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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Polystratos #2 (311 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.04.2023 um 15:40 Uhr (Zitieren)
Fortsetzung "Über die grundlose Verachtung der Volksmeinung":
(4) Die Wahrheit nämlich steht überall mit sich selbst in Einklang und widerspricht sich nie, wie die Täuschung, und sie macht die Überzeugung in jedem Punkt unerschütterlich. Deshalb ist alles, was man über derartige Dinge sagt, nichtig, wenn man nicht die Möglichkeit oder Unmöglichkeit beweist, daß solche Kräfte in der Natur vorhanden sind, wie sie die Überlieferung voraussetzt, oder daß Gott dies nach seinem Willen vollbringe. ... Bei der Untersuchung dieser Fragen darf man nicht Schlüsse und Beweise anwenden oder spitzfindige Redensarten machen, sondern muß auf dem Wege der Naturforschung alle Erscheinungen betrachten und prüfen, ob es möglich ist, daß es das gebe, oder nicht. ... Sie beseitigt jede Furcht und jede sinnlose Ängstlichkeit und ebenso alle sonstigen seelischen Affekte, die auf grundlosen und irrtümlichen Meinungen beruhen. Sie allein ermöglicht ein freies Leben, da der Geist Zuversicht schöpft aus der Erkenntnis all der Ursachen, die grundlos Beunruhigung veranlassen, und von aller Unwissenheit, allem Trug und allem Wahn befreit wird, was das ideale Ziel des Lebens ist. ... Die Wahrheit des Gesagten wirst du noch besser erkennen, wenn du die Behauptungen der übrigen Philosophen prüfst. ... Du wirst dann bei ihren Äußerungen [finden], daß das Verfahren der einen im einzelnen auf Schlüssen und feststehenden Voraussetzungen beruht, die nicht einmal sie selbst im Leben anwenden oder befolgen, die andern aber, um ihren Nebenmenschen zu gefallen oder sie zu täuschen, um augenblicklichen Beifall zu erhaschen und die Menge zu beeinflussen, ein mannigfaltiges Geschwätz vorführen, das weder ihnen selbst, noch ihren Zuhörern zu einem besseren und vollkommeneren Leben die Richtung weist. ... Unsere Natur aber sucht selbst ihr Ziel. Ohne das ist das übrige nur Künstelei. Nur das geht uns etwas an und dient in Wahrheit der Besserung des Lebens, wodurch wir von den nur von Einbildungen ausgehenden Affekten befreit werden und zu sonniger Heiterkeit und einem kummerlosen und uns angenehmen Dasein gelangen. Dies ist, wie gesagt, nur die Frucht der richtig betriebenen Naturwissenschaft, vermöge der wir erkennen, wie es sich mit der Natur dessen, was existiert, verhält.

(5) [Andere Philosophen] reden nicht um ihres Seelenfriedens willen, wie man an den früher besprochenen sieht und an der Schule derjenigen, die sich selbst die Gefühllosen und Kyniker nennen. ... Sie behaupten, es gebe weder etwas Anständiges noch Unanständiges, noch überhaupt etwas derart. Denn diese Begriffe seien nicht wie Stein oder Gold und dergleichen, von denen wir behaupten, daß sie, ein jedes von Natur, nicht vermöge der Sitte vorhanden seien, für alle Menschen dasselbe, sondern für die einen dies, für andere jenes. Nichts davon existiere in Wirklichkeit; denn wenn dies der Fall wäre, wie in Wahrheit Erz und Gold stets und überall in der gleichen Weise existiert und nicht für diesen Erz ist, für jenen aber nicht, auch nicht in diesem Volke vorhanden ist, in den andern aber nicht, so müßte dann auch das Anständige und Unanständige, wenn es wirklich existierte, nicht für den einen ein Ziel des Strebens sein, von dem andern dagegen gar nicht anerkannt werden. Es gebe nur Angenehmes und Unangenehmes. Wenn aber weder für die Tiere noch für alle Menschen das Anständige und Unanständige u. dgl. dasselbe sei, so beruhen die verschiedenen Sitten der Menschen auf Täuschung und verdienen keinerlei Beachtung. – Aus diesen und ihnen ähnlichen Behauptungen ergibt sich, daß manche Menschen dreisterweise die Sitten der Menschen verachten und vielfach übertreten, wofür sie denn auch wahrhaftig den verdienten Lohn, wie ich schon oben sagte, empfangen, indem sie den Argwohn der Leute erregen und aus den alten Städten verbannt werden.

(Die Nachsokratiker. 2 Bde. hrsg. v. Wilhelm Nestle. Jena 1923; Bd. 1, S. 229-236)
 
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