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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3 (402 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.04.2023 um 15:07 Uhr (Zitieren)
Fortsetzung 11. Tafel:
Diese Frist kam herbei:
Am Morgen gingen Linsen nieder, am Abend ein Weizenregen.
Des Wetters Aussehn betrachtete ich –
Das Wetter war fürchterlich anzusehn.
Ich trat hinein ins Schiff und verschloß mein Tor.
Dem Schiffer Pusur-Amurri, dem Verpicher des Schiffes,
Übergab den Palast (15) ich samt seiner Habe.
Kaum daß ein Schimmer des Morgens graute,
Stieg schon auf von der Himmelsgründung schwarzes Gewölk.
In ihm drin donnert Adad (16),
Vor ihm her ziehen Schullat und Chanisch (17).
Über Berg und Land als Herolde ziehen sie.
Eragal (18) reißt den Schiffspfahl (19) heraus,
Ninurta geht, läßt das Wasserbecken ausströmen,
Die Anunnaki hoben Fackeln empor,
Mit ihrem grausen Glanz das Land zu entflammen.
Die Himmel überfiel wegen Adad Beklommenheit,
Jegliches Helle in Düster verwandelnd;
Das Land, das weite, zerbrach wie ein Topf.
Einen Tag lang wehte der Südsturm ...,
Eilte dreinzublasen, die Berge ins Wasser zu tauchen,
Wie ein Kampf zu überkommen die Menschen.
Nicht sieht einer den andern,
Nicht sind die Menschen erkennbar im Himmel.
Vor dieser Sintflut erschraken die Götter,
Sie entwichen hinauf zum Himmel des Anu –
Die Göttern kauern wie Hunde, sie lagern draußen!
Es schreit Ischtar wie eine Gebärende,
Es jammert die Herrin der Götter, die schönstimmige:
‚Wäre doch jener Tag zu Lehm geworden (20),
Da ich in der Schar der Götter Schlimmes geboren!
Wie konnte in der Schar der Götter ich Schlimmes gebieten,
Den Kampf zur Vernichtung meiner Menschen gebieten!
Erst gebäre ich meine lieben Menschen,
Dann erfüllen sie wie Fischbrut das Meer!‘
Die Anunnaki-Götter klagen mit ihr,
Die Götter ... sitzen in Klagen,
Mit verdorrten Lippen ...
Sechs Tage und sieben Nächte
Geht weiter der Wind, die Sintflut,
Ebnet der Südsturm das Land ein.
Wie nun der siebente Tag herbeikam,
Schlug nieder der Südsturm die Sintflut, den Kampf,
Nachdem wie eine Gebärende sie um sich geschlagen.
Ruhig und still ward das Meer,
Der Orkan war aus und die Sintflut.

(Das Gilgamesch-Epos. Hrsg. v. Albert Schott. Stuttgart ²1978, S. 86-94)

(15) Auch dieses scheinbar großzügige Geschenk sollte die Bürger von Schurippak irreführen.
(16) Wettergott
(17) Götterherolde
(18) Unterweltsgott
(19) das Weltenruder?
(20) d.h. wäre er doch nie gewesen!
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Marcella schrieb am 14.04.2023 um 17:21 Uhr (Zitieren)
Die Bauweise der Arche erscheint in der akkadischen Gilgamesch-Harmonie von Schott mysteriöser als in der Bibel.

Dort ist sie klar, aber unplausibel Ein Lüftungsfenster von einer Elle im Quadrat ist für sämtliche Tiere vorgesehen. "Ein Fenster sollst du daran machen obenan, eine Elle groß", sagt Gott. Das dürfte niemals reichen.

Hier kommt wieder einer meiner verpfuschten Links:
https://www.uni-heidelberg.de › fakultaeten › philosophie › ori › assyriologie › forschung › gilga.htm

Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Γραικύλος schrieb am 15.04.2023 um 16:01 Uhr (Zitieren)
Der Link führt unmittelbar nur zur Seite der Universität Heidelberg; den Rest muß man dann suchen.
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Γραικύλος schrieb am 15.04.2023 um 16:06 Uhr (Zitieren)
Der Link führt unmittelbar nur zur Seite der Universität Heidelberg; den Rest muß man dann suchen.

Bis hierhin bin ich gekommen:

https://www.ori.uni-heidelberg.de/assyriologie/forschung/

Zu Gilgamesch von dort aus nicht mehr.
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Bukolos schrieb am 16.04.2023 um 09:58 Uhr (Zitieren)
Zitat von Marcella am 14.4.23, 17:21Dort ist sie klar, aber unplausibel Ein Lüftungsfenster von einer Elle im Quadrat ist für sämtliche Tiere vorgesehen. "Ein Fenster sollst du daran machen obenan, eine Elle groß", sagt Gott. Das dürfte niemals reichen.

