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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der stumme Rat eines Tyrannen (333 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.03.2023 um 12:29 Uhr (Zitieren)
Herodot V 92:
[...] Als Kypselos Tyrann (1) geworden war, benahm er sich folgendermaßen: Er verbannte eine Menge Korinther, raubte vielen das Vermögen und weitaus den meisten das Leben. Nach dreißigjähriger Herrschaft starb er eines ruhigen Todes. Ihm folgte sein Sohn Periandros auf den Thron. Er zeigte sich anfangs milder als sein Vater.

Als er aber durch Boten mit Thrasybulos, dem Tyrannen von Milet, in Verkehr getreten war, wurde er noch weit blutgieriger als Kypselos. Er schickte nämlich einen Boten zu Thrasybulos und ließ ihn fragen, wie er seine Sache am sichersten einrichten und dabei die Stadt am besten verwalten könne. Thrasybulos führte den Boten des Periandros aus der Stadt, betrat ein Saatfeld und durchschritt es, während er den Boten wiederholt nach dem Zweck seines Kommens aus Korinth befragte. Dabei riß er immer wieder ein Ähre ab, die er über die anderen herausragen sah, und warf sie dann fort, bis er schließlich den schönsten und dichtesten Teil des Feldes mit diesem Tun entstellt hatte.

Nachdem er das Feld durchschritten, entließ er den Boten, ohne ihm weiter eine Antwort zu geben. Als dieser nach Korinth zurückkehrte, wollte Periandros begierig den Rat des Thrasybulos erfahren. Der Bote aber erwiderte, er habe keinen Rat erhalten, wundere sich aber, was das für ein Mann sei, zu dem ihn Periandros geschickt habe; der sei ja verrückt und schädige sein eigenes Land. Dabei erzählte er, was er bei Thrasybulos erlebt hatte.

Periandros aber verstand sein Tun und erriet, daß Thrasybulos ihm nahelege, die hervorragenden Bürger zu ermorden. So zeigte er offen all sein Wüten gegen seine Mitbürger. [...]

(Herodot: Historien. Herausgeben von Josef Feix. 2 Bde. München ²1977; Bd. I, S. 730-733)

(1) von Korinth (wohl 657-627 v.u.Z.)
 
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