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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Genie und Wahnsinn (299 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.04.2023 um 17:51 Uhr (Zitieren)
1.
Nam siue Graeco poetae credimus, „aliquando et insanire iucundum est,“ siue Platoni, „frustra poeticas fores compos sui pepulit“; sive Aristoteli, „nullum magnum ingenium sine mixtura dementiae fuit“. Non potest grande aliquid et super ceteros loqui nisi mota mens.

Denn mögen wir dem griechischen Dichter (1) glauben: „Manchmal ist auch von Sinnen zu sein angenehm“; oder Platon: „Vergeblich hat an die Tore der Dichtung, wer seiner selbst mächtig, geklopft“; oder Aristoteles: „Keine hohe Begabung gibt es ohne eine Beimischung von Wahnsinn“. Nicht kann etwas Großes und über die übrigen hinaus sprechen die Seele, wenn sie nicht bewegt.

[Seneca, De tranquillitate animi XVII 10]


2.
Ὃς δ’ ἄν, ἄνευ μανίας Μουσῶν, ἐπὶ ποιητικὰς θύρας ἀφίκηται πεισθεὶς ὡς ἄρα ἐκ τέχνης ἱκανὸς ποιητὴς ἐσόμενος, ἀτέλης αὐτός τε καὶ ἡ ποίησις ὑπὸ τῆς τῶν μαινομένων ἡ τοῦ σωφρονῦντος ἠφανίσθη.

Wer aber ohne diesen Wahnsinn der Musen in den Vorhallen der Dichtung sich einfindet, meinend, er könne durch Kunst allein genug ein Dichter werden, ein solcher ist selbst ungeweiht, und auch seine, des Verständigen Dichtung, wird von der des Wahnsinnigen verdunkelt.

[Platon, Phaidros 245d]


3.
Viele aber werden auch, weil diese Wärme nahe dem Sitz des Verstandes ist, von Krankheiten der Raserei und der Begeisterung ergriffen, woher die Sibyllen und Wahrsager und die Begeisterten alle ihren Ursprung haben, sofern sie nicht durch Krankheit, sondern durch ihre natürliche Mischung so werden. Marakos von Syrakus (2) war immer dann ein besserer Dichter, wenn er in Ekstase war.

[Aristoteles, Problemata physica 253a 34-38]

(1) wahrscheinlich eine Anspielung auf Anakreon
(2) Dieser Dichter wird nur hier erwähnt.
Re: Genie und Wahnsinn
Γραικύλος schrieb am 24.04.2023 um 18:19 Uhr (Zitieren)
Verzeihung, Phaidros 245a.
Re: Genie und Wahnsinn
filix schrieb am 24.04.2023 um 23:17 Uhr (Zitieren)
Non potest grande aliquid et super ceteros loqui nisi mota mens.
Nicht kann etwas Großes und über die übrigen hinaus sprechen die Seele, wenn sie nicht bewegt.


Für die von der antiken Inspirationstheorie, die von einem Ergriffenwerden spricht, abgehende aktivische Übersetzung gibt es eigentlich keinen Grund, oder?
Re: Genie und Wahnsinn
Γραικύλος schrieb am 25.04.2023 um 10:28 Uhr (Zitieren)
Da die Übersetzung von Manfred Rosenbach etwas altertümelt, habe ich mir hinzugedacht: "wenn sie nicht bewegt [ist]", im passivischen Sinne.
Re: Genie und Wahnsinn
Γραικύλος schrieb am 25.04.2023 um 10:28 Uhr (Zitieren)
Da die Übersetzung von Manfred Rosenbach etwas altertümelt, habe ich mir hinzugedacht: "wenn sie nicht bewegt [ist]", im passivischen Sinne.
Re: Genie und Wahnsinn
Marcella schrieb am 25.04.2023 um 22:22 Uhr (Zitieren)
Wie lässt sich die hier angesprochene Grundbedingung für - ich nehme an - Kunst und Philosophe und dergl. - , die mota mens mit dem stoischen Ziele des animus tranquillus vereinbaren? Kann das zusammengehen?
Re: Genie und Wahnsinn
Γραικύλος schrieb am 26.04.2023 um 13:50 Uhr (Zitieren)
Seneca betont XVII 9: "Sed, ut libertatis, ita uini salubris moderatio est." Und: "Sed nec saepe faciendum est, ne animus malam consuetudinem ducat."
So versöhnt er, wie mir scheint, das, was nicht zu leugnen ist, mit seinem stoischen Ideal.
Unter den Autoritäten, die er XVII 10 zitiert, befinden sich ja keine Stoiker.
 
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