Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Valeria Messalina #5 (313 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.03.2023 um 13:54 Uhr (
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(Fortsetzung Tacitus:)
36. Allein Mnester verursachte eine Verzögerung, da er sein Kleid zerriß und ausrief, anschauen solle er doch die Striemen der Hiebe (10) und sich an den Ausspruch erinnern, mit dem er ihn den Befehlen Messalinas ausgeliefert habe (11): andere seien durch ihre Freigebigkeit oder auch durch die Hoffnung auf eine bedeutende Stellung, er aus Zwang schuldig geworden [ex necessitate culpa]; und niemand hätte eher sterben müssen als er, wenn Silius zur Macht gekommen wäre. Beeindruckt durch diese Worte und zum Mitleid geneigt war der Kaiser; da drangen die Freigelassenen in ihn, man dürfe doch nicht, wenn so viele erlauchte Männer hingerichtet seien, einen Schauspieler schonen; ob er freiwillig oder gezwungen so schwere Schuld auf sich geladen habe, mache keinen Unterschied. Nicht einmal des römischen Ritters Traulus Montanus Verteidigung wurde anerkannt. Dieser, ein bescheidener, aber bildschöner junger Mann, war von Messalina ohne sein Zutun gerufen und innerhalb einer Nacht wieder fortgeschickt worden, da ihre Rücksichtslosigkeit in der Begierde und im Widerwillen gleich groß war. Suillius Caesoninus und Plautius Lateranus wurde die Todesstrafe erlassen, dem letzteren wegen der hervorragenden Verdienste seines Onkels (12); Caesoninus wurde durch seine Lasterhaftigkeit gerettet, da er sich in jenem ganz verruchten Kreis nur als Weib habe mißbrauchen lassen.
37. Inzwischen fristete Messalina in den Lukullischen Gärten ihr Leben, verfaßte eine Bittschrift, manchmal voller Hoffnung und dann wieder zornentbrannt: so viel Hochmut zeigte sie in aussichtsloser Lage. Und wenn Narcissus ihre Tötung nicht beschleunigt hätte, so hätte sich das Verderben doch noch gegen den Ankläger gewandt. Denn Claudius, der nach Hause zurückgekehrt und durch ein frühzeitiges Mahl milder gestimmt, schließlich noch vom Wein erhitzt war, befahl, hinzugehen und der Unglücklichen [misera] – dieses Wort soll er gebraucht haben – mitzuteilen, sie solle zu ihrer Rechtfertigung am folgenden Tag erscheinen. Als man dies vernahm und herauszuhören war, daß der Zorn im Schwinden und die Liebe wieder im Kommen sei, stand zu befürchten, es könnte, wenn man zögere, die nahe Nacht die Erinnerung an das eheliche Schlafgemach wecken; daher stürzte Narcissus hinaus und gab den Zenturionen und dem wachhabenden Tribunen die Weisung, die Hinrichtung zu vollziehen: so befehle es der Kaiser. Als Aufsichtsführender und Vollstrecker wurde der Freigelassene Euodus beigegeben. Dieser schritt eilig in den Park voraus und fand sie auf der Erde hingesunken, neben ihr sitzend ihre Mutter Lepida: sie lebte mit ihrer Tochter, solange es dieser gut ging, nicht in Eintracht (13), hatte sich aber in deren höchster Not zum Mitleid [miseratio] durchgerungen und riet ihr, nicht auf den Mörder zu warten: vorbei sei ihr Leben und nichts anderes dürfe sie erstreben als Würde für ihren Tod. Aber in der durch die Lüste verdorbenen Seele [animo per libidines corrupto] wohnte kein Gefühl für Ehre mehr; sie gab sich weiter Tränen und nutzlosen Klagen hin, als von den heranstürmenden Soldaten die Tür aufgesto-ßen wurde und der Tribun schweigend vor ihr stand, während der Freigelassene sie mit vielen gemeinen Schimpfwörtern überhäufte.
(10) Er hatte die Hiebe auf Befehl Messalinas erhalten, wenn er ihr nicht zu Willen war.
(11) Um sich ihn gefügig zu machen, hatte Messalina den Claudius, der den wahren Grund nicht ahnte, einen Befehl dieser Art an Mnester ausstellen lassen.
(12) Er hatte sich bei der Eroberung Britanniens ausgezeichnet.
(13) Messalina hatte Appius Silanus, den zweiten Mann ihrer Mutter, umbringen lassen, weil er ihr nicht zu Willen war.