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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Polystratos #1 (326 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.04.2023 um 14:11 Uhr (Zitieren)
Polystratos war seit 250 v.u.Z. Oberhaupt der Epikureischen Schule und ist gestorben vor 220/219.
Sein Hauptwerk trägt den Titel "Über die grundlose Verachtung der Volksmeinung (Περὶ ἀλόγου καταφρονήσεως τῶν ἐν τοῖς πολλοῖς δοξαμένων)".
Darin bekämpft diejenigen Philosophen (Skeptiker und Kyniker), die der Volksmeinung jegliche Bedeutung absprechen.
Fragmente des Buches sind in Herculaneum gefunden worden. Der Herausgeber hat die einzelne Fragmente in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht.
(1) Es ist lächerlich, da es für die Tiere Vorzeichen, Vogelzeichen oder vorbedeutende Stimmen oder Anständiges und Unanständiges und was dergleichen Vorstellungen sind, entweder nicht gibt, oder, wenn es sie gibt, sie von ihnen nicht verstanden werden, weil sie keine Denkfähigkeit besitzen wie wir, deshalb [zu behaupten, das auch für uns alles das in Wahrheit nicht vorhanden sei,] oder sonstwie den Satz aufzustellen, die Tiere machen dieselben Erfahrungen wie wir. Das tun jetzt einige törichte Leute, die ihre Auffassung künstlich begründen mit Hilfe der Beweisführung anderer, die nicht fähig sind, die Folgerung daraus zu erkennen, nicht mittels ihrer eigenen Beweisführung oder derjenigen von Leuten, die etwas richtig erkennen.

(2) [Es kommt darauf an,] die Seele von Furcht und argwöhnischer Besorgnis zu befreien[,] und ich halte es für die Aufgabe des Denkens, die sinnlose Beunruhigung durch Träume, Vorzeichen und alles, was eine solche sonst grundlos hervor-ruft, zu beseitigen. Das kann aber nicht geschehen ohne vorhergehende Prüfung und die Erkenntnis, daß alles das, was solche Beunruhigung bewirkt, auf Täuschung beruht. [... Da gilt es,] nur für die Gesundheit zu sorgen. Denn wenn man gesund ist, wird man von keinem einzigen dieser Dinge mehr belästigt werden, von denen man jetzt belästigt wird. „Auch ich“, wirst du sagen, „weiß das und will es, und glaube mir die Voraussetzungen für meine Tätigkeit geschaffen zu haben. Du aber gibst mir das Mittel nicht an, mit dem ich dies zustande bringen könnte, sondern sagst nur, wenn ich gesund werde, werde ich nichts davon brauchen. Das sieht, wie man sagt, selbst ein Blinder.“

(3) Nicht einmal die hiervon Überzeugten [πεπεισμένοι] führen diese ihre Auffassung durch, sondern du wirst sehen, daß sie, die solche Reden im Munde führen, zu allererst selbst bei ihren Handlungen sich abergläubisch zeigen und daß sie, wenn sie je einmal den Mut haben, bei ihrer Verachtung dieser Dinge etwas nach ihrer Auffassung durchzuführen, in Reue und Angst geraten, wie jener Mann, von dem man erzählt, er habe in einem Heiligtum eine Schlange getötet und dann, als sich etwas Befremdliches ereignete, um sich zu entsühnen, eine goldene geweiht und dazu geopfert.

(Die Nachsokratiker. 2 Bde. hrsg. v. Wilhelm Nestle. Jena 1923; Bd. 1, S. 229-236)

 
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