Ich fürchte zwar, dass sich damit nicht alle Zweifel an der Historizität der Arche ausräumen lassen, aber das Fensterchen scheint eine Dreingabe der auf Luthers Übersetzung fußenden deutschen Bibelfassungen zu sein, wobei Luther hier wohl der Interpretation der Vulgata gefolgt ist. In stärker am Text des Bereschit orientierten Übersetzungen, etwa der Version von Buber/Rosenzweig, ist besser fürs Tierwohl gesorgt: "Einen Lichteinfall mache dem Kasten, indem du ihn oben all aufführst bis an eine Elle." (Die fünf Bücher der Weisung, 10. Aufl., Heidelberg 1981, S. 24.)
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Marcella schrieb am 16.04.2023 um 11:54 Uhr (Zitieren)
Maul | Mitarbeiter | Institut für Assyriologie | Universität Heidelberg
www.ori.uni-heidelberg.de › assyriologie › mitarbeiter › maul

Vielleicht geht der Link, o unermüdlicher Γραικύλος ? Es handelt sich hier um ein neu gefundenes Bruchstückchen zum Archenbau.
Stefan Maul ist schon richtig.

@Bukolos: Diese Version macht deutlich mehr Sinn, was die Größe des Durchlasses angeht, jedoch als Bauanweisung für mich nicht so recht. Meine Einheitsübersetzung lässt den fraglichen Vers der Einfachheit halber ganz weg.
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Marcella schrieb am 16.04.2023 um 11:59 Uhr (Zitieren)
Das Wetter war fürchterlich anzusehn, Vers 4 des Textes oben.
Nach meiner Erinnerung lautet der Vers im Orignal:

Umu ana ataplusi puluchta ischi.
Der Tag zum Ansehen Fürchterlichkeit hatte."

So In interlinearversion.

Man beachte die deutliche Lautmalerei des heranziehenden finalen Unwetters. Die akkadischen Epen benutzen oft bewusst Stilmittel.
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Marcella schrieb am 16.04.2023 um 12:06 Uhr (Zitieren)
Den interessanten Link zur Assyrologie Heidelberg kann man aber unter dem Titel finden:
"Wer baute die babylonische Arche? Ein neues Fragment...", wenn der griechische Kobold schon komplette Links bei mir sabotiert.
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Γραικύλος schrieb am 16.04.2023 um 15:20 Uhr (Zitieren)
An Marcella:

Zu gilga.htm: mit einem angehängten L kommt man, glaube ich, weiter, also gilga.html
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Bukolos schrieb am 16.04.2023 um 18:25 Uhr (Zitieren)
Zitat von Marcella am 16.4.23, 11:59Nach meiner Erinnerung lautet der Vers im Orignal:

Umu ana ataplusi puluchta ischi.
Der Tag zum Ansehen Fürchterlichkeit hatte."

So In interlinearversion.

Ähnlich lautet auch die Übersetzung von Stefan M. Maul (Das Gilgamesch-Epos, 5. Aufl., München 2012, S. 143):
92 Ich hatte des Tages Antlitz geschaut.
93 Gräßlich war es, den Tag immer wieder aufs neue anzusehen.


Vers 91 (den Maul so übersetzt: "In der Morgenröte läßt er Kuchen, in der Dämmerung des Abends Schauer von Weizen herniederregnen") bzw. dessen Parallelverse (46/47 und 88) erweist er in seinem Kommentar als translinguales Wortspiel:
Auch diese Weissagung hat einen furchtbaren Hintersinn, der sich nur dem wissenden Gelehrten erschließen kann, der nicht allein der babylonischen Sprache mächtig ist, sondern auch die uralte sumerische Sprache beherrscht, die schon um 2000 v. Chr. ausgestorben war, aber als ‹Sprache der Götter› weiterhin gepflegt wurde. Das babylonische Wort für ‹Kuchen›, kukku, klingt nahezu genauso wie das sumerische Wort für ‹Finsternis›. Überträgt man das babylonische Wort für ‹Weizen› ins Sumerische, so bedeutet dieses sumerische Wort ‹gig› nicht nur ‹Weizen›, sondern auch ‹Krankheit› und ‹Unglück›. Die sich der sumerischen Sprache bedienenden Götter senden den Menschen also Kuchen und Weizen. Aber mit diesen Vorzeichen kündigen sie ihnen Finsternis und Unglück an. (A. a. O., S. 186.)
Re: Die Sintflut im Gilgamesch-Epos #3
Γραικύλος schrieb am 17.04.2023 um 18:12 Uhr (Zitieren)
Das ergibt freilich einen anderen Sinn, einen Hintersinn, den ich der Schott-Übersetzung nicht entnehmen konnte.
 
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