Zeit, die ermüdeten Glieder zu strecken,
bricht hervor mit großem Geschrei und schlägt ihn in Fesseln,
so, wie er liegt. Der aber vergißt nicht all seine Schliche,
formt sich in allerlei Wundergestalt durch wechselnde Wesen:
Feuer und schauerlich Tier und flüchtigströmende Welle.
Doch kein Trug verhalf ihm zur Flucht. Er gab sich geschlagen,
ward wieder Proteus und sprach nun endlich mit menschlichem Munde:
„Wer nur, tolldreister Bursch, wer hieß dich, unsre Behausung
angehn, was willst du haben von hier?“ So sprach er; doch jener:
„Weißt ja, Proteus, weißt es genau. Dich kann ja nichts täuschen;
laß nun auch selber den Trug. Denn göttlicher Weisung gehorsam
kamen wir, hier des Orakels Rat uns zu holen im Unglück.“
Soviel sprach er. Darauf verdreht nun endlich, vom Krampfe
furchtbar geschüttelt, der Seher die blitzblaubrennenden Augen
und dumpf knirschend löst er dem Spruch des Schicksals die Zunge:
„Wahrlich, es schlägt dich der Zorn einer unverächtlichen Gottheit,
büßest schweres Vergehn. So straft voll Jammer dich Orpheus,
und noch wäre dein Maß nicht erreicht, wenn Schicksal nicht wehrte.
Denn vor dir auf der Flucht am Fluß kopfüberhinjagend,
sah sie, die Arme, dem Tode Verfallene, sah vor den Füßen
nicht am Ufer die Schlange, die grausige, lauern im Grase.
Aber der Altersgenossinnen Chor, die Dryaden, erfüllten
rings mit Jammer die Gipfel, es weinten Rhodopes Berge,
weinte Pangaeas Gebirg, es weinte die attische Maid Orithyia.
Er aber schlug, sein krankes Herz zu trösten, die Leier,
dich, sein holdes Gemahl, dich sang er, einsam am Strande,
dich, wenn der Tag sich erhob, sang dich, wenn er scheidend sich neigte;
selbst zum höllischen Schlund, durch Plutos ragende Pforte
und zum Haine, den Angst und Grauen düster umschauert,
drang er, tief zu den Manen hinab, zum furchtbaren Herrscher,
Herzen, die nimmer verstehn, sich menschlicher Bitte zu beugen
[nesciaque humanis precibus mansuescere corda].
Aber, vom Liede verlockt, hervor aus höllischen Tiefen
schwebten wie Hauch die Schatten, die Schemen, entrissen dem Lichte,
wie in Blättern sich Schar bei Schar die Vögel verbergen,
wenn von den Bergen der Abend sie scheucht und eisiger Sturmwind.
Mütter und Gatten und Leiber, gewaltige, adliger Recken,
nun dem Leben entrückt, und Knaben und bräutliche Mägdlein,
Jünglinge auch, auf den Holzstoß gebahrt vor den Augen der Eltern,
all diese bannt rings schwarz der Schlamm und des grausen Kokytos
garstiges Ried und der Sumpf, der unliebliche, trägen Gewoges,
und die Styx, neunmal sie umwindend, hält sie gefangen.

 
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