Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Valeria Messalina #6 (400 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.03.2023 um 14:19 Uhr (
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Nun kommt Tacitus zum Ende:
37. Inzwischen fristete Messalina in den Lukullischen Gärten ihr Leben, verfaßte eine Bittschrift, manchmal voller Hoffnung und dann wieder zornentbrannt: so viel Hochmut zeigte sie in aussichtsloser Lage. Und wenn Narcissus ihre Tötung nicht beschleunigt hätte, so hätte sich das Verderben doch noch gegen den Ankläger gewandt. Denn Claudius, der nach Hause zurückgekehrt und durch ein frühzeitiges Mahl milder gestimmt, schließlich noch vom Wein erhitzt war, befahl, hinzugehen und der Unglücklichen [misera] – dieses Wort soll er gebraucht haben – mitzuteilen, sie solle zu ihrer Rechtfertigung am folgenden Tag erscheinen. Als man dies vernahm und herauszuhören war, daß der Zorn im Schwinden und die Liebe wieder im Kommen sei, stand zu befürchten, es könnte, wenn man zögere, die nahe Nacht die Erinnerung an das eheliche Schlafgemach wecken; daher stürzte Narcissus hinaus und gab den Zenturionen und dem wachhabenden Tribunen die Weisung, die Hinrichtung zu vollziehen: so befehle es der Kaiser. Als Aufsichtsführender und Vollstrecker wurde der Freigelassene Euodus beigegeben. Dieser schritt eilig in den Park voraus und fand sie auf der Erde hingesunken, neben ihr sitzend ihre Mutter Lepida: sie lebte mit ihrer Tochter, solange es dieser gut ging, nicht in Eintracht , hatte sich aber in deren höchster Not zum Mitleid [miseratio] durchgerungen und riet ihr, nicht auf den Mörder zu warten: vorbei sei ihr Leben und nichts anderes dürfe sie erstreben als Würde für ihren Tod. Aber in der durch die Lüste verdorbenen Seele [animo per libidines corrupto] wohnte kein Gefühl für Ehre mehr; sie gab sich weiter Tränen und nutzlosen Klagen hin, als von den heranstürmenden Soldaten die Tür aufgesto-ßen wurde und der Tribun schweigend vor ihr stand, während der Freigelassene sie mit vielen gemeinen Schimpfwörtern überhäufte.
38. Jetzt erst gewann sie Klarheit über ihre Lage, nahm den Dolch in die Hand und drückte ihn erfolglos unter Zittern bald an die Kehle, bald an die Brust: da erstach sie der Tribun. Den Leichnam überließ man der Mutter. Claudius erhielt bei Tisch die Meldung, Messalina sei ums Leben gekommen, ohne nähere Erläuterung, ob durch eigene oder fremde Hand; und jener fragte nicht, verlangte einen Becher und hielt die Gebräuche beim Trinkgelage ein. Auch an den folgenden Tagen gab er kein Anzeichen von Haß oder Freude, Zorn oder Trauer, überhaupt irgendwelcher menschlicher Regung [humani affectus signa] von sich, nicht als ihm die frohgestimmten Ankläger, nicht als ihm die betrübten Kinder vor die Augen traten. Und es half ihm der Senat, sie zu vergessen, durch den Beschluß, ihren Namen zu tilgen und ihre Standbilder aus Privathäusern und von öffentlichen Plätzen zu entfernen. Man erkannte dem Narcissus die Insignien des Quästors zu, eine ganz unbedeutende Ehre bei seinem Hochmut, da er sich über Pallas und Callistus stellte. <...> (14) waren zwar ehrenwert, aber es sollten daraus ganz schlimme Folgen und Trauer für viele erwachsen.
(P. Cornelius Tacitus: Annalen. Hrsg. v. Erich Heller. Darmstadt 1982, S. 481-493)
(14) Lücke im Text
Re: Valeria Messalina #6
Γραικύλος schrieb am 24.03.2023 um 18:49 Uhr (
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Re: Valeria Messalina #6
Bukolos schrieb am 28.03.2023 um 16:42 Uhr (
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Re: Valeria Messalina #6
Bukolos schrieb am 28.03.2023 um 18:54 Uhr (
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Kesiphodotos’ -> Kephisodotos’
Re: Valeria Messalina #6
Γραικύλος schrieb am 31.03.2023 um 16:28 Uhr (
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Den Link zu Eirene mit Plutos kann ich nicht öffnen.
Re: Valeria Messalina #6
Bukolos schrieb am 31.03.2023 um 19:09 Uhr (
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Re: Valeria Messalina #6
Bukolos schrieb am 31.03.2023 um 19:13 Uhr (
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Kein Original übrigens, sondern eine der zahlreichen römischen Kopien der Gruppe.
Re: Valeria Messalina #6
Γραικύλος schrieb am 01.04.2023 um 15:01 Uhr (
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Jetzt habe ich es. Ich danke.