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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Augustus und der verhinderte Kindermord (385 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.04.2023 um 15:22 Uhr (Zitieren)
filix hat darauf aufmerksam gemacht, daß es auch im Falle des Octavian bzw. Augustus einen Bericht über einen (Beinahe-)Kindermord zwecks Verhinderung eines künftigen unerwünschten Königs, also in Analogie zum Herodes-Bericht, gibt:

Sueton, Divus Augustus 94, 3:
Auctor est Iulius Marathus (1), ante paucos quam nasceretur menses prodigium Romae factum publice, quo denuntiabatur, regem p(populo) R(omano) naturam parturire; senatum exterritum censuisse, ne quis illo anno genitus educaretur; eos qui gravidas uxores haberent, quod ad se quisque spem traheret, curasse ne senatus consultum ad aerarium deferretur.

Aus der Feder des Iulius Marathus stammt folgende Nachricht: wenige Monate vor seiner [sc. des Augustus] Geburt habe sich mitten in Rom ein Wunderzeichen ereignet, durch das kundgetan wurde, die Natur drohe, dem römischen Volk einen König hervorzubringen. Das schreckte den Senat auf, und er beschloß, daß kein Junge, der in dem betreffenden Jahr auf die Welt komme, großgezogen werden dürfe. Diejenigen, deren Frauen schwanger waren, hätten dafür gesorgt, daß der Senatsbeschluß nicht in Kraft trete; denn jeder bezog ja die Hoffnung eines solchen Sohnes auf sich.

(C. Suetonius Tranquillus: Die Kaiserviten – De Vita Caesarum. Herausgegeben von Hans Martinet. Düsseldorf/Zürich 1997, S. 294-297)

(1) Freigelassener des Augustus und Verfasser einer Biographie seines Patrons
Re: Augustus und der verhinderte Kindermord
Andreas schrieb am 01.04.2023 um 17:27 Uhr (Zitieren)
Damit ist klar, wo das Motiv geklaut wurde.

Die Kirche feiert einen absurden Gedenktag.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kindermord_in_Bethlehem

https://www.katholisch.de/artikel/1867-klage-als-befreiung
Re: Augustus und der verhinderte Kindermord
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 02.04.2023 um 02:56 Uhr (Zitieren)
Ist das wirklich so klar?

Die Abfassung des Evangeliumstextes nach Matthäus wird allgemein für den Zeitraum 80-90 n. Chr. angesetzt, da war Sueton ca. 10-20 Jahre alt, seine Kaiserviten erscheinen nach der Absetzung des Prätorianerpräfekten und Widmungsträgers C. Septicius Clarus, der dieses Amt zwischen 118 und 122 innehatte. In ebendieses Jahr fallen auch Suetons Verlust des Amtes als Leiter der kaiserlichen Kanzlei.
Eine direkte Übernahme Suetons in das Evangelium erscheint angesichts dessen nicht recht schlüssig.

Allerdings sind die zeitlichen Verhältnisse nur Indizien, weil natürlich nicht auszuschließen ist, daß der Inhalt des Berichts des Marathus über den Augusteischen (geplanten) Kindermord oder aus anderen Quellen (auf die sich Sueton gestützt haben mag, welche ihm vielleicht aber auch unbekannt oder unzugägnglich waren) auch in den judenchristlichen Gemeinden Syriens (aus deren Reihen der Vf. des Matthäus-Evangeliums wohl stammte) bekannt und im Schwange war.

Das zu beurteilen bin ich mangels tiefergehender Kenntnisse nicht in der Lage, aber so in Bausch und Bogen zu urteilen wie Andreas erscheint mir kühn, wenigstens voreilig.
Re: Augustus und der verhinderte Kindermord
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 02.04.2023 um 03:19 Uhr (Zitieren)
Nachtrag - Zur Karriere Suetons am Kaiserhof:

Die Freundschaft mit Plinius dem Jüngeren40 (verschafft) dem kinderlosen Sueton 112 n. Chr. bei Kaiser Trajan die Vorrechte von Eltern mit drei Kindern (Ius trium liberorum).41

Kurz darauf wurde Sueton Sekretär am kaiserlichen Hof und erhielt unter Trajan die Ämter a studiis und a bibliothecis. Zu seinen Aufgaben gehörte von diesem Zeitpunkt an den Kaiser bei Bedarf mit Fachwissen zu versorgen (a studiis) sowie die kaiserlichen Bibliotheken Roms zu beaufsichtigen (a bibliothecis). Unter Trajans Nachfolger Hadrian erhielt Sueton im Jahr 118 n. Chr. das Amt des ab epistulis, welches die Leitung des Sekretariats bezeichnete. Von dort an bestand seine Aufgabe darin, mit den Städten und Völkerschaften des römischen Imperiums Korrespondenz zu führen. Dank des neuen Amtes hatte Sueton Zugang zu den kaiserlichen Archiven, was seinen weiteren Werdegang als Geschichtsschreiber stark beeinflussen sollte.42
[Hervorhebung meine]

40 Anwalt und Senator in Rom.

41 Vgl. Hanslik, Sueton, S. 2945.

42 Vgl. ebd., S. 673.


https://www.grin.com/document/296199
 
